Komplette Fraktur der posterioren Kortikalis erhöht AVN-Risiko

Komplette Fraktur der posterioren Kortikalis erhöht das Risiko einer avaskulären Nekrose nach Osteosynthese bei nicht-dislozierten Femurhalsfrakturen älterer Patienten

Die Osteosynthese gilt als Standardtherapie für nicht-dislozierte Femurhalsfrakturen bei älteren Patienten. Dennoch kommt es bei einigen Patienten zu Komplikationen wie avaskulärer Nekrose (AVN) oder Pseudarthrose, die die Lebensqualität und Hüftfunktion erheblich beeinträchtigen. Da Salvage-Eingriffe nach primärer AVN oft unzuverlässige Ergebnisse zeigen, ist die präoperative Identifikation von Risikofaktoren entscheidend. Eine potenzielle Risikokomponente ist die Integrität der posterioren Kortikalis. Diese Studie untersucht den Einfluss kompletter versus inkompletter Frakturen der posterioren Kortikalis auf die AVN-Inzidenz.

Die Garden-Klassifikation bewertet Femurhalsfrakturen hauptsächlich anhand der Dislokation in der koronaren Ebene. Neuere Studien betonen jedoch die Bedeutung der posterioren Kortikalis für das Outcome. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf diese Struktur bei nicht-dislozierten Frakturen, ein bisher weniger erforschtes Gebiet.

Die Studie wurde an der Abteilung für Traumatologie und Orthopädie des Beijing Jishuitan Hospital durchgeführt und von der Ethikkommission genehmigt. Eingeschlossen wurden 157 konsekutive Patienten ≥65 Jahre mit nicht-dislozierten Femurhalsfrakturen (2015–2019). Nach Ausschluss von Drop-outs verblieben 116 Patienten (Durchschnittsalter 72,5 Jahre; 84,5 % weiblich; 53,4 % linke Seite). Alle Frakturen entstanden durch Low-Energy-Trauma, die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 4,6 Jahre.

Die Integrität der posterioren Kortikalis wurde mittels CT-Oblique-Axial-Aufnahmen klassifiziert:

  • Inkomplette Fraktur: Keine Dislokation/Abknickung, glatte Kurvenbildung der posterioren Kortikalis.
  • Komplette Fraktur: Überlappung/Spaltbildung ohne glatte Kurvenkontur.
    Die Intra- und Interrater-Reliabilität zeigte eine hohe Übereinstimmung (κ=0,88 bzw. 0,84).

Die AVN-Inzidenz lag in Gruppe I (inkomplette Fraktur, n=67) bei 4,5 %, in Gruppe II (komplette Fraktur, n=49) bei 32,1 % (OR 9,95; 95 %-KI 2,77–35,73; p<0,001). Gruppe II wies signifikant niedrigere Harris-Hip-Scores (84,00 vs. 91,00; p=0,002) und EQ-5D-3L-Werte (0,85 vs. 1,00; p=0,024) auf. Alter, Geschlecht, BMI, ASA-Klassifikation und Follow-up-Zeit unterschieden sich nicht signifikant.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine komplette posteriore Kortikalis-Fraktur ein unabhängiger Risikofaktor für AVN ist. Die präoperative CT-Beurteilung dieser Struktur ermöglicht die Identifikation Hochrisikopatienten. Für diese Gruppe könnten intensivierte Monitoring-Strategien oder alternative Therapieansätze erwogen werden, um die AVN-Rate zu senken und die funktionellen Outcomes zu verbessern. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die posteriore Kortikalis in die präoperative Risikostratifizierung bei älteren Patienten mit nicht-dislozierten Femurhalsfrakturen einzubeziehen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002842

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