Konzentration des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors im Glaskörper

Konzentration des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors im Glaskörper von Patienten mit schwerer proliferativer diabetischer Retinopathie nach intravitrealer Injektion von Conbercept als adjuvante Therapie zur Vitrektomie

Einleitung
Die diabetische Retinopathie (DR) ist eine schwerwiegende, sehbedrohende Komplikation des Diabetes mellitus und zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Erblindung im erwerbsfähigen Alter. Die proliferative diabetische Retinopathie (PDR), ein fortgeschrittenes Stadium der DR, ist durch retinale Ischämie, Neovaskularisationen (NV), Glaskörperblutungen (VH) und traktive Netzhautablösungen (TRD) gekennzeichnet. Diese Komplikationen sind die Hauptgründe für den Visusverlust bei Diabetikern. Die Pars-plana-Vitrektomie (PPV) ist ein etabliertes chirurgisches Verfahren zur Behandlung der PDR. Neovaskularisationen erschweren jedoch den Eingriff durch intraoperative Blutungen, eine eingeschränkte Sicht auf das Operationsfeld und ein erhöhtes Risiko iatrogener Netzhautrisse. Diese Faktoren verlängern die Operationszeit und erhöhen das Risiko postoperativer Entzündungen sowie rezidivierender TRD.

Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF) spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Neovaskularisationen. Anti-VEGF-Präparate werden daher präoperativ als adjuvante Therapie vor PPV eingesetzt, um intraoperative Blutungen zu reduzieren, die Operationszeit zu verkürzen und das chirurgische Ergebnis zu verbessern. Conbercept, ein rekombinantes Fusionsprotein, zeigt aufgrund seiner hohen Bindungsaffinität zu VEGF-Rezeptoren Wirksamkeit in der ophthalmologischen Therapie. Diese Studie untersuchte die Veränderungen der intravitrealen VEGF-Konzentration bei Patienten mit schwerer PDR nach intravitrealer Conbercept-Injektion (IVC) sowie deren Nutzen für die Vitrektomie.

Methoden
In dieser prospektiven, interventionellen, randomisierten Kontrollstudie wurden 80 Augen von 80 Patienten eingeschlossen: 60 Augen mit schwerer PDR und 20 Augen mit rhegmatogener Netzhautablösung und proliferativer Vitreoretinopathie (PVR) als Kontrollgruppe. Die PDR-Patienten wurden randomisiert drei Gruppen zugeteilt, basierend auf dem Intervall zwischen präoperativer IVC und Vitrektomie: Gruppe A (7 Tage), Gruppe B (14 Tage) und Gruppe C (keine IVC). Gruppe D umfasste 20 nicht-diabetische Kontrollpatienten, die direkt einer PPV unterzogen wurden.

Alle Patienten erhielten umfassende ophthalmologische und systemische Untersuchungen, einschließlich bestkorrigierter Sehschärfe (BCVA), Augeninnendruckmessung, Ophthalmoskopie, Fundusfotografie und B-Scan-Ultraschall. Glaskörperproben wurden zu Beginn der PPV entnommen und mittels ELISA auf VEGF-Konzentration analysiert. Intraoperative Blutungen und die Gesamtoperationszeit wurden erfasst.

Ergebnisse
Die mittleren intravitrealen VEGF-Konzentrationen in den Gruppen A–D betrugen 66,6 ± 43,3, 93,1 ± 52,3, 161,4 ± 106,1 und 1,8 ± 1,2 pg/mL. Die VEGF-Werte waren bei PDR-Patienten (Gruppen A, B, C) signifikant höher als in der nicht-diabetischen Kontrollgruppe (Gruppe D). Patienten mit präoperativer IVC (Gruppen A und B) zeigten signifikant niedrigere VEGF-Konzentrationen, geringere intraoperative Blutungsraten und kürzere Operationszeiten im Vergleich zu Gruppe C. Zwischen den Gruppen A und B bestanden keine signifikanten Unterschiede.

Intraoperative Blutungen traten in 6, 6 bzw. 15 Fällen in den Gruppen A, B und C auf. In Gruppen A und B waren die Blutungen minimal und sistierten spontan. In Gruppe C benötigten 15 Fälle hämostatische Maßnahmen wie erhöhten Infusionsdruck, Endodiathermie oder Fluid-Air-Exchange. Die mittleren Operationszeiten betrugen 54,0 ± 12,6 (A), 59,0 ± 17,8 (B) und 78,9 ± 24,1 Minuten (C), mit signifikant kürzeren Zeiten in Gruppen A und B.

Diskussion
Die Studie zeigt, dass die intravitreale VEGF-Konzentration bei schwerer PDR signifikant erhöht ist. Präoperative IVC reduziert effektiv VEGF-Spiegel, intraoperative Blutungen und Operationszeit, was die Vitrektomie erleichtert. Sowohl 7-Tage- als auch 14-Tage-Intervalle zwischen IVC und PPV erwiesen sich als gleichwertig effektiv und sicher.

VEGF fördert die Pathogenese der PDR durch Neovaskularisationen und Komplikationen wie VH oder TRD. Die VEGF-Reduktion durch IVC verbessert die chirurgische Sicherheit und Effizienz. Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien zur anti-VEGF-Therapie bei PDR.

Die hohe Bindungsaffinität von Conbercept an VEGF-Rezeptoren erklärt dessen langanhaltende Wirkung, die eine flexible präoperative Planung ermöglicht. Die reduzierte Blutungsneigung und kürzere Operationszeit verbessern die chirurgische Präzision und senken das Komplikationsrisiko.

Schlussfolgerung
Präoperative IVC senkt signifikant die intravitreale VEGF-Konzentration, intraoperative Blutungen und Operationszeit bei schwerer PDR. 7-Tage- und 14-Tage-Intervalle zwischen IVC und Vitrektomie sind gleichwertig effektiv. Diese Ergebnisse unterstützen die Integration der präoperativen IVC in das chirurgische Protokoll zur Optimierung der PDR-Behandlung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000687

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