Geschlechtsspezifische Unterschiede beim systemischen Lupus erythematodes (SLE): Eine Inzeptionskohorte des chinesischen SLE-Behandlungs- und Forschungsgruppen-Registers (CSTAR) XVII
Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine komplexe Autoimmunerkrankung mit systemischer Beteiligung und multiplen Autoantikörpern. Obwohl die Erkrankung vorwiegend Frauen im reproduktiven Alter betrifft, variieren Beginn und klinische Manifestationen zwischen den Geschlechtern. Die Lupusnephritis (LN), eine schwere renale Komplikation des SLE, tritt bei über 60 % der SLE-Patienten auf und ist eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität. Trotz zunehmender Forschung zu SLE sind geschlechtsspezifische Unterschiede in klinischen Merkmalen, Therapiepräferenzen und Outcomes, insbesondere in der chinesischen Bevölkerung, unzureichend untersucht. Diese Studie basiert auf dem chinesischen SLE-Behandlungs- und Forschungsgruppen-Register (CSTAR) und analysiert Geschlechtsunterschiede in einer großen Inzeptionskohorte chinesischer SLE- und LN-Patienten.
Methodik
Es wurden 8.713 neu diagnostizierte SLE-Patienten (795 Männer [9,1 %], 7.918 Frauen [90,9 %]) zwischen April 2009 und März 2021 eingeschlossen, davon erfüllten 2.900 (347 Männer, 2.553 Frauen) die LN-Kriterien. Das Geschlechterverhältnis betrug in der SLE-Gruppe 1:10 und reduzierte sich in der LN-Gruppe auf 1:7,4. Die LN-Prävalenz lag bei 33,3 %, niedriger als die 47,4 % in der CSTAR-Kohorte von 2013, möglicherweise bedingt durch geringere renale Beteiligung bei Erstdiagnose.
Ergebnisse
Männliche SLE-Patienten zeigten einen späteren Erkrankungsbeginn (37,0 ± 15,8 vs. 35,1 ± 13,7 Jahre, p = 0,006), ebenfalls in der LN-Gruppe (37,3 ± 16,1 vs. 35,0 ± 13,9 Jahre, p = 0,026). Die SLICC/ACR-Schadensindizes waren bei Männern höher (0,47 ± 1,13 vs. 0,34 ± 0,81, p = 0,015), was auf schwerere Organschäden hindeutet. Klinisch hatten Männer höhere Inzidenzen von LN (43,6 % vs. 32,2 %, p < 0,001), Fieber (18,0 % vs. 14,6 %, p = 0,010), Thrombozytopenie (21,4 % vs. 18,5 %, p = 0,050) und Serositis (14,7 % vs. 11,7 %, p = 0,013), jedoch weniger Leukopenie (20,5 % vs. 25,4 %, p = 0,002) und Arthritis (22,0 % vs. 29,9 %, p < 0,001). Anti-SSA/SSB-Antikörper traten häufiger bei Frauen auf.
In der LN-Gruppe hatten Männer höhere Serumkreatininwerte (97,4 ± 68,4 vs. 80,1 ± 69,1 mmol/l, p < 0,001) und Endstadium-Nierenversagen (6,9 % vs. 3,4 %, p = 0,002). Männliche LN-Patienten wiesen mehr muskuloskelettale (6,9 % vs. 4,1 %, p = 0,023), kardiovaskuläre (5,3 % vs. 2,7 %, p = 0,009) und periphervaskuläre Schäden (3,8 % vs. 1,2 %, p < 0,001) auf. Pathologische LN-Klassifikationen (v. a. Klasse IV und IV + V) unterschieden sich nicht zwischen den Geschlechtern.
Therapie
Männer erhielten häufiger Cyclophosphamid (CYC) (SLE: 23,4 % vs. 16,1 %, p < 0,001; LN: 34,6 % vs. 25,9 %, p = 0,001) und höhere Glukokortikoid-Dosen (SLE: 48,6 ± 32,6 vs. 43,2 ± 29,8 mg/Tag, p < 0,001; LN: 55,3 ± 32,5 vs. 51,0 ± 30,7 mg/Tag, p = 0,024). Frauen mit LN wurden öfter mit Mycophenolat-Mofetil (MMF) behandelt (22,3 % vs. 16,4 %, p = 0,013). Hydroxychloroquin, Calcineurin-Inhibitoren und Biologika zeigten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Diskussion
Die Studie unterstreicht signifikante Geschlechtsunterschiede bei SLE und LN. Männliche Patienten präsentieren sich später, mit schwereren Organkomplikationen und aggressiverem LN-Verlauf. Die höheren CYC-Raten und Glukokortikoid-Dosen bei Männern deuten auf einen Bedarf an intensiverer Initialtherapie hin. Die limitierte Nierenbiopsie-Rate (16,6 %) könnte die geringere LN-Schwere im Vergleich zu nephrologischen Studien erklären.
Einschränkungen
Die Querschnittsstudie erlaubt keine Langzeitaussagen. Die Verwendung verschiedener SLE-Klassifikationsinstrumente und die geringe Biopsie-Rate limitieren die Generalisierbarkeit.
Schlussfolgerung
Geschlechtsspezifische Unterschiede in klinischen Phänotypen und Therapieansätzen erfordern differenzierte Behandlungsstrategien, insbesondere bei männlichen Patienten mit schwereren renalen und vaskulären Komplikationen. Zukünftige Studien sollten Langzeitoutcomes und Risikofaktoren geschlechtsspezifisch analysieren.
doi: 10.1097/CM9.0000000000002360