Klinische Anwendung der Shenton-Linie zur Bestimmung der Femoralarterienbifurkation mittels antegrader A. femoralis communis-Zugangstechnik
Die A. femoralis communis (AFC) ist einer der am häufigsten genutzten Zugangswege für chirurgische Interventionen, insbesondere bei der Behandlung von arterieller Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten. Die Identifizierung des distalen Endes der AFC, an dem sie in die A. profunda femoris (APF) und die A. femoralis superficialis (AFS) bifurkiert, stellt jedoch eine Herausforderung dar, insbesondere bei antegrader Punktion. Diese Schwierigkeit hat zur Erforschung anatomischer Landmarken geführt, um die Genauigkeit der Lokalisation der Femoralarterienbifurkation zu verbessern. Die Shenton-Linie, ein etabliertes orthopädisches Referenzmerkmal, wurde aufgrund ihrer klaren Darstellung in Röntgenaufnahmen als vielversprechende Landmarke untersucht.
Die Shenton-Linie wird üblicherweise zur Beurteilung von Hüftluxationen oder Frakturen genutzt und verbindet in der anteroposterioren Beckenübersichtsaufnahme den medialen Rand des Femurhalses mit dem unteren Rand des Os pubis. In dieser Studie wurde ihre Eignung zur Bestimmung der Femoralarterienbifurkation bei 338 Patienten mit arteriosklerotischer Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten analysiert, die zwischen Februar 2017 und November 2020 am Beijing Luhe Hospital der Capital Medical University mittels Computertomographie-Angiographie (CTA) untersucht wurden. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Femurkopfnekrose, Frakturen oder anatomischen Varianten.
Mittels CTA wurde die Position der Femoralarterienbifurkation in Bezug auf drei anatomische Referenzlinien bewertet: die Femurkopfmitte, die Shenton-Linie und den unteren Femurkopfrand. Der Femurkopf wurde hierzu in vier Zonen unterteilt. Die Distanz der Bifurkation zu den Referenzlinien sowie die Verteilung der Bifurkationspunkte wurden statistisch ausgewertet. Zusätzlich wurde der Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) stratifiziert nach Geschlecht analysiert.
Ergebnisse
Die Mehrheit der Bifurkationspunkte befand sich unterhalb der Femurkopfmitte (96,7 % links, 98,5 % rechts). In Relation zur Shenton-Linie lagen 84,6 % der Bifurkationen links und 85,5 % rechts unterhalb der Linie. Insgesamt zeigten 85,1 % aller Bifurkationspunkte eine Position unterhalb oder auf der Shenton-Linie, wobei 30,3 % direkt auf der Linie lokalisiert waren. Der Bowker-Test ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen linker und rechter Seite (p > 0,05); in 79,9 % der Fälle stimmte die Bifurkationshöhe bilateral überein. Der Kruskal-Wallis-H-Test zeigte keine BMI-abhängige Variation der Bifurkationsposition (p > 0,05).
Diskussion
Die Anwendung der Shenton-Linie als Landmarke ermöglichte in einer klinischen Validierungsphase (52 Patienten, 2019–2020) eine technische Erfolgsrate von >90 % bei antegrader Punktion. Die Linie bietet eine zuverlässige Orientierung, um die Punktion oberhalb der Bifurkation durchzuführen, wodurch die Eingriffszeit verkürzt und die Sicherheit erhöht wird. Die Studie unterstreicht den Nutzen präoperativer CTA zur Bestätigung der anatomischen Verhältnisse. Bilateral vergleichende Analysen können die Erfolgsrate bei beidseitigen Punktionen weiter verbessern.
Limitationen
Die Studie weist eine begrenzte Fallzahl auf und umfasst ausschließlich chinesische Patienten. Multizentrische Studien sind erforderlich, um die Übertragbarkeit auf andere ethnische Gruppen zu prüfen.
Schlussfolgerung
Die Shenton-Linie stellt eine präzise und einfach identifizierbare Landmarke zur Lokalisation der Femoralarterienbifurkation dar. Ihre Anwendung verbessert die Effizienz und Sicherheit antegrader Punktionen der AFC. Präinterventionelle Bildgebung und bilaterale Vergleichsanalysen bleiben jedoch essenziell.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001873