Menstruationsstörungen, Schwangerschaftsverläufe und Geburtsergebnisse bei Patientinnen mit systemischem Lupus erythematodes im gebärfähigen Alter in China: Eine multizentrische Querschnittsstudie
Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die hauptsächlich Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. In China leiden derzeit fast 4 Millionen Menschen an SLE, einer Erkrankung, die im Frühstadium zu multiplen Organschäden führen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Diese multizentrische, webbasierte Querschnittsstudie zielte darauf ab, die Prävalenz und Risikofaktoren für Menstruationsstörungen, ungünstige Schwangerschaftsverläufe (Adverse Pregnancy Outcomes, APO) und ungünstige Geburtsergebnisse (Adverse Birth Outcomes, ABO) bei SLE-Patientinnen in China zu untersuchen. Die Studie erfolgte mit Genehmigung der Ethikkommission des Peking University People’s Hospital. Die informierte Zustimmung wurde durch die anonyme und freiwillige Teilnahme an der Fragebogenerhebung impliziert.
Insgesamt wurden 3.964 SLE-Patientinnen im Alter von 15 bis 49 Jahren aus 157 chinesischen Krankenhäusern rekrutiert. Die Teilnehmerinnen beantworteten einen standardisierten Fragebogen per E-Mail oder SMS, telefonisch begleitet durch Rheumatologen. Erfasst wurden demografische Daten, Menstruationsmuster nach SLE-Diagnose, Medikamenteneinnahme, Familienstand, Fertilitätsstatus, reproduktive Anamnese sowie APO und ABO.
Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen betrug 30,42 Jahre (SD ±7,40). Insgesamt 75,55 % (2.995 Patientinnen) berichteten über Menstruationsstörungen. Die häufigsten Auffälligkeiten umfassten Hypomenorrhoe (48,99 %), verkürzte Menstruationsblutungen (23,31 %), verlängerte Blutungen (13,65 %), Amenorrhoe (10,85 %) und Hypermenorrhoe (7,11 %). Glukokortikoide (GCs), Cyclophosphamid (CYC) und Mycophenolat-Mofetil (MMF) wurden von 55,17 %, 27,22 % bzw. 28,58 % der Patientinnen angewendet. Kombinationstherapien mit CYC und GCs bzw. GCs und MMF traten bei 24,09 % und 20,51 % der Fälle auf.
Patientinnen mit Menstruationsstörungen waren älter (31,17 vs. 28,12 Jahre), hatten einen höheren BMI (21,69 vs. 21,32 kg/m²) und längere Krankheitsdauer (6,28 vs. 5,38 Jahre) als jene mit normalen Zyklen. Der Einsatz von CYC (37,67 % vs. 21,88 %), GCs (75,84 % vs. 51,56 %) und MMF (39,67 % vs. 21,35 %) war in der Gruppe mit Zyklusstörungen signifikant häufiger.
Die binäre logistische Regressionsanalyse identifizierte folgende unabhängige Risikofaktoren für Menstruationsstörungen: höheres Alter (OR: 1,039), längere Krankheitsdauer (OR: 1,041), CYC- (OR: 1,830) und GCs-Therapie (OR: 2,721). Dies unterstreicht den Einfluss der Erkrankung und ihrer Behandlung auf die reproduktive Gesundheit.
Bei den Teilnehmerinnen mit Schwangerschaftsanamnese traten APO in folgenden Häufigkeiten auf: Frühgeburten (14,05 %), Fehlgeburten (9,95 %), fetale Wachstumsrestriktion (7,87 %), Plazentalösung (4,40 %) und hypertensive Schwangerschaftserkrankungen (2,26 %). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in Alter, BMI, Krankheitsdauer oder Medikamentenanamnese zwischen Patientinnen mit und ohne APO.
Von 1.250 Geburten waren 70,48 % termingerechte Normalgeburten, während 19,44 % Frühgeburten darstellten. Weitere ABO umfassten Small-for-Gestational-Age-Neugeborene (8,96 %), neonatale pathologische Ikterus (7,76 %) und neonatalen Lupus (1,44 %). Die ABO-Gruppe war jünger (32,59 vs. 34,73 Jahre) und wies eine längere Krankheitsdauer auf (7,53 vs. 6,18 Jahre). CYC-, GCs- und MMF-Anwendung war in dieser Gruppe signifikant seltener (24,39 % vs. 48,03 %, 48,79 % vs. 100 %, 16,80 % vs. 52,49 %). Die Regressionsanalyse deutet auf ein protektives Alter hinsichtlich ABO hin (OR: 0,951).
Diese großangelegte Studie zeigt die hohe Prävalenz reproduktiver Komplikationen bei SLE-Patientinnen in China. Menstruationsstörungen korrelieren mit Krankheitsdauer, Alter und Immunsuppressiva. Obwohl APO nicht mit Therapiefaktoren assoziiert waren, scheinen CYC, MMF und GCs protektive Effekte auf ABO auszuüben. Limitationen umfassen das Querschnittsdesign mit möglichen Erinnerungsverzerrungen und unklarem Medikamenten-Timing. Dennoch bietet die Studie eine fundierte Übersicht zur reproduktiven Gesundheit bei SLE in China und unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Betreuungskonzepte.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002559