Klinisch-pathologische Charakteristika und genetische Alterationen in klarzelligen Karzinomzellen, die vom Müllerschen Gangepithel der Prostata abstammen
Müllersche Gangzysten der Prostata sind seltene klinische Komplikationen, insbesondere bei jungen Männern. Diese Zysten können zu Harnwegsobstruktion, Reizung der Harnwege, häufigem Harndrang, Dringlichkeit und Dysurie führen. Größere Zysten können die Samenblasen oder die Samenleiter komprimieren, was zu hartnäckigem blutigem Sperma oder obstruktiver Azoospermie führen kann. Die maligne Transformation von Müllerschen Gangzysten ist äußerst selten, wobei in früheren Studien nur 10 Fälle berichtet wurden. Dieser Artikel präsentiert eine detaillierte Fallstudie eines 30-jährigen Mannes mit einem klarzelligen Karzinom, das vom Müllerschen Gangepithel der Prostata abstammt, und diskutiert dessen klinisch-pathologische Merkmale, Diagnose, Behandlung und Prognose. Darüber hinaus wurden Whole-Exome-Sequenzierung und Analysen von pathologischem Gewebe durchgeführt, um die genetischen Alterationen und die potenzielle Pathogenese dieser seltenen Malignität zu untersuchen.
Der Patient stellte sich mit einer 6-jährigen Anamnese von intermittierender Hämatospermie vor, jedoch ohne Harnwegsobstruktion oder Reizung. Die digitale rektale Untersuchung ergab eine derbe zystenartige Masse zwischen Rektum und Blase. Tumormarker, einschließlich des gesamten prostataspezifischen Antigens (tPSA), lagen im Normbereich, ebenso wie die Sexualhormonspiegel. Die Spermaanalyse zeigte eine Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl von 0. B-Ultraschall und kontrastmittelverstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens identifizierten eine zystisch-solide Masse mit einem dichteren inneren soliden Bereich. Die Positronenemissionstomographie-Computertomographie (PET-CT) zeigte keine signifikante Zunahme des 18F-Fluorodeoxyglukose-Stoffwechsels in der Masse.
Nach Einholung der Einwilligung des Patienten wurde eine roboterassistierte laparoskopische radikale Prostatektomie (extraperitoneal) zur vollständigen Resektion der Läsion durchgeführt. Postoperativ wurde der Blasenkatheter nach sieben Tagen entfernt, und der Patient zeigte eine gute Harnkontrolle. Die resezierte Zyste maß etwa 5,0 cm × 4,0 cm × 4,0 cm, mit einer leicht rauen Wand und einem dunkelrosa soliden Knotenbereich. Die histopathologische Untersuchung ergab dicke Kapselwände mit klaren Grenzen, solide Zystengänge, adenomatöse und papilläre Strukturen sowie Reste des Müllerschen Gangepithels. Die Hochvergrößerung zeigte, dass die solide Masse reich an transparenten adenomatösen Zellen war, mit zahlreichen atypischen Zellen, die eine aktive Teilung aufwiesen. Die immunhistochemische Analyse ergab starke Expressionen von Paired box gene 8 (PAX8) und Napsin A, mit fokalen Expressionen des Östrogenrezeptors (ER) in den Tumorzellen. Androgenrezeptor, prostataspezifisches Antigen, Cluster of Differentiation 10, Vimentin und Keratin 20 wurden nicht nachgewiesen.
Die Whole-Exome-Sequenzierung der postoperativen Proben identifizierte 95 Genmutationen, einschließlich Ataxia telangiectasia mutated (ATM) p.Gln118Ter und Excision repair cross-complementation group 2 p.Val10Leu in den Müllerschen Gangadenokarzinomgeweben. Die Top 20 Gene mit den höchsten Mutationsfrequenzen umfassten SPARC-related modular calcium-binding protein 2 (SMOC2), Dynein axonemal heavy chain 5 (DNAH5) und Chromodomain helicase DNA binding protein 4 (CHD4). Genkopienzahlvariationen und -umlagerungen wurden nicht festgestellt. Eine potenzielle keimbahnpathogene Variante im BLM RecQ like helicase (BLM)-Gen wurde identifiziert, was auf eine mögliche genetische Anfälligkeit für Tumoren hindeutet. Die Tumormutationslast (TMB) betrug 3,12 muts/Mb, und das Tumormikrosatellit war stabil.
Die Genontologieanalyse zeigte, dass die 95 mutierten Gene in biologischen Prozessen wie Vesikelzielsteuerung, Neutrophilendegranulation, Zytoskelettorganisation und Systementwicklung angereichert waren. Zelluläre Komponenten umfassten Spindeln, Proteinkomplexe, Plasmamembranproteine, Organellen und Mikrotubuli, während molekulare Funktionen Ribonukleotidbindung, Proteinkomplexbindung und Proteinbindung umfassten. Die Kyoto Encyclopedia of Genes and Genomes (KEGG)-Analyse zeigte, dass diese Gene Signalwege wie den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor-Signalweg, den Phosphoinositid-3-Kinase/Protein-Kinase-B-Signalweg und den NF-κB-Signalweg regulieren.
Die Protein-Protein-Interaktionsnetzwerk (PPI)-Analyse der mutierten Gene identifizierte Hub-Gene, einschließlich ATM, Transformation/Transcription domain associated protein, Microtubule associated serine/threonine kinase 1, CHD4, Phosphatidylinositol 4,5-bisphosphate 3-kinase catalytic subunit delta isoform und DNAH5. Diese Ergebnisse liefern eine molekulare Grundlage für das Verständnis der Entstehung und Entwicklung des klarzelligen Karzinoms des Müllerschen Gangs in der Prostata.
Die Mutationsfrequenz von ATM p.Gln118Ter (6,0%) deutet auf potenzielle Vorteile von Poly(ADP-Ribose)-Polymerase (PARP)-Inhibitoren wie Olaparib, Niraparib, Rucaparib, Talazoparib, Fluzoparib und Pamiparib hin. Die niedrige TMB deutet jedoch darauf hin, dass der Patient möglicherweise nicht allein von Immuncheckpoint-Inhibitoren profitiert. Sechs Monate postoperativ befand sich der Patient in gutem Zustand und wurde kontinuierlich nachbeobachtet.
Zusammenfassend sind Malignitäten des Müllerschen Gangs in der Prostata äußerst selten, und geeignete diagnostische und therapeutische Strategien sind nicht vollständig etabliert. Die Diagnose kann durch bildgebende Untersuchungen wie MRT, Samenblasenspiegelung und Biopsie erreicht werden. Chirurgische Ansätze umfassen die Tumorresektion oder radikale Prostatektomie, entweder offen oder laparoskopisch. Die Gensequenzierungsanalyse bietet wertvolle Einblicke für die postoperative adjuvante Behandlung. Eine langfristige Nachbeobachtung ist entscheidend, um die Prognose dieser seltenen Erkrankung zu beurteilen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002252