Gardner-Fibrom mit lokalisierter Hypertrichose ohne APC – Genmutationen

Gardner-Fibrom mit lokalisierter Hypertrichose ohne Mutationen im Adenomatösen Polyposis Coli-Gen

Das Gardner-Fibrom (GAF) ist ein seltener benigner Weichteiltumor, der häufig mit der familiären adenomatösen Polyposis (FAP) assoziiert ist, einer durch Mutationen im Adenomatous Polyposis Coli (APC)-Gen bedingten Erkrankung. Sowohl GAF als auch FAP sind Bestandteile des Gardner-Syndroms (GS), das durch die Trias aus intestinaler Polyposis, Weichteiltumoren (einschließlich GAF und Desmoidtumoren) sowie Osteome charakterisiert ist. Dieser Fallbericht beschreibt ein sporadisches GAF bei einem 29-jährigen chinesischen Patienten ohne APC-Genmutationen, begleitet von lokalisierter Hypertrichose und einem tubulären Adenom im Sigmas. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des GAF als Marker für gastrointestinale und ossäre Abnormalitäten, auch ohne Nachweis von APC-Mutationen.

Der Patient stellte sich mit einer schmerzlosen Schwellung am rechten Oberschenkel vor, die seit fünf Jahren bestand. In der Familienanamnese fanden sich keine Hinweise auf ähnliche Erkrankungen. Die klinische Untersuchung zehrte eine weiche, gut abgegrenzte bräunliche Läsion (ca. 2 cm × 2 cm) mit 28 terminalen dunklen Haaren auf der Oberfläche. Die Laboranalyse ergab eine erhöhte neuronenspezifische Enolase (20,4 ng/ml; Norm: 0–16,3 ng/ml). Sonographisch zeigte sich ein oberflächlicher, unscharf begrenzter hypoechogener Knoten (21 mm × 6 mm) mit streifigen Hypoechogenitäten und punktförmigen Hyperechogenitäten. In der Farbdopplersonographie wurde ein „Twinkling“-Artefakt im Knoten beobachtet.

Die histopathologische Untersuchung ergab eine Hyperkeratose und lokale Atrophie der Epidermis. In der Dermis fand sich eine hypozelluläre Proliferation aus ungeordneten groben Kollagenfasern mit spindelzellären Elementen sowie hyalinen Degenerationsarealen. Die Kollagenfasern umschlossen Lobuli von Fettgewebe. Auffällig war eine vermehrte Anzahl von Haarfollikeln in der tiefen Dermis. Die immunhistochemische Färbung war negativ für β-Catenin, Cyclin-D1, C-myc, CD34, S-100 und FGF3.

Ganzkörperknochenszintigraphie und Abdomensonographie zeigten keine ossären oder intraabdominellen Fibrome/Desmoidtumoren. Im Kolon wurde jedoch ein tubuläres Adenom (0,5 cm × 0,5 cm) mit niedriggradiger Dysplasie identifiziert. Genetische Analysen (Blutproben des Patienten und seiner Eltern) mittels PCR-Amplifikation aller 15 Exons und flankierender Introns des APC-Gens ergaben keine Mutationen.

GAF manifestiert sich typischerweise als asymptomatische singuläre oder multiple subkutane Knoten, meist am Rücken, im paraspinalen Bereich oder an den oberen Extremitäten. Die Größe variiert zwischen 0,5 und 2,5 cm. Obwohl GAF häufig mit APC-Mutationen einhergeht, kann es auch sporadisch auftreten. Studien deuten darauf hin, dass APC-mutierte GAF multifokal und größer sind, während sporadische Fälle resektabler und weniger aggressiv verlaufen.

Die histologische Diagnose basiert auf plattenartig infiltrierenden Kollagenbündeln mit eingeschlossenen Strukturen. Typische immunhistochemische Marker (β-Catenin, Cyclin-D1, C-myc, CD34) fehlten in diesem Fall. Dennoch unterstreicht die Assoziation mit dem kolorektalen Adenom die Rolle des GAF als Warnsignal für systemische Pathologien.

Bemerkenswert ist die lokalisierte Hypertrichose als bisher nicht beschriebene Manifestation. Die vermehrten Haarfollikel deuten auf einen Zusammenhang zwischen fibröser Proliferation und Follikelbildung hin, dessen Mechanismus weiter untersucht werden muss.

Zusammenfassend sollten Patienten mit GAF umfassend auf gastrointestinale und ossäre Anomalien untersucht werden, auch bei fehlendem APC-Mutationsnachweis. Dieses Fallbeispiel betont die Bedeutung des GAF als Sentinel-Läsion und erweitert das klinische Spektrum um die Hypertrichose als möglichen Hinweis auf die Tumorpathogenese.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000383

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