HIV-1-DNA-Spiegel in PBMC bei HIV-assoziiertem Non-Hodgkin-Lymphom

HIV-1-DNA-Spiegel in mononukleären Zellen des peripheren Blutes bei Patienten mit HIV-assoziiertem Non-Hodgkin-Lymphom

Patienten mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) haben ein erhöhtes Risiko, ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) zu entwickeln, selbst unter antiretroviraler Therapie (ART). Die zugrunde liegenden Mechanismen bleiben unklar, wobei chronische Immunaktivierung und Onkoviren eine Rolle spielen könnten. HIV-DNA persistiert trotz ART in latent infizierten Zellen, jedoch ist der Zusammenhang zwischen diesem Reservoir und der Entstehung von HIV-assoziiertem NHL (HIV-NHL) ungeklärt. Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen HIV-1-DNA-Spiegeln in peripheren mononukleären Blutzellen (PBMC), Entzündungszytokinen und der Prognose von HIV-NHL.

Methoden
Die Studie umfasste Patienten des Shanghai Public Health Clinical Center (Mai 2016–November 2020). Vier Gruppen wurden gebildet: ART-naive HIV-NHL-Patienten (TN-NHL; n = 39), ART-naive HIV-Patienten ohne NHL (TN-HIV; n = 29), ART-erfahrene HIV-NHL-Patienten (TE-NHL; n = 21) und ART-erfahrene HIV-Patienten ohne NHL (TE-HIV; n = 27). CD4+-/CD8+-T-Zellzahlen wurden mittels Durchflusszytometrie bestimmt. HIV-1-RNA wurde per PCR quantifiziert, und HIV-1-DNA in PBMC mittels quantitativer Echtzeit-PCR gemessen. Zehn Plasma-Zytokine (IL-1β, IFN-α2, IFN-γ, IL-8, IL-10, IL-12 p70, IL-17A, IL-18, IL-23, IL-33) wurden analysiert. Statistische Analysen erfolgten mit SPSS 24.0.

Ergebnisse
Bei ART-naiven Patienten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in Demografie oder HIV-RNA zwischen TN-NHL und TN-HIV. ART-erfahrene TE-HIV-Patienten hatten längere ART-Dauer und höhere CD8+-Zahlen als TE-NHL-Patienten. Die häufigsten NHL-Subtypen waren diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL; 61,5 % TN-NHL, 66,7 % TE-NHL) und Burkitt-Lymphom.

Die medianen HIV-1-DNA-Spiegel in PBMC betrugen: TN-NHL 791,15, TN-HIV 1132,65, TE-NHL 228,18 und TE-HIV 353,49 Kopien/10⁶ PBMC. ART-erfahrene NHL-Patienten wiesen niedrigere HIV-1-DNA-Spiegel auf als ART-erfahrene Nicht-NHL-Patienten (p <0,05). Bei TE-NHL-Patienten waren IL-18-Spiegel signifikant erhöht und negativ mit HIV-1-DNA korreliert (r = −0,47; p = 0,03). In der Überlebensanalyse (n = 46) zeigten HIV-NHL-Patienten mit niedrigeren IFN-γ-Spiegeln vor Chemotherapie ein besseres Gesamtüberleben (Log-Rank-p = 0,008).

Diskussion
Trotz virologischer Suppression unter ART waren niedrigere HIV-1-DNA-Spiegel in PBMC mit NHL-Entstehung assoziiert. Erhöhtes IL-18 könnte auf eine zugrunde liegende Immunaktivierung hinweisen, während hohe IFN-γ-Spiegel als prognostischer Marker für ein schlechteres Überleben dienen. Dies unterstreicht die komplexe Interaktion zwischen HIV-Reservoir, Entzündung und Lymphomgenese.

Einschränkungen
Begrenzte Fallzahlen, fehlende longitudinale Zytokin-Daten und univariate Analysen schränken die Aussagekraft ein.

Zusammenfassung
Niedrige HIV-1-DNA-Spiegel bei virologisch supprimierten Patienten und erhöhtes IL-18 deuten auf einen Zusammenhang zwischen Reservoirgröße, Entzündung und NHL-Risiko hin. IFN-γ könnte prognostische Relevanz besitzen. Weitere Forschung zur Pathogenese ist notwendig.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002897

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *