Klinisch-pathologische und genetische Befunde der infantilen nodulären Fasziitis
Die noduläre Fasziitis (NF) ist ein rasch wachsender, gutartiger Weichteiltumor, der durch eine fibroblastische/myofibroblastische Proliferation gekennzeichnet ist. Sie tritt vorwiegend bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf, wobei die oberen Extremitäten die häufigste Lokalisation darstellen. Aufgrund des schnellen Wachstums, der hohen Zellularität und lebhaften Mitoseaktivität wird NF häufig mit Weichteilsarkomen verwechselt. Rezente Studien identifizierten rekurrente Umlagerungen des USP6-Gens (Ubiquitin-spezifische Protease 6, 17p13.2) als Schlüsselfaktor der NF. USP6-Umlagerungen finden sich bei etwa 90 % der NF-Fälle, wobei über 65 % MYH9-USP6-Fusionen (Myosin-Schwerkette 9) aufweisen, meist als Typ I (Exon 1–Exon 1) oder Typ II (Exon 1–Exon 2). Diese Befunde etablieren USP6-Umlagerungen als diagnostischen Biomarker zur Abgrenzung von NF gegenüber histologischen Mimikry. Obwohl NF bei Erwachsenen häufig ist, ist sie im Säuglingsalter extrem selten. Diese Studie zielt darauf ab, die klinischen, pathologischen und genetischen Merkmale der infantilen NF zu charakterisieren.
Klinische Charakteristika
In einer retrospektiven Analyse der chirurgischen Pathologie des West China Hospital (2008–2020) wurden unter 604 NF-Fällen 12 infantile Fälle identifiziert, von denen 11 (Patienten <2 Jahre) eingeschlossen wurden. Die Kohorte umfasste sieben männliche und vier weibliche Säuglinge. Klinisch präsentierte sich die NF meist als fester, runder Weichteilknoten (10/11 Fälle). Die Symptomdauer reichte von 0,5 bis 12,0 Monaten (Median: 3 Monate). Spontanremissionen oder Traumata wurden nicht beobachtet. Die Läsionen waren hauptsächlich im Kopf-Hals-Bereich lokalisiert (54,5 %), gefolgt vom Rumpf (36,4 %) und Extremitäten (9,1 %). Das Diagnosealter lag zwischen 4 und 23 Monaten (Median: 11 Monate). Bildgebend zeigten drei von vier Fällen unscharfe Begrenzungen. Alle Patienten wurden chirurgisch behandelt, mit Tumorgrößen von 1,4 bis 4,0 cm (Median: 1,5 cm). Die Läsionen befanden sich subkutan (n = 5), intramuskulär (n = 4) oder in der Parotis (n = 1).
Pathologische Befunde
Histologisch zeigten alle Tumoren spindelförmige Zellen in faszikulärer Anordnung. Bei sieben Fällen fanden sich adipozytäre Spindelzellen und geringe Lymphozyteninfiltration. Mikrozystische Veränderungen (7/11) und vereinzelte osteoklastäre Riesenzellen (5/11) wurden beobachtet. Die Mitoserate lag bei 1–13/10 HPF (ohne Atypien). Immunhistochemisch waren alle Fälle SMA-positiv und Desmin-negativ. Der MIB-1-Index (9 Fälle) variierte zwischen 8 % und 25 %.
Genetische Befunde
Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) ergab USP6-Umlagerungen bei 9/11 Fällen (81,8 %), darunter acht balancierte Umlagerungen (1F1G1R-Signal) und eine unbalancierte (55 % 1F1R). Mittels RT-PCR und Sanger-Sequenzierung wurde nur bei einem Fall eine MYH9-USP6-Fusion (Typ I/II) nachgewiesen. Sechs Fälle blieben negativ für MYH9-USP6.
Therapie und Verlauf
Alle Patienten erhielten eine chirurgische Exzision. Bei 9/11 Fällen lag ein Nachbeobachtungszeitraum von median 51 Monaten (5–121) vor. Zwei Patienten entwickelten Rezidive im Ohrbereich innerhalb von 5 Monaten. Ein Patient war nach Re-Exzision rezidivfrei, der andere zeigte ein persistierendes Rezidiv nach 3 Monaten. Sieben Patienten blieben rezidivfrei.
Diskussion
Infantile NF unterscheidet sich klinisch durch die Präferenz für die Kopf-Hals-Region und fehlende Spontanremission. Histologisch ähnelt sie der adulten NF, zeigt jedoch häufiger mikrozystische Veränderungen und seltener myxoide Areale. Die hohe Rate an USP6-Umlagerungen (81,8 %) unterstreicht deren diagnostische Relevanz. Die niedrige MYH9-USP6-Fusionsrate (14,2 % vs. 65–75 % bei Erwachsenen) könnte auf methodische Limitationen der RT-PCR zurückzuführen sein. Unbalancierte USP6-Umlagerungen, assoziiert mit höherer Zellularität und Mitoserate, wurden erstmals beschrieben. Differenzialdiagnosen wie fibromatöse Läsionen oder Spindelzellsarkome erfordern eine exakte histopathologische und molekulare Abklärung.
Fazit
Die Studie charakterisiert erstmals systematisch die infantile NF und betont die Rolle von USP6-Umlagerungen in der Diagnostik. Trotz klinisch-pathologischer Ähnlichkeiten zur adulten NF zeigen sich Unterschiede in der Genetik und Lokalisation. Chirurgische Resektion bleibt Therapiestandard, wobei Rezidive in anatomisch komplexen Regionen möglich sind. Weitere Studien mit größeren Kohorten und modernen Sequenziertechniken sind erforderlich, um die Tumorentstehung der infantilen NF vollständig zu entschlüsseln.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001727