Management von Patienten mit Melanomen und nicht-melanozytären Hautkrebsen in der Ära der Coronavirus-Krankheit 2019
Die Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) hat weltweit erhebliche Auswirkungen auf Gesundheitssysteme, einschließlich dermatologischer Abteilungen, gehabt. Kliniken und ambulante Aktivitäten wurden reorganisiert, um Patientenströme zu reduzieren, nicht dringende Besuche zu minimieren und Ressourcen für die Bekämpfung der Pandemie bereitzustellen. Dermatologische Abteilungen haben sich auf dringende chirurgische Entfernungen, Konsultationen und onkologische Untersuchungen konzentriert, während Routinebesuche ausgesetzt wurden. Diese Umstellung hat neue Herausforderungen im Management von Patienten mit Melanomen und nicht-melanozytären Hautkrebsen (NMSC) geschaffen, insbesondere hinsichtlich medikamentöser Therapien, topischer Behandlungen und der Nachsorge fortgeschrittener Fälle.
Ein Hauptproblem während der Pandemie sind verzögerte Diagnosen und Therapien von NMSC und Melanomen. Die Früherkennung, oft durch dermoskopische Untersuchungen unterstützt, ist entscheidend. Eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsdiensten könnte jedoch zu vermehrten fortgeschrittenen Krebsfällen führen. Teledermatologie bietet hier eine Lösung: Sie ermöglicht die Triage verdächtiger Läsionen, priorisiert dringende Fälle und reduziert unnötige Klinikbesuche.
Teledermatologie eignet sich für Videokonsultationen bei systemischen Therapien (z. B. Psoriasis), Erstbewertung keratinocytärer oder melanozytärer Läsionen sowie die Überwachung chronischer Erkrankungen wie atopischer Dermatitis. Für Melanompatienten ist sie besonders in der Nachsorge wertvoll. Videodermatoskopie erlaubt zudem die kontaktlose Beurteilung von Hautveränderungen, wobei Bilder auf einem Bildschirm analysiert werden – ideal für Gesichtsläsionen unter Einhaltung von Abstandsregeln.
Trotz der Fokussierung auf Notfälle müssen Patienten mit aktinischen Keratosen (AK) und anderen epithelialen Tumoren weiter behandelt werden. AK betreffen häufig ältere Personen, die ein hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe tragen. Während des Lockdowns wurden topische Therapien wie photodynamische Therapie (PDT) für AK, Morbus Bowen (BD), oberflächliche Basalzellkarzinome (BCC) und Feldkanzerisierung (FC) ausgesetzt. Alternativen wie 5-Fluorouracil 0,5%/Salicylsäure 10% Lösung oder Imiquimod-Cremes wurden erwogen. Bei Tumoren mit sehr geringem Progressionsrisiko wurden Behandlungen pausiert, während onkologische Eingriffe für Melanome, hochriskante BCCs und schnell wachsende Plattenepithelkarzinome (SCC) priorisiert wurden. Kriterien wie Histologie, Lokalisation und Tumorgröße bestimmten die Dringlichkeit.
Für das Melanommanagement wurden weite Nachresektionen bei invasiven Melanomen durchgeführt, während Verdachtsfälle von Melanoma in situ umgehend mit 5-mm-Sicherheitsabstand exzidiert wurden. Chirurgische Empfehlungen umfassten das Verschieben niedrigriskanter Eingriffe und die Instruktion von Patienten, bei Veränderungen Kontakt aufzunehmen. Unaufschiebbare Operationen wurden mit ausreichend Zeitpausen zwischen Terminen geplant, um Wartezeiten zu vermeiden. Maskenpflicht und präoperative PCR-Tests bei ausgedehnten Eingriffen waren obligatorisch.
Systemische Therapien für Melanom- und NMSC-Patienten erforderten besondere Vorsicht. Patienten unter laufender Therapie sollten vor eigenmächtigem Absetzen bei grippeähnlichen Symptomen ihren Onkologen konsultieren. Vor Therapiebeginn wurde idealerweise ein PCR-Test durchgeführt. Immuntherapien können Nebenwirkungen wie Pneumonien oder Kolitis auslösen, die COVID-19-Symptomen ähneln. Daher wurden gezielte oral verabreichte Therapien bevorzugt.
Für lokal fortgeschrittene BCCs stehen Hedgehog-Inhibitoren (HHI) wie Vismodegib und Sonidegib zur Verfügung. Es gibt keine Kontraindikationen für HHI in Bezug auf COVID-19. Erfolgskontrollen können via Teledermatologie mit hochauflösenden Bildern erfolgen. Im Gegensatz zu Immuntherapien sind HHI-Nebenwirkungen weniger mit COVID-19 verwechselbar und durch Dosisreduktion behandelbar. Der Einfluss zielgerichteter Therapien (BRAF/MEK-Inhibitoren, HHI) auf COVID-19-Verläufe ist unklar; eine Therapiepause bis zur Infektionsabheilung wird empfohlen.
Bei invasiven SCCs ist die chirurgische Entfernung aufgrund des Metastasierungsrisikos obligat. Verzögerbare Nachsorgeuntersuchungen (z. B. halbjährliche Ultraschalls) wurden individuell besprochen, jedoch ohne Abbruch geplanter Programme.
Die Nachsorge melanozytärer Läsionen und die Therapie von Melanomen bleiben herausfordernd. Schnell wachsende atypische Läsionen erfordern prioritären Zugang zu dermatologischer Abklärung. Teledermatologie und Hausärzte können initiale Filterfunktionen übernehmen, z. B. mittels ABCDE-Regel. Melanompatienten in Nachsorge sollten aktiv an Termine erinnert werden, um Compliance zu stärken.
Für Patienten mit metastasiertem Melanom unter Immun- oder zielgerichteter Therapie ist Therapiefortführung essenziell. Telefonische Beratung kann die Compliance fördern. Laut Leitlinien der Italienischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (AIOM) und der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) sollten Therapiepausen (2–6 Wochen) bei symptomatischen COVID-19-Patienten mit respiratorischer Einschränkung erwogen werden.
Zusammenfassend hat die COVID-19-Pandemie die dermatologische Versorgung von Hautkrebspatienten vor komplexe Herausforderungen gestellt. Teledermatologie reduziert Klinikbesuche und ermöglicht kontinuierliche Betreuung. Die Balance zwischen Früherkennung, risikoadaptierten Therapien und Infektionsprävention erfordert individuelle Entscheidungen. Die Integration telemedizinischer Lösungen, Sicherheitsprotokolle und personalisierter Strategien bleibt entscheidend, um die onkologische Versorgung während der Pandemie zu gewährleisten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000930