Langzeitergebnisse der endovaskulären Therapie bei ausgedehnter aortoiliakaler Verschlusskrankheit (EAIOD) und Risikofaktoren für den Verlust der primären Patenz
Einleitung
Die aortoiliakale Verschlusskrankheit (AIOD) wurde historisch mittels aortobifemoralem (ABF) Bypass behandelt, der primäre Patenzraten von 85–90 % nach 5 Jahren und 75–85 % nach 10 Jahren aufweist. ABF-Bypass-Operationen sind jedoch mit einer erheblichen perioperativen Mortalität (17–32 %) und Morbidität (12,2–32,0 %) verbunden. Durch Fortschritte in endovaskulären Techniken und zunehmende Expertise bieten endovaskuläre Verfahren heute eine minimalinvasive Alternative mit reduzierter Komplikationsrate. Während endovaskuläre Therapien bei fokaler AIOD etabliert sind, bleibt ihre Wirksamkeit bei komplexen TASC-II-C/D-Läsionen umstritten. Diese Studie evaluiert Langzeitergebnisse der endovaskulären Therapie bei EAIOD und identifiziert Risikofaktoren für Patenzverlust.
Methoden
In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden Patienten mit TASC-II-C/D-Läsionen eingeschlossen, die zwischen Januar 2008 und Juni 2018 endovaskulär behandelt wurden. Technischer Erfolg wurde als Reststenose <30 % in der intraoperativen Angiographie definiert. Nachuntersuchungen erfolgten mittels Knöchel-Arm-Index (ABI), Doppler-Sonographie oder CT-Angiographie (CTA). Signifikante Restenose wurde durch eine peak systolic velocity ratio >2,4, >50 % Stenose in der Bildgebung oder ABI-Abfall ≥0,2 definiert. Mittels logistischer Regression und Kaplan-Meier-Analyse wurden Risikofaktoren sowie Patenzraten berechnet.
Ergebnisse
148 Patienten (173 Extremitäten) wurden analysiert. Die technische Erfolgsrate betrug 88,5 % (mittleres Alter: 68,6 Jahre; Männer-Frauen-Verhältnis 11:1). Die primären Patenzraten lagen bei 82,1 % (5 Jahre) und 74,8 % (10 Jahre), die sekundären Patenzraten bei 89,4 % bzw. 83,1 %. Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 84,2 %. Perioperative Komplikationen traten bei 15,8 % auf, darunter Arteriendissektion (5,4 %), Femoralpseudoaneurysma (3,0 %) und Nierenversagen (3,0 %).
In der multivariaten Analyse zeigten sich Alter <61 Jahren (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 6,47; 95 %-KI: 1,47–28,36), Rauchen (aOR: 10,15; 95 %-KI: 2,79–36,90) und kritische Extremitätenischämie (CLI; aOR: 7,81; 95 %-KI: 1,92–31,89) als unabhängige Risikofaktoren für Patenzverlust.
Diskussion
Endovaskuläre Therapien zeigen vergleichbare Langzeitpatenzraten zum ABF-Bypass bei geringerer perioperativer Morbidität. Die identifizierten Risikofaktoren reflektieren eine aggressive Atheroskleroseprogredienz bei jüngeren Patienten, endotheliale Dysfunktion durch Rauchen und limitierte Kollateralisation bei CLI. Die Anwendung gedeckter Stents und der „Kissing-Stent“-Technik erwiesen sich als entscheidend für komplexe Läsionen.
Einschränkungen
Retrospektives Design, nicht-invasive Restenosebewertung und Operatorvariabilität limitieren die Aussagekraft.
Zusammenfassung
Die endovaskuläre Therapie stellt eine effektive First-line-Option für EAIOD dar, insbesondere bei Hochrisikopatienten. Strikte Raucherprävention und frühzeitige Revaskularisation bei CLI sind entscheidend zur Patenzerhaltung.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001229