Kollisionstumoren des Ösophagus: Ein Bericht über fünf Fälle
Kollisionstumoren sind seltene Neoplasien, die durch die Koexistenz zweier distinkter Zellpopulationen gekennzeichnet sind, die sich in enger räumlicher Nähe entwickeln, ohne sich zu vermischen. Diese Tumoren treten am häufigsten in Lunge, Schädel, Rektum, Leber, Uterus, Blase und Hoden auf. Ösophageale Kollisionstumoren sind jedoch extrem selten, und ihr biologisches Verhalten bleibt unklar. Dieser Bericht beschreibt fünf Fälle von ösophagealen Kollisionstumoren mit detaillierten Einblicken in ihre klinisch-pathologischen Merkmale, Therapieergebnisse und prognostische Implikationen.
Fall 1
Ein 72-jähriger Mann klagte über drei Monate anhaltende epigastrische Schmerzen und Dysphagie. Die Verdachtsdiagnose eines Adenokarzinoms am ösophagogastralen Übergang führte zu einer offenen transthorakalen partiellen Ösophagogastrektomie mit Standard-Lymphadenektomie. Die histologische Untersuchung zehrte ein schlecht differenziertes Adenokarzinom neben einem mäßig differenzierten Plattenepithelkarzinom ohne Überschneidung. Der Patient erhielt keine adjuvante Therapie. Ein Rezidiv der Dysphagie trat vier Monate postoperativ auf; der Patient verstarb 17 Monate nach Erstdiagnose an Tumorprogression.
Fall 2
Ein 75-jähriger Mann wurde aufgrund einer in der Routineuntersuchung entdeckten fokalen Leberläsion hospitalisiert. Die kontrastmittelgestützte Computertomographie zeigte eine verdickte Kardiawand und einen vergrößerten Perikardlymphknoten. Es erfolgten eine proximale subtotale Gastrektomie und eine linksseitige Hepatektomie. Die Pathologie bestätigte einen infiltrativen Tumor aus basaloidem Plattenepithelkarzinom und Adenokarzinom ohne Übergangszonen. Lebermetastasen des Adenokarzinoms wurden nachgewiesen. Trotz adjuvanter Therapie verstarb der Patient 49 Monate postoperativ an Rezidiv und Metastasierung.
Fall 3
Ein 62-jähriger Mann mit dreimonatiger Dysphagie-Anamnese unterzog sich einer Ösophagogastrostomie mit Lymphadenektomie. Immunhistochemisch wurde ein invasiver Tumor aus mäßig differenziertem Plattenepithelkarzinom und kleinzelligem Karzinom identifiziert, ohne Vermischung an der Tumorgrenze. Aufgrund fortgeschrittener Erkrankung erhielt der Patient drei Zyklen adjuvante Chemotherapie. Während der 6-monatigen Nachsorge zeigte sich kein Rezidiv, der Patient verstarb jedoch 13 Monate postoperativ an Metastasen.
Fall 4
Eine 64-jährige Frau wurde mit zweimonatiger Dysphagie und retrosternalem Schmerz hospitalisiert. Es erfolgte eine radikale Ösophagektomie mit intrathorakaler Anastomose. Die Histologie bestätigte ein Plattenepithelkarzinom und kleinzelliges Karzinom. Die immunhistochemische Färbung zehrte eine starke Expression von Zytokeratin 34bE12 und p63 im Plattenepithelanteil, während der kleinzellige Anteil Synaptophysin, Chromogranin A, CD56 und TTF-1 exprimierte. Zwei Monate postoperativ zeigte die Bildgebung vergrößerte mediastinale Lymphknoten, woraufhin eine adjuvante Radiotherapie eingeleitet wurde. Die Patientin verstarb 78 Monate nach Diagnosestellung an Tumorrezidiv.
Fall 5
Eine 57-jährige Frau mit einmonatiger Dysphagie und Aufstoßen erhielt eine minimal-invasive McKeown-Ösophagektomie mit ausgedehnter Lymphadenektomie. Pathologisch bestätigte sich ein Kollisionstumor aus kleinzelligem und Plattenepithelkarzinom in der mittleren Speiseröhre. Die Immunhistochemie zeigte eine Expression von Zytokeratin 34bE12 und p16 im Plattenepithelanteil sowie Synaptophysin, Chromogranin A und CD56 im kleinzelligen Anteil. Nach vier Chemotherapiezyklen zeigte sich vier Jahre postoperativ kein Rezidiv; die Patientin lebt derzeit beschwerdefrei.
Diskussion
Kollisionstumoren sind diagnostisch anspruchsvoll und müssen von Kombinationstumoren oder synchronen Karzinomen abgegrenzt werden. Im Gegensatz zu Kombinationstumoren, die monoklonalen Ursprungs sind, entstehen Kollisionstumoren aus zwei unabhängigen Neoplasien. Eine präoperative Diagnose ist aufgrund unspezifischer klinischer oder biologischer Merkmale selten. Endoskopische Biopsien aus multiplen Tumorarealen sowie molekulargenetische Analysen können die Diagnosesicherheit erhöhen.
Die Ätiologie dieser Tumoren ist unklar. Chirurgische Resektion bleibt die Therapie der Wahl, jedoch ist die Prognose aggressiv und stadienabhängig. Adjuvante Therapien und Nachsorgeintervalle bedürfen evidenzbasierter Leitlinien.
Zusammenfassend unterstreicht dieser Bericht die klinisch-pathologische Komplexität ösophagealer Kollisionstumoren und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung zu Pathogenese und Therapieoptimierung.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000982