Methodische und Berichtsqualität umfassender Hypertonie-Leitlinien

Methodische und Berichtsqualität umfassender Hypertonie-Leitlinien, die zwischen 2017 und 2022 veröffentlicht wurden

Hypertonie, im Volksmund auch als Bluthochdruck bekannt, ist ein kritischer medizinischer Zustand, der zu schwerwiegenden Gesundheitskomplikationen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) litten im Jahr 2021 schätzungsweise 1,28 Milliarden Erwachsene im Alter von 30–79 Jahren weltweit an Hypertonie, wobei zwei Drittel davon in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen lebten. Zur Bewältigung dieses globalen Gesundheitsproblems wurden zahlreiche nationale und internationale klinische Praxisleitlinien (CPGs) veröffentlicht, um Diagnose, Bewertung und Behandlung von Hypertonie zu standardisieren. Umfassende Hypertonie-Leitlinien bieten dabei breitere Handlungsempfehlungen, insbesondere für primäre Gesundheitsversorger, verglichen mit spezialisierten Leitlinien. Die Glaubwürdigkeit dieser Leitlinien ist für Stakeholder von entscheidender Bedeutung, wobei ihre Qualität mithilfe von Instrumenten wie dem Appraisal of Guidelines for Research & Evaluation (AGREE)-Tool und der Reporting Items for practice Guidelines in Healthcare (RIGHT)-Checkliste bewertet wird.

Diese Studie untersuchte die methodische und Berichtsqualität umfassender Hypertonie-Leitlinien, die zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 19. April 2023 veröffentlicht wurden. Ziel war es, zentrale Mängel zu identifizieren und den Bedarf an neuen Leitlinien, insbesondere in China, zu bewerten. Es erfolgte eine systematische Suche in sechs Datenbanken, zehn Leitlinienportalen und Google, wobei umfassende Leitlinien in englischer oder chinesischer Sprache einbezogen wurden. Als „umfassend“ galten Leitlinien, die mindestens Diagnose, Evaluation und Therapie der Hypertonie behandelten. Ausschlusskriterien umfassten spezifische Hypertonieformen, Bevölkerungsgruppen, ältere Versionen aktualisierter Leitlinien, Zusammenfassungen sowie Nicht-Englisch/Chinesisch verfasste Dokumente.

Es wurden 25 Leitlinien eingeschlossen. Die methodische Qualität wurde mittels AGREE II, die Berichtsqualität mittels RIGHT-Checkliste bewertet. Die Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) lagen bei 0,94 bzw. 0,98, was eine hohe Bewerterübereinstimmung zeigt. Der durchschnittliche AGREE-II-Gesamtscore (OS) aller Leitlinien betrug 34,1%. Die Domäne Klare Darstellung erzielte den höchsten Mittelwert (61,1%), während Entwicklungsmethodik den niedrigsten (25,7%) aufwies. Nur zehn Leitlinien erreichten einen OS >75,0%. Die mittlere Gesamtberichtsrate (ORR) gemäß RIGHT-Checkliste lag bei 39,9%. Die Domäne Grundlegende Informationen hatte die höchste Berichtsrate (67,3%), Überprüfung und Qualitätssicherung die niedrigste (22,0%). Lediglich 14,9% der Leitlinien erreichten eine ORR >75,0%.

Die höchsten AGREE-II- und RIGHT-Werte fanden sich in Leitlinien aus dem Jahr 2018, aktualisierten Versionen, online publizierten Dokumenten sowie von nationalen Institutionen entwickelten Leitlinien. Leitlinien aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Malaysia schnitten am besten ab. Chinesische Leitlinien zeigten mittlere Qualität (AGREE-II-OS: 31,3%; RIGHT-ORR: 34,7%). Leitlinien, die Evidenzqualität oder Empfehlungsstärke bewerteten, Finanzierung offenlegten oder Interessenkonflikte angaben, wiesen höhere Qualitätswerte auf.

Die methodische Qualität der untersuchten Leitlinien war niedriger als bei vor 2017 publizierten Leitlinien (OS: 34,1% vs. 47,7%). Kritische Schwächen bestanden in den Domänen Einbindung der Stakeholder, Entwicklungsmethodik und Anwendbarkeit (Score <30,0%). Auch die RIGHT-Berichtsqualität war in den Bereichen Evidenz, Qualitätssicherung und Finanzierung/Interessenkonflikte unzureichend (<30,0%). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass künftige Leitlinienentwicklungen strengere methodische Standards, transparente Berichterstattung und ein robustes Interessenkonfliktmanagement erfordern.

Im Vergleich zu globalen Leitlinien anderer nichtübertragbarer Erkrankungen schnitten Hypertonie-Leitlinien unterdurchschnittlich ab. Eine Analyse von 421 CPGs zeigte, dass staatlich finanzierte Leitlinien qualitativ hochwertiger waren. In dieser Studie verwendete nur eine Leitlinie die GRADE-Methode zur Evidenzbewertung, doch Leitlinien mit jeglicher Form der Evidenzgraduierung wiesen höhere Qualität auf.

Die Studie betont die dringende Notwendigkeit hochwertiger, umfassender Hypertonie-Leitlinien, insbesondere vor dem Hintergrund der globalen Krankheitslast. Chinesische Leitlinien zeigten zwar mittlere Qualität, jedoch besteht Verbesserungsbedarf. Künftige Leitlinien sollten AGREE II und RIGHT konsequent anwenden, um Methodik und Berichterstattung zu standardisieren. Zudem empfiehlt sich die Bereitstellung vollständiger Leitlinien mit Online-Zusatzmaterialien, um Transparenz und Zugänglichkeit zu erhöhen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002738

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