Multicenter-Studie zu klinisch-pathologischen Charakteristika und einem Risikovorhersagemodell für frühe HR-positive/HER2-low-Mammakarzinome

Multicenter-Studie zu klinisch-pathologischen Charakteristika und einem Risikovorhersagemodell für frühe HR-positive/HER2-low-Mammakarzinome

Das Mammakarzinom gehört weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankungen bei Frauen mit erheblichen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. In den letzten Jahren haben Fortschritte in der zielgerichteten Therapie, insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), die Behandlungslandschaft des Mammakarzinoms revolutioniert. Die Kategorie HER2-low hat dabei aufgrund ihrer klinischen Relevanz und potenziellen therapeutischen Vorteile zunehmend Aufmerksamkeit erfahren. Diese Studie untersucht die klinisch-pathologischen Merkmale chinesischer Patientinnen mit HR-positivem/HER2-lowem frühem Mammakarzinom und entwickelt ein Rezidivrisiko-Vorhersagemodell zur Unterstützung klinischer Entscheidungen.

Methodik
Die Studie schloss Patientinnen mit HR-positivem/HER2-lowem frühem Mammakarzinom aus 29 Krankenhäusern der Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS) zwischen Januar 2015 und Dezember 2016 ein. Einschlusskriterien umfassten ein durch Biopsie bestätigtes invasives Karzinom, Fehlen von Fernmetastasen bei Diagnose, HER2-Low-Status (IHC 1+ oder IHC 2+ mit negativer ISH) sowie R0-Resektion und leitliniengerechte Systemtherapie. Erhoben wurden klinisch-pathologische Daten, einschließlich TNM-Stadium, Histologie, Ki-67-Index und prognostisches Stadium, sowie Nachsagedaten zum krankheitsfreien Überleben (DFS) und Gesamtüberleben (OS).

Ergebnisse
Von 25.096 initial erfassten Mammakarzinompatientinnen erfüllten 6.486 die HER2-low-Kriterien. Davon waren 5.629 (86,79 %) HR-positiv und 857 (13,21 %) HR-negativ. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 57 Monate (4–76 Monate). Die 5-Jahres-DFS-Rate lag in der HR-positiven Gruppe bei 92,7 % (412 Metastasen; 7,31 %), die OS-Rate bei 97,7 % (124 Todesfälle; 2,20 %). Die HR-negative Gruppe zeigte eine 5-Jahres-DFS-Rate von 88,9 % (94 Metastasen; 10,97 %) und eine OS-Rate von 95,1 % (39 Todesfälle; 4,55 %), was auf eine bessere Prognose der HR-positiven Subgruppe hinweist.

Signifikante klinisch-pathologische Unterschiede betrafen Alter (HR-positiv: median 50 vs. 52 Jahre), T-Stadium, TNM-Stadium, Histologie, Ki-67-Index und prognostisches Stadium. HR-positive Patientinnen erhielten häufiger brusterhaltende Operationen (34,3 % vs. 24,6 %) und seltener adjuvante Chemotherapie (58,2 % vs. 74,9 %).

In der multivariaten Cox-Analyse erwiesen sich N-Stadium (HR 1,83; 95 %-KI 1,42–2,36), Lymphgefäßinvasion (HR 1,65; 95 %-KI 1,18–2,31), Ki-67-Index ≥30 % (HR 1,54; 95 %-KI 1,21–1,96) und prognostisches Stadium III (HR 2,04; 95 %-KI 1,47–2,84) als unabhängige Prognosefaktoren.

Risikovorhersagemodell
Basierend auf 1.612 Patientinnen mit vollständigen Follow-up-Daten wurde ein maschinenlernbasiertes Modell unter Verwendung von 15 Merkmalen (u.a. Alter, T/N-Stadium, Ki-67) entwickelt. Der Random-Forest-Algorithmus zeigte die beste Performance (AUC 0,842; Sensitivität 81,1 %; Spezifität 71,7 %), ermöglicht somit eine verlässliche Risikostratifizierung.

Diskussion
Die hohe Prävalenz von HR-positiven Tumoren unter HER2-low-Mammakarzinomen unterstreicht die Bedeutung der endokrinen Therapie. Das entwickelte Vorhersagemodell bietet ein praktisches Werkzeug zur individualisierten Therapieplanung. Limitierend bleibt die Notwendigkeit externer Validierung.

Schlussfolgerung
Diese Multicenter-Studie liefert umfassende Erkenntnisse zu HR-positiven/HER2-lowen Mammakarzinomen und etabliert ein robustes Rezidivrisiko-Modell mittels maschinellen Lernens. Die Integration in die klinische Praxis könnte das Therapiemanagement optimieren. Zukünftige Forschung sollte die Generalisierbarkeit des Modells prüfen und neue Therapieansätze für HER2-low-Tumoren erforschen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002831

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