Hohe Prävalenz von Kontaktallergien gegen Metalle und Konservierungsstoffe bei chinesischen Patienten mit atopischer Dermatitis
Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch rezidivierende Ekzeme und starken Juckreiz gekennzeichnet ist. Die Mehrheit der Patienten weist eine persönliche oder familiäre Vorgeschichte atopischer Erkrankungen wie Asthma oder allergischer Rhinitis auf. Während Allergien gegen Aero- und Nahrungsmittelallergene gut dokumentiert sind, gibt es nur begrenzte Forschung zur Kontaktsensibilisierung bei AD-Patienten. Dies wirft die Frage auf, ob der Epikutantest verstärkt als Screening-Instrument bei AD-Patienten eingesetzt werden sollte, um versteckte Allergien zu identifizieren, die die Symptome verschlimmern könnten. Diese Studie verglich die Ergebnisse von Epikutantests zwischen AD-Patienten und Nicht-AD-Patienten, einschließlich solcher mit Gesichtsdermatitis, Ekzemen, Psoriasis, Pruritus und Urtikaria sowie gesunden Personen.
An der Studie nahmen 988 Patienten teil, die sich einem Epikutantest unterzogen. Das mediane Alter der Teilnehmer betrug 36 Jahre (Spanne: 7–90 Jahre), wobei 10,3 % eine AD-Diagnose aufwiesen. Die Diagnose erfolgte nach den chinesischen AD-Kriterien, und alle Patienten wurden auf atopische Merkmale wie Dermatitis, Asthma und allergische Rhinitis untersucht. Die Epikutantests wurden mit der chinesischen Basisserie sowie IQ-Kammern der Firma Chemotechnique Diagnostics (Malmö, Schweden) durchgeführt. Die Patches wurden für 48 Stunden auf den oberen Rücken appliziert, und die Ergebnisse wurden an Tag 2 und Tag 7 gemäß den Richtlinien der International Contact Dermatitis Research Group dokumentiert.
Die Studie ergab, dass 78,4 % der AD-Patienten auf mindestens ein Allergen positiv reagierten, verglichen mit 66,8 % der Nicht-AD-Patienten. Die drei häufigsten Allergene bei AD-Patienten waren Nickel(II)-sulfat-Hexahydrat (33,3 %), Cobalt(II)-chlorid-Hexahydrat und Methylisothiazolinon. Bei Nicht-AD-Patienten dominierten Methylisothiazolinon (15,7 %), Nickel(II)-sulfat-Hexahydrat (11,4 %) und Mercapto-Mix (10,8 %). Auffällig war die signifikant höhere Sensibilisierungsrate gegenüber Nickel bei AD-Patienten (33,3 % vs. 11,4 %). Auch Cobaltchlorid führte bei 19,6 % der AD-Patienten zu positiven Reaktionen (vs. 9,3 % bei Nicht-AD-Patienten). Die Reaktion auf Methylisothiazolinon unterschied sich hingegen nicht signifikant (22,5 % vs. 15,7 %).
Genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle bei AD, insbesondere Nullmutationen im Filaggrin-Gen (FLG). Der Mechanismus, wie FLG mit Nickel in der Stratum corneum interagiert, bleibt unklar. Es wird vermutet, dass das histidinreiche Filaggrin Nickel in der Epidermis chelatisiert und so ein Reservoir bildet, das die Sensibilisierung verhindert. Diese Hypothese könnte die erhöhte Sensibilität gegenüber anderen Metallallergenen wie Cobalt erklären.
Cobaltchlorid erwies sich als relevantes Allergen bei AD-Patienten (19,6 % vs. 9,3 %). Seit seiner Benennung zum „Allergen des Jahres“ 2016 wird die Exposition gegenüber Cobalt kritischer betrachtet. Neben begleitender Nickelbelastung wird Cobalt zunehmend als eigenständiger Sensibilisator erkannt. Expositionsquellen umfassen Möbel, Kosmetika, Schmuck und Lederwaren. Bei pädiatrischen AD-Patienten waren 50 % der positiven Patch-Testergebnisse auf Metalle zurückzuführen, was die klinische Relevanz unterstreicht.
Cobaltchlorid kann aufgrund irritativer Reaktionen die Testinterpretation erschweren. Barrierestörungen durch Irritanzien könnten jedoch auch die Entstehung allergischer Kontaktekzeme begünstigen. Dieser Zusammenhang legt nahe, dass die hohen Sensibilisierungsraten bei AD-Patienten sowohl auf genetische Faktoren als auch auf sekundäre Hautschäden zurückgehen könnten.
Zudem wies die Studie auf die Rolle von Konservierungsstoffen hin. Der häufige Gebrauch emollienter Pflegeprodukte bei chinesischen AD-Patienten könnte die Sensibilisierungsrate gegenüber Parabenen (Methyl-, Ethyl-, Propyl- und Butylparaben) erhöhen. Da diese Stoffe in topischen Präparaten weit verbreitet sind, besteht hier ein relevanter Expositionspfad.
Zusammenfassend zeigt diese Studie eine hohe Prävalenz von Kontaktallergien gegen Metalle und Konservierungsmittel bei chinesischen AD-Patienten. Die Ergebnisse unterstreichen den Nutzen von Epikutantests zur Identifizierung versteckter Sensibilisierungen. Die signifikanten Raten bei Nickel und Cobalt betonen die Notwendigkeit, Metallallergien in der AD-Therapie zu berücksichtigen. Weitere Forschung zur Rolle von Konservierungsstoffen und genetischen Interaktionen ist erforderlich, um die Patientenversorgung zu optimieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000526