Ganzkörper-Magnetresonanztomographie versus klinische Evaluation der Enthesitis bei Spondyloarthritis

Ganzkörper-Magnetresonanztomographie versus klinische Evaluation der Enthesitis bei Patienten mit Spondyloarthritis

Die Enthesitis, eine Entzündung der Enthesen (Ansatzstellen von Sehnen oder Bändern am Knochen), ist ein Leitsymptom der Spondyloarthritis (SpA). Sie tritt häufig vor Gelenksymptomen auf und korreliert mit schwereren erosiven Krankheitsverläufen. Als diagnostisches Schlüsselkriterium unterscheidet sie SpA von anderen rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis. Trotz ihrer klinischen Relevanz gestaltet sich die Evaluation der Enthesitis aufgrund der Vielzahl von Enthesen im menschlichen Körper und methodischer Limitationen traditioneller Diagnostikverfahren herausfordernd. Diese Studie untersucht den Nutzen der Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (WB-MRT) zur Detektion und Charakterisierung von Enthesitis bei SpA-Patienten im Vergleich zu klinischen Evaluationsmethoden.

Hintergrund und Bedeutung

Die Enthesitis ist besonders in frühen SpA-Stadien von zentraler Bedeutung. Klinische Druckschmerzassessments, konventionelle Radiographie, Sonographie und lokale MRT stellen bisherige Standardmethoden dar, die jedoch nur begrenzte regionale Einsichten ermöglichen. Die WB-MRT als neuartiges Verfahren visualisiert den gesamten Körper in einer einzigen Untersuchung. Trotz geringerer Auflösung gegenüber konventioneller MRT erlaubt sie die simultane Detektion von Enthesitis in multiplen Regionen, was sie zu einem vielversprechenden Tool für das SpA-Monitoring macht.

Bisherige Studien konzentrierten sich überwiegend auf die WB-MRT-Anwendung bei Psoriasis-Arthritis (PsA), sodass reale Daten für SpA fehlen. Diese Studie schließt diese Lücke, indem sie das Enthesitis-Verteilungsmuster bei SpA-Patienten mittels WB-MRT analysiert und mit klinischen Befunden vergleicht.

Studiendesign und Methodik

Die an der Tianjin First Central Hospital durchgeführte Studie wurde durch die Ethikkommission genehmigt. Von initial 50 nach ASAS-Kriterien (Assessment of Spondyloarthritis International Society) klassifizierten axialen SpA-Patienten (ax-SpA) wurden nach Anwendung von Ausschlusskriterien 30 Patienten eingeschlossen. Ausschlusskriterien umfassten schwere Primärerkrankungen, Profisportler/Bodybuilder, Frakturen/Gelenkoperationen in der Anamnese, aktuelle Glukokortikoidtherapie und MRT-Kontraindikationen.

Alle Patienten unterzogen sich einer WB-MRT an einem Philips 3T Ingenia-Gerät mit Phased-Array-Spulen. Das Protokoll beinhaltete T1-gewichtete und STIR-Sequenzen (Short Tau Inversion Recovery). Enthesitis wurde bei Vorhandensein von Signalhyperintensitäten in STIR (Knochenmarködem/Weichteilödem) mit korrespondierender Signalreduktion in T1-gewichteten Aufnahmen diagnostiziert. Bewertete Enthese-Regionen: Schulter, vordere Thoraxwand, Becken, Knie und Fuß. Pro Patient wurden 36 Enthese-Punkte analysiert (insgesamt 1080 Punkte).

Die klinische Evaluation erfolgte mittels modifiziertem Maastricht Ankylosing Spondylitis Enthesitis Score (MASES) und Leeds Enthesitis Index (LEI). Der klinische Enthesitis-Score ergab sich aus der Summe beider Scores. Der laterale Humerusepicondylus wurde aufgrund protokollbedingter MRT-Ausschlüsse nicht klinisch bewertet.

Ergebnisse

Demographische und klinische Charakteristika

Das mediane Alter betrug 34,9 Jahre (64,5 % Männer). 63,3 % zeigten HLA-B27-Positivität. 20 Patienten erhielten Biologika, 8 NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), 2 keine Therapie.

Klinische und WB-MRT-Befunde

Klinisch wurde Enthesitis an 12 % der 450 untersuchten Enthese-Stellen nachgewiesen. Die vordere Thoraxwand war am häufigsten betroffen (44 % der Fälle). Der mittlere klinische Enthesitis-Score lag bei 1,9 ± 2,4 von maximal 15 Punkten.

WB-MRT detektierte Enthesitis an 9 % der 1020 evaluierten Stellen. Das Becken dominierte (28 % der Fälle), gefolgt von Thoraxwand, Schulter, Knie und Fuß. Häufigste Enthese-Läsionen fanden sich an Tuber ischiadicum (10 Fälle), Trochanter major (9 Fälle) und Sternoklavikulargelenken (SCG). Die geringste Enthesitis-Häufigkeit zeigten Achillessehne und Plantaraponeurose.

Vergleich klinischer und WB-MRT-Befunde

WB-MRT identifizierte Enthesitis bei 76 % (22/30) der Patienten versus 57 % (17/30) klinisch. Beckenenthesitis wurde mittels WB-MRT bei 50 % der Patienten nachgewiesen (klinisch: 20 %), thorakale Beteiligung klinisch bei 40 % versus 33 % in der WB-MRT.

Es bestand eine signifikante Korrelation zwischen WB-MRT- und klinischen Enthesitis-Scores (Spearman-Rho = 0,45; p < 0,05). Keine Korrelation zeigte sich zwischen WB-MRT-Scores und dem Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS). Patienten mit >5-jähriger Krankheitsdauer wiesen tendenziell höhere Enthesitis-Scores auf (4,17 ± 3,24), jedoch ohne Signifikanz.

Intrareader-Reliabilität

Der Intrareader-ICC (Intraclass Correlation Coefficient) für WB-MRT-Scores lag bei 0,91, was eine hohe Reproduzierbarkeit unterstreicht. Dies wurde durch standardisiertes Radiologen-Training gemäß OMERACT (Outcome Measures in Rheumatology Clinical Trials)-Kriterien erreicht.

Diskussion

Die Studie unterstreicht den Wert der WB-MRT zur Detektion klinisch okkulter Enthesitis, insbesondere in schwer zugänglichen Regionen wie dem Becken. Die Diskrepanz zwischen klinischen und bildgebenden Befunden lässt sich durch subklinische Entzündungsprozesse und limitierte Palpationstiefe erklären. Die fehlende ASDAS-Korrelation deutet darauf hin, dass etablierte Aktivitätsscores die Enthesitis-Last unzureichend abbilden.

Die hohe Intrareader-Reliabilität unterstützt den Einsatz der WB-MRT als standardisiertes Assessment-Tool. Limitationen wie die unspezifische T2-Signalgebung und geringere räumliche Auflösung gegenüber konventioneller MRT erfordern jedoch weiterführende Optimierungen der Bildqualität.

Fazit

Die WB-MRT ermöglicht eine umfassende Evaluation der Enthesitis bei SpA und bietet gegenüber klinischen Methoden entscheidende Vorteile in der Detektion subklinischer Entzündungen. Sie könnte sich als Standardverfahren zur Beurteilung von Krankheitsaktivität und strukturellen Schäden bei SpA und PsA etablieren, um gezieltere Therapieentscheidungen zu unterstützen.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001813

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