Mögliche Prädiktoren für mental stressinduzierte Myokardischämie bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit
Die koronare Herzkrankheit (KHK) bleibt weltweit eine Haupttodesursache, wobei ein erheblicher Anteil der Patienten eine durch mentalen Stress induzierte Myokardischämie entwickelt. Die mental stressinduzierte Myokardischämie (MSIMI) ist mit ungünstigen kardialen Ereignissen assoziiert, weshalb die Identifizierung potenzieller Prädiktoren für diese Erkrankung von entscheidender Bedeutung ist. Diese Studie zielte darauf ab, Biomarker und Blutdruckparameter als Prädiktoren für MSIMI bei KHK-Patienten zu untersuchen.
Insgesamt wurden 82 Patienten mit dokumentierter KHK zwischen dem 1. Juni 2017 und dem 9. November 2017 eingeschlossen. Die Patienten wurden anhand diagnostischer Kriterien in MSIMI-positive und MSIMI-negative Gruppen eingeteilt. Blutproben wurden in Ruhe und nach einer 5-minütigen mentalen Rechenaufgabe (als psychosozialer Stressor) entnommen. Gemessene Biomarker umfassten hochempfindliches kardiales Troponin I (hs-cTnI), NT-proBNP, Kreatinkinase-MB (CK-MB), Myoglobin, C-reaktives Protein (CRP) und D-Dimer. Blutdruck und Herzfrequenz wurden in Ruhe, während und nach dem Stressor erfasst.
Die Ergebnisse zeigten, dass MSIMI-Patienten signifikant höhere mediane Ruhe-NT-proBNP-Werte (141,02 pg/mL vs. 57,95 pg/mL) und einen höheren mittleren systolischen Blutdruck (SBP) (145,56 mmHg vs. 134,92 mmHg) aufwiesen als Patienten ohne MSIMI. Nach dem mentalen Stresstest zeigten MSIMI-Patienten stärkere Anstiege des hs-cTnI (0,020 ng/mL vs. 0,009 ng/mL) und NT-proBNP (138,96 pg/mL vs. 61,55 pg/mL). ROC-Kurven und logistische Regressionsanalysen identifizierten optimale Cut-off-Werte für diese Biomarker und den Blutdruck, die mit einem erhöhten MSIMI-Risiko verbunden waren.
Patienten mit post-stressoralem hs-cTnI ≥0,015 ng/mL wiesen ein siebenfach erhöhtes MSIMI-Risiko auf. Ein Ruhe-NT-proBNP ≥80,51 pg/mL war mit einem achtfach erhöhten Risiko assoziiert, während ein post-stressorales NT-proBNP ≥98,80 pg/mL ein 35-fach erhöhtes Risiko vorhersagte. Ein Ruhe-SBP ≥129,50 mmHg erhöhte das MSIMI-Risiko um das Elffache. Diese Befunde legen nahe, dass hs-cTnI, NT-proBNP und SBP als Prädiktoren für MSIMI bei KHK-Patienten dienen könnten.
Die Studie untersuchte auch den Zusammenhang zwischen mentalem Stress und Myokardischämie. Mentaler Stress könnte Myokardischämie über Entzündungsreaktionen, sympathische Überaktivierung, erhöhte Katecholaminspiegel und psychologische Faktoren (z. B. Ärger, Depression) auslösen. Frühere Studien zeigten, dass MSIMI das Risiko kardialer Ereignisse bei KHK-Patienten verdoppelt. Die diagnostischen Kriterien für MSIMI umfassten neu auftretende oder verschlechterte Wandbewegungsstörungen oder eine LVEF-Reduktion ≥5 % unter Stress im Vergleich zur Ruhe. Die Echokardiographie wurde zur Beurteilung der LVEF und Wandbewegung eingesetzt, wobei der Gensini-Score keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen zeigte.
Statistische Analysen umfassten lineare Regression, ROC-Kurven und logistische Regression. MSIMI-Patienten hatten höhere Ruhe-hs-cTnI- und NT-proBNP-Werte sowie stärkere post-stressorale Anstiege dieser Biomarker. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, die hs-cTnI und NT-proBNP als sensitive Marker myokardialer Belastung identifizierten. Zudem zeigten MSIMI-Patienten höhere SBP-Werte, jedoch keine Unterschiede im diastolischen Blutdruck oder der Herzfrequenz.
Klinisch relevant ist die Identifizierung von Hochrisikopatienten, um gezielte Interventionen (z. B. Stressmanagement, Pharmakotherapie) einzuleiten. Zukünftige Studien sollten weitere Biomarker und mechanistische Zusammenhänge untersuchen sowie multizentrische Langzeitdaten erfassen.
Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass hs-cTnI, NT-proBNP und SBP als Prädiktoren für MSIMI bei KHK-Patienten geeignet sind. Diese Parameter könnten die Risikostratifizierung und Therapiesteuerung verbessern, um stressbedingte kardiale Komplikationen zu reduzieren.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000000260