Lebenswichtige 8 und das Risiko nichtübertragbarer chronischer Krankheiten: Outcome-weite Analysen
Nichtübertragbare chronische Krankheiten (NCDs) sind weltweit eine der Haupttodesursachen und verantwortlich für etwa 70 % aller jährlichen Todesfälle. Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVDs), Krebs, Atemwegserkrankungen und Diabetes mellitus gehören zu den Hauptbeitragenden dieser Belastung. In den letzten Jahren hat sich der Fokus des Gesundheitswesens von der sekundären und tertiären Prävention auf die primäre Prävention verlagert, wobei die Förderung der Bevölkerungsgesundheit betont wird. Die American Heart Association (AHA) hat hierbei eine Schlüsselrolle gespielt, indem sie Metriken zur Bewertung der kardiovaskulären Gesundheit (CVH) einführte. Ursprünglich wurde „Life’s Simple 7“ als Konstrukt zur Erfassung der CVH vorgeschlagen, das jedoch aktualisiert wurde, um als „Life’s Essential 8“ identifizierte Limitationen zu adressieren und neue Gesundheitsmetriken zu integrieren. Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen CVH, definiert durch „Life’s Essential 8“, und dem Risiko von 44 häufigen NCDs zu untersuchen sowie die populationsattributablen Fraktionen (PAFs) niedrig-mäßiger CVH-Scores bei diesen Erkrankungen zu schätzen.
Die Studie nutzte Daten der UK Biobank, einer groß angelegten populationsbasierten prospektiven Kohortenstudie mit über 500.000 in der Gemeinschaft lebenden Erwachsenen im Alter von 37–73 Jahren aus dem gesamten Vereinigten Königreich. Nach dem Ausschluss von Teilnehmern mit NCDs in der Anamnese bei Baseline und fehlenden Daten umfasste die finale Analyse 170.726 Teilnehmer. Der „Life’s Essential 8“-Composite-Score besteht aus vier Gesundheitsverhalten (Ernährung, körperliche Aktivität, Nikotinexposition, Schlaf) und vier Gesundheitsfaktoren (Body-Mass-Index [BMI], Non-HDL-Cholesterin, Blutzucker, Blutdruck). Jede Metrik wurde auf einer Skala von 0–100 bewertet, wobei der maximale CVH-Score 100 Punkte betrug. Teilnehmer wurden basierend auf ihren Scores in niedrige, mittlere und hohe CVH-Gruppen kategorisiert.
Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10,85 Jahren wurden 58.889 neu auftretende NCD-Fälle dokumentiert. Die Endpunkte umfassten 44 NCDs aus 10 menschlichen Systemerkrankungen, klassifiziert nach der ICD-10. Cox-Proportional-Hazard-Modelle wurden verwendet, um Hazard Ratios (HRs) und PAFs der NCDs in Bezug auf CVH-Scores zu schätzen. Die Analysen wurden für Alter, Geschlecht, Ethnizität, Bildungsniveau, sozioökonomischen Status und Alkoholkonsum adjustiert.
Die Ergebnisse zeigten signifikante lineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen zwischen höheren CVH-Scores und geringeren Risiken für 25 der 44 NCDs (56,8 %). Niedrig-mäßige CVH-Scores (<80 Punkte) erklärten den größten Anteil der Inzidenzfälle bei Diabetes (PAF: 80,3 %), gefolgt von Gicht (59,6 %), Schlafstörungen (55,6 %), chronischer Lebererkrankung (45,9 %), chronischer Nierenerkrankung (40,9 %), ischämischer Herzkrankheit (40,8 %), COPD (40,0 %), Endometriumkarzinom (35,8 %), Lungenkrebs (34,0 %) und Herzinsuffizienz (34,0 %). Unter den acht modifizierbaren Faktoren erklärte Übergewicht/Adipositas (BMI ≥25 kg/m²) die meisten Fälle bei endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen (35,4 %), Verdauungssystemstörungen (21,4 %), psychischen und Verhaltensstörungen (12,6 %) und Krebs (10,3 %). Ideale Schlafdauer war hingegen der wichtigste Faktor bei Nervensystemstörungen (27,5 %) und neuropsychiatrischen Erkrankungen (9,9 %).
Höhere CVH-Scores waren mit geringeren Risiken für NCDs in allen 10 Systemerkrankungen assoziiert, mit den stärksten Assoziationen bei endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen (HR: 0,61; 95%-KI: 0,60–0,63) und urogenitalen Systemerkrankungen (HR: 0,74; 95%-KI: 0,72–0,77). Die schwächsten Zusammenhänge fanden sich bei Krebs (HR: 0,92; 95%-KI: 0,90–0,93) und neuropsychiatrischen Erkrankungen (HR: 0,88; 95%-KI: 0,86–0,90). In stratifizierten Analysen waren die Assoziationen zwischen CVH-Scores und NCDs bei jüngeren Teilnehmern (<60 Jahre) konsistent stärker und variierten geschlechtsspezifisch. Beispielsweise waren die Zusammenhänge bei Männern stärker für Nervensystemstörungen und bei Frauen stärker für endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen.
Die PAFs niedrig-mäßiger CVH-Scores waren am höchsten für endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen (49,5 %), gefolgt von urogenitalen, kardiovaskulären, Verdauungs-, Atmungs-, Nerven- und muskuloskelettalen Systemerkrankungen, psychischen Störungen sowie Krebs. Übergewicht/Adipositas war der Hauptbeitragende für NCDs in vier Systemen, während ideale Schlafdauer den höchsten PAF bei Nerven- und neuropsychiatrischen Erkrankungen aufwies.
Zusammenfassend unterstreicht diese Studie, dass „Life’s Essential 8“ ein wertvolles Instrument zur Vorhersage diverser Gesundheitsoutcomes ist, darunter 44 NCDs in 10 Systemerkrankungen. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit, insbesondere Übergewicht/Adipositas und Schlafdauer als Schlüsselfaktoren in der Public-Health-Strategie zu priorisieren, um die globale NCD-Belastung zu reduzieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002830