Gründe, Sicherheit und Wirksamkeitsanalyse der Umstellung von HAART auf TAF/FTC/BIC bei HIV-infizierten Patienten
Die Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) hat die Behandlung der HIV-Infektion revolutioniert, wodurch die HIV-bedingte Mortalität und Morbidität deutlich gesenkt wurden. Langzeit-HAART ist jedoch mit Nebenwirkungen (NW) und nicht-AIDS-definierenden Ereignissen (NADEs) assoziiert, die die Adhärenz und Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen. In China empfiehlt das National Free Antiretroviral Treatment Program (NFATP) eine Kombination aus zwei nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs) und einem nicht-nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) oder einem geboosterten Proteaseinhibitor (PI) als First-Line-Regime. Trotz ihrer Wirksamkeit führen Nebenwirkungen wie Knochenmineraldichte (BMD)-Verlust, Leberfunktionsstörungen und metabolische Veränderungen zur Suche nach alternativen Therapien.
Tenofovir-Alafenamid/Emtricitabin/Bictegravir (TAF/FTC/BIC), ein Einzeltabletten-Regime mit hoher genetischer Barriere und reduzierter Pillenlast, wurde 2021 in die nationale Erstattungsliste Chinas aufgenommen. Dies hat die Umstellung HAART-erfahrener Patienten auf dieses Regime beschleunigt. Diese Studie analysiert die Gründe für die Umstellung sowie die Sicherheit und Wirksamkeit von TAF/FTC/BIC unter realen Bedingungen.
Methodik
In dieser retrospektiven Kohortenstudie am Peking Ditan-Krankenhaus wurden 1684 HIV-Patienten eingeschlossen, die zwischen September 2021 und August 2022 auf TAF/FTC/BIC umgestellt wurden. Das mediane Alter betrug 37,8 Jahre, die durchschnittliche HAART-Dauer 5,6 Jahre. Die mittlere Baseline-CD4-Zellzahl lag bei 666,79 Zellen/µl; 6,89 % der Patienten hatten eine Viruslast (VL) über der Nachweisgrenze.
Gründe für die Umstellung
Häufigster Grund war die Regimen-Simplifizierung (58,79 %), gefolgt von Osteoporose/Osteopenie (22,27 %), Leberfunktionsstörungen (13,72 %), Unverträglichkeit von TAF/FTC/EVG/c mit Nahrungsrestriktionen (12,77 %), virologischem Versagen (6,89 %), Nierenfunktionseinschränkungen (5,34 %), ZNS-Nebenwirkungen (2,79 %) und Dyslipidämie (1,78 %). Mehrfachnennungen waren möglich.
Wirksamkeit
TAF/FTC/BIC zeigte eine potente antivirale Wirkung: Bei 116 Patienten mit baseline-VL >50 Kopien/ml wurde die VL nach 12 Monaten supprimiert. Dies unterstreicht die hohe genetische Barriere des Regimes.
Sicherheitsprofil
Lipidpanel: Bei Patienten mit vorherigen NNRTI-Regimen stiegen die Triglycerid- (TG), Gesamtcholesterin- (TC) und LDL-Spiegel signifikant an, während HDL abnahm. Dies deutet auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko in dieser Subgruppe hin. Im Gegensatz dazu sanken bei Patienten mit geboosterten PI-Regimen (z. B. Lopinavir/Ritonavir) die TC- und LDL-Werte, während HDL anstieg.
Knochenmineraldichte: Trotz fehlender signifikanter Verbesserung der absoluten BMD-Werte zeigte sich ein Trend zur Besserung der lumbalen BMD nach 12 Monaten, konsistent mit früheren Studien zu TAF im Vergleich zu TDF.
Hepato- und renale Funktionen: TAF/FTC/BIC führte zu verbesserten ALT-, AST-, eGFR- und Kreatininwerten, was auf einen protektiven Effekt bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen hindeutet.
Schlussfolgerung
Die Umstellung auf TAF/FTC/BIC war unter realen Bedingungen effektiv und sicher. Hauptgründe waren Simplifizierung, Knochengesundheit und Nebenwirkungen. Das Regime supprimierte die VL zuverlässig und verbesserte BMD sowie Organfunktionen. Allerdings verschlechterte es Lipidprofile bei NNRTI-Vorbehandlung, weshalb ein kardiovaskuläres Monitoring empfohlen wird. Die Studie liefert klinische Evidenz für den Einsatz von TAF/FTC/BIC bei HAART-erfahrenen Patienten in China.
doi: 10.1097/CM9.0000000000002939