Klinische Merkmale und Risikofaktoren bei Patienten mit schwerem COVID-19 in China
Die Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19), verursacht durch das schwere akute respiratorische Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2), hat sich weltweit rasch verbreitet und stellt eine erhebliche globale Gesundheitsbedrohung dar. Diese Studie zielte darauf ab, Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe zu identifizieren, um Behandlungsleitlinien und Patientenergebnisse zu verbessern. Es handelte sich um eine multizentrische, querschnittliche Studie mit 313 hospitalisierten COVID-19-Patienten in China. Die Patienten wurden basierend auf dem Schweregrad in zwei Gruppen eingeteilt: nichtschwere und schwere Fälle. Laborergebnisse, epidemiologische Daten und klinische Merkmale wurden analysiert, um Einflussfaktoren für schwere Verläufe zu bestimmen.
In die Studie wurden 289 Patienten eingeschlossen, darunter 197 nichtschwere und 92 schwere Fälle. Das mediane Alter der Patienten betrug 45,0 Jahre, 53,3 % waren männlich. Die häufigsten Symptome waren Fieber (67,1 %) und Husten (58,8 %), gefolgt von Halsschmerzen (17,0 %). Eine multivariate logistische Regressionsanalyse identifizierte mehrere Risikofaktoren für schwere Verläufe: Alter ≥ 65 Jahre, männliches Geschlecht, Diabetes als Komorbidität sowie das Vorliegen von Husten oder Diarrhö bei Aufnahme. Stratifizierte Analysen zeigten, dass männliche Patienten mit Diabetes ein höheres Risiko für schwere Verläufe hatten.
Die demografischen und klinischen Merkmale wiesen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen auf. Schwere Fälle waren älter (medianes Alter 60,0 vs. 40,0 Jahre) und hatten häufiger Komorbiditäten wie Diabetes, chronische Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen und hämatologische Erkrankungen. Symptome wie Husten, Dyspnoe und Diarrhö traten bei schweren Fällen häufiger auf. Zudem zeigten sich ausgeprägtere Laboranomalien, darunter reduzierte Hämoglobinspiegel, Lymphopenie sowie erhöhte Kreatinin-, Harnstoff-, Glukose-, Procalcitonin- und C-reaktives Protein (CRP)-Werte.
Radiologische Befunde ergaben, dass milchglasartige Trübungen (87,2 %) und Infiltrationen (73,9 %) in der Thorax-CT am häufigsten auftraten, gefolgt von Air-Bronchogrammen (32,1 %) und interlobulärer Septumverdickung (30,8 %). Obwohl keine signifikanten Unterschiede in der Bildgebung zwischen den Gruppen bestanden, unterstreichen diese Befunde die typischen radiologischen Merkmale von COVID-19.
Antivirale Medikamente wurden bei 95,8 % der Patienten eingesetzt, Antibiotika bei 62,2 % und Antimykotika bei 8,1 %. Antibiotika kamen häufiger bei nichtschweren Fällen zum Einsatz, während Antimykotika und supportive Therapien wie nichtinvasive/invasive Beatmung, Nierenersatztherapie und extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) vorwiegend bei schweren Fällen angewendet wurden. Bis zum 29. März 2020 waren fünf Patienten verstorben, 154 entlassen, 51 hospitalisiert und acht verlegt.
Univariate Analysen identifizierten Alter, Raucheranamnese, chronische Herzerkrankungen, Diabetes sowie erhöhte Glukose-, Harnstoff-, Kreatinin-, Procalcitonin- und CRP-Werte als Risikofaktoren. Multivariate Modelle bestätigten Alter ≥ 65 Jahre, männliches Geschlecht, Diabetes sowie Husten oder Diarrhö bei Aufnahme als signifikante Prädiktoren.
Die Studie folgert, dass Fieber und Husten die häufigsten Symptome sind, wobei Husten mit schweren Verläufen assoziiert ist. Erhöhte Procalcitonin- und CRP-Spiegel sind potenzielle Risikomarker. Patienten mit Diabetes – insbesondere Männer – weisen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe auf, was eine engmaschige Überwachung und umfassende Therapie erfordert. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung frühzeitiger Diagnose, risikostratifizierter Behandlung und weiterer Forschung zur Optimierung des klinischen Managements.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001466