Gutes Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Abrocitinib bei chinesischen erwachsenen Patienten mit atopischer Dermatitis: Eine Fallserienstudie
Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-rezidivierende entzündliche Hauterkrankung, die durch ekzematöse Läsionen, Pruritus, Schlafstörungen und eine eingeschränkte Lebensqualität gekennzeichnet ist. Sie betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene und steht im Zusammenhang mit gestörter Hautbarrierefunktion und Immundysregulation. Die Therapie leichter AD umfasst typischerweise Emollientien, topische Kortikosteroide, topische Calcineurin-Inhibitoren und Phototherapie. Bei therapierefraktären schweren Fällen werden jedoch systemische Kortikosteroide, Immunsuppressiva und Biologika eingesetzt. Systemische Kortikosteroide und Immunsuppressiva sind jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen assoziiert, was die Behandlungsoptionen für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer AD, die auf topische Therapien unzureichend ansprechen, einschränkt.
Abrocitinib, ein oraler, hochselektiver Janus-Kinase-1(JAK1)-Inhibitor, hat sich als vielversprechende Therapieoption für AD erwiesen. Der JAK-STAT(„Signal Transducer and Activator of Transcription“)-Signalweg spielt eine zentrale Rolle bei der Vermittlung immunologischer Prozesse in der AD-Pathogenese. Abrocitinib beeinflusst zahlreiche proinflammatorische Zytokine wie Interleukin(IL)-4, IL-13, IL-22, IL-31 und Thymic Stromal Lymphopoietin (TSLP). Im Vergleich zu anderen Therapien induziert Abrocitinib seltener immunogene Reaktionen. Phase-2- und Phase-3-Studien belegten die Wirksamkeit bei mittelschwerer bis schwerer AD. Im April 2022 wurde Abrocitinib in China für die Behandlung von AD bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen. Dennoch fehlen reale Daten zu Effektivität und Sicherheit. Diese Studie evaluiert beides bei erwachsenen AD-Patienten.
Methodik
Die monozentrische Studie erfolgte an der dermatologischen Abteilung des Peking University People’s Hospital nach Ethikkommission-Genehmigung. Eingeschlossen wurden 21 Erwachsene mit AD (Hanifin-und-Rajka- sowie chinesische Diagnosekriterien), die mindestens zwei Wochen mit 100 mg Abrocitinib/Tag behandelt wurden. Der Schweregrad wurde mittels Eczema Area and Severity Index (EASI) erfasst. Vorbehandlungen, darunter Antihistaminika (71%), Dupilumab (33%) oder Systemtherapien (Kortikosteroide, Cyclosporin A), wurden dokumentiert. Ausschlusskriterien umfassten aktive Tuberkulose oder Hepatitis B.
Ergebnisse
Die demografischen Baseline-Charakteristika sind in Tabelle 1 dargestellt. Das mittlere Alter betrug 46,8 Jahre (SD 16,1), 52 % hatten atopische Begleiterkrankungen. Nach Abrocitinib-Gabe sanken die EASI-Werte von 20,8 auf 5,5 und die Pruritus-Scores (P-NRS) von 7,3 auf 2,3. Bereits nach zwei Wochen erreichten 86 %, 62 % bzw. 33 % der Patienten EASI50, EASI75 und EASI90. Bis Woche 12 stiegen diese Raten auf 100 %, 89 % und 56 %.
Nebenwirkungen traten bei 38 % der Patienten auf: Akne/Follikulitis (24 %), Schwindel (14 %), Kopfschmerzen (10 %), Übelkeit (10 %) und Bauchschmerzen (10 %). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse fehlten. Acht Patienten (38 %) setzten die Therapie aufgrund von Remission ab, vier (19 %) wegen unzureichender Wirkung.
Diskussion
Die Ergebnisse bestätigen die rasche und signifikante Wirksamkeit von Abrocitinib 100 mg/Tag, analog zu randomisierten Studien. Die hohen EASI50/75/90-Raten unterstreichen das Potenzial als Therapieoption bei therapierefraktärer AD. Die Nebenwirkungsrate war höher als in Zulassungsstudien, möglicherweise bedingt durch die kleine Stichprobe und kurze Nachbeobachtung. Auffällig war das Fehlen von Infektionen der oberen Atemwege, die in RCTs häufig berichtet wurden. Limitationen umfassen das Fehlen einer Kontrollgruppe und die begrenzte Fallzahl.
Schlussfolgerung
Abrocitinib zeigt bei chinesischen Erwachsenen mit AD eine günstige Nutzen-Risiko-Bilanz. Langzeitstudien mit größeren Kohorten sind notwendig, um das Sicherheitsprofil und die anhaltende Wirksamkeit weiter zu validieren.
Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002838