Ideale kardiovaskuläre Gesundheit und Mortalität: Pooled-Ergebnisse aus drei prospektiven Kohortenstudien mit chinesischen Erwachsenen
Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) bleiben weltweit eine führende Todesursache, weshalb ihre Prävention eine zentrale Priorität im öffentlichen Gesundheitswesen darstellt. Im Jahr 2010 führte die American Heart Association (AHA) das Konzept der idealen kardiovaskulären Gesundheit (ICH) – bekannt als „Life’s Simple 7“ – ein, das sieben Schlüsselmetriken umfasst: vier verhaltensbezogene Faktoren (Nichtrauchen, körperliche Aktivität, gesunde Ernährung und Body-Mass-Index [BMI] <25 kg/m²) und drei medizinische Faktoren (nicht behandelter Blutdruck, Nüchternblutzucker und Blutfettwerte im optimalen Bereich). Diese Metriken zielen darauf ab, die kardiovaskuläre Gesundheit zu fördern und das Risiko für CVD sowie andere nichtübertragbare Krankheiten zu senken. Während zahlreiche Studien den Zusammenhang zwischen ICH und Mortalität in westlichen Populationen untersucht haben, ist die Evidenz aus asiatischen Populationen, insbesondere in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen wie China, begrenzt. Diese Studie zielte darauf ab, diese Lücke zu schließen, indem sie den Zusammenhang zwischen ICH und Mortalität in drei großen chinesischen Kohorten untersuchte und gleichzeitig die unabhängigen und interaktiven Effekte verhaltens- und medizinbezogener Gesundheitsmetriken analysierte.
Die Studie kombinierte Daten aus drei laufenden chinesischen Kohorten: der China Kadoorie Biobank (CKB)-Studie, der Dongfeng-Tongji (DFTJ)-Kohorte und der Kailuan-Studie. Insgesamt umfassten die Kohorten 198.164 Teilnehmer ohne vorherige Krebs- oder CVD-Diagnose zum Baseline-Zeitpunkt, die über eine kombinierte Nachbeobachtungszeit von etwa 2 Millionen Personenjahre verfolgt wurden. Die CKB-Studie rekrutierte Teilnehmer aus zehn Regionen Chinas, während sich die DFTJ-Kohorte und die Kailuan-Studie auf Rentner aus spezifischen Industrieregionen konzentrierten. Die Teilnehmer durchliefen Baseline-Untersuchungen, einschließlich Fragebögen, körperlicher Untersuchungen und Bluttests, um ihre kardiovaskulären Gesundheitsmetriken zu erfassen. Mortalitätsdaten wurden aus offiziellen Sterbeurkunden, Krankenhausakten und aktiven Nachverfolgungen gewonnen, wobei die Todesursachen gemäß ICD-10 klassifiziert wurden.
Der ICH-Score basierte auf den AHA-Metriken, wurde jedoch an die Datenverfügbarkeit und Bevölkerungscharakteristika der chinesischen Kohorten angepasst. Raucherstatus wurde als ideal (nie geraucht oder seit ≥10 Jahren abstinent), intermediär (Abstinenz <10 Jahre) oder schlecht (aktiver Raucher) kategorisiert. Körperliche Aktivität wurde kohortenspezifisch erhoben: CKB und DFTJ nutzten Tertile der Freizeitaktivität, während die Kailuan-Studie eine einzelne Frage zur Trainingshäufigkeit verwendete. Die Ernährung wurde in CKB und DFTJ anhand von Obst-/Gemüsekonsum und begrenztem Fleischverzehr bewertet; die Kailuan-Studie nutzte Salzaufnahme als Proxy. Der BMI wurde als ideal (18,5–24,9 kg/m²), intermediär (25,0–29,9 kg/m²) oder schlecht (<18,5 oder ≥30,0 kg/m²) klassifiziert. Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte wurden anhand standardisierter Schwellenwerte kategorisiert. Jede Metrik erhielt 0 (schlecht), 1 (intermediär) oder 2 Punkte (ideal), sodass der ICH-Gesamtscore zwischen 0 und 14 lag. Die Teilnehmer wurden in Gruppen mit unzureichender (0–6), durchschnittlicher (7–9) und optimaler (10–14) kardiovaskulärer Gesundheit eingeteilt.
Während der Nachbeobachtungszeit wurden 20.176 Todesfälle registriert, darunter 8.164 CVD-bedingte, 3.289 Krebs-bedingte und 1.112 respiratorische Todesfälle. Die Analyse zeigte, dass höhere ICH-Scores signifikant mit geringeren Risiken für Gesamtmortalität, CVD- und respiratorische Mortalität assoziiert waren. Teilnehmer mit optimaler kardiovaskulärer Gesundheit (ICH 10–14) wiesen ein um 48 % geringeres Gesamtmortalitätsrisiko, ein um 56 % geringeres CVD-Mortalitätsrisiko und ein um 46 % geringeres respiratorisches Mortalitätsrisiko im Vergleich zur Gruppe mit unzureichender Gesundheit (ICH 0–6) auf. Für Krebsmortalität wurde kein signifikanter Zusammenhang beobachtet. Dosis-Wirkungs-Analysen ergaben nichtlineare Zusammenhänge zwischen ICH-Scores und CVD-bzw. Schlaganfallmortalität, während lineare Beziehungen für Gesamtmortalität, koronare Herzkrankheit (KHK) und respiratorische Mortalität bestanden.
Die unabhängigen Beiträge verhaltens- und medizinbezogener Metriken wurden separat analysiert. Höhere Verhaltensscores (Rauchstatus, Aktivität, Ernährung, BMI) und Medizinscores (Blutdruck, Blutzucker, Blutfette) waren unabhängig mit geringerer Gesamt- und CVD-Mortalität assoziiert. Teilnehmer mit den höchsten Verhaltensscores (7–8 Punkte) zeigten ein 21–27 % geringeres Gesamtmortalitätsrisiko über alle Medizingruppen hinweg; die höchsten Medizinscores (5–6 Punkte) reduzierten das Risiko um 38–44 %. Nur Verhaltensscores waren signifikant mit respiratorischer und Krebsmortalität verbunden. Keine Interaktionen zwischen Verhaltens- und Medizinscores wurden festgestellt.
Stratifizierte Analysen ergaben konsistente Assoziationen über Altersgruppen, Geschlecht, Bildung und Vorerkrankungen hinweg. Der Schutzeffekt von ICH auf CVD-Mortalität war jedoch bei Teilnehmern <60 Jahren stärker (Hazard Ratio [HR] 0,32 vs. 0,53 bei ≥60-Jährigen), was möglicherweise auf lockerere Therapieziele oder das Adipositas-Paradoxon im Alter zurückzuführen ist.
Sensitivitätsanalysen, einschließlich Ausschluss frühzeitiger Todesfälle und Anpassung an AHA-Definitionen, bestätigten die Robustheit der Ergebnisse. Schätzungen deuten darauf hin, dass 25,0 % der Gesamtmortalität, 31,9 % der CVD-Mortalität und 24,8 % der respiratorischen Mortalität vermeidbar wären, wenn alle Personen optimale kardiovaskuläre Gesundheit erreichten.
Zusammenfassend unterstreicht diese große Pooled-Analyse die Bedeutung der Förderung von Lebensstiländerungen und medizinischer Prävention zur Reduktion nichtübertragbarer Krankheiten in China. Künftige Studien sollten diese Ergebnisse in anderen Populationen validieren und zugrundeliegende Mechanismen untersuchen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002379