Lokale Thrombolyse kombiniert mit Ballondilatation bei schwerer CVST

Lokale Thrombolyse kombiniert mit Ballondilatation bei Patienten mit schwerer zerebraler venöser Sinusthrombose

Die zerebrale venöse Sinusthrombose (CVST) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, die durch Blutgerinnsel in den zerebralen Venen und Sinus gekennzeichnet ist. Unbehandelt kann sie zu intrakranieller Hypertension, venösen Infarkten, Epilepsie, neurologischer Morbidität und Tod führen. Die Standardtherapie umfasst Antikoagulation mit Heparin oder niedermolekularem Heparin (NMH), doch versterben jährlich 5–30 % der Patienten. Für heparinrefraktäre Fälle kommen endovaskuläre Verfahren wie lokale Thrombolyse oder mechanische Thrombektomie infrage.

Diese Studie evaluierte die Sicherheit und Wirksamkeit der Kombination aus Ballondilatation und lokaler Thrombolyse bei 40 Patienten mit schwerer CVST (Oktober 2015–November 2019). Die Diagnose erfolgte mittels kontrastverstärkter MR-Venographie (CEMRV). Nach initialer NMH-Therapie erhielten Patienten mit fehlendem Ansprechen oder neurologischer Verschlechterung die kombinierte Intervention.

Methodik
Unter Lokal- oder Allgemeinanästhesie wurde ein 6F-Shuttle-Sheath von der Femoral- zur Jugularvene vorgeschoben. Über einen 0,014-Zoll-Führungsdraht wurde ein Rebar-Mikrokatheter in den Sinus sagittalis superior oder rectus platziert. Eine 4 mm × 20 mm Ballonkatheter-Dilatation erfolgte zur Thrombusfragmentierung, gefolgt von kontinuierlicher Urokinase-Infusion (500.000 IE in 48 ml NaCl, 4 ml/h). Die Thrombolyse wurde bei Sinusrekanalisation, Blutungskomplikationen oder klinischer Stabilisierung beendet. Postoperativ erhielten alle Patienten Warfarin (Ziel-INR: 2–3).

Ergebnisse
Das mediane Alter betrug 37,9 ± 14,6 Jahre. Die mediane Zeit von der Symptomonset bis zur Antikoagulation lag bei 7 Tagen. Präinterventionell zeigten 16 Patienten Bewusstseinsstörungen, 17 epileptische Anfälle und 21 intrakranielle Blutungen. Die technische Erfolgsrate der Katheterisierung war 100 % (40/40). Bei 38 Patienten wurde eine Ballondilatation durchgeführt, ohne prozedurale Komplikationen.

Die postoperative CEMRV zeigte bei 36,8 % (14/38) vollständige und bei 57,9 % (22/38) partielle Rekanalisation. Nach 3–6 Monaten erreichten 86,8 % (33/38) eine komplette Rekanalisation. Die Mortalitätsrate betrug 5,0 % (2/40; beide komatös präinterventionell). 87,5 % (35/40) erreichten ein gutes klinisches Outcome (mRS 0–1). Bei 82,5 % (33/40) lag eine begleitende Jugularvenenthrombose vor.

Diskussion
Die Kombination aus Ballondilatation und lokaler Thrombolyse erwies sich als sicher und effektiv. Selbst partielle Rekanalisationen führten zu guten Outcomes, wohingegen ein komatöser Status prognostisch ungünstig blieb. Die hohe Prävalenz von Jugularvenenthrombosen könnte als Marker für refraktäre CVST dienen. Limitationen umfassen die kleine Fallzahl und fehlende Kontrollgruppe.

Schlussfolgerung
Die kombinierte endovaskuläre Therapie ist eine vielversprechende Option bei schwerer CVST. Weitere Studien mit größeren Kohorten sind notwendig, um die Ergebnisse zu validieren.

doi:10.1097/CM9.0000000000001315

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