Multizentrische Untersuchung der klinischen und pathologischen Charakteristika des entzündlichen Mammakarzinoms anhand der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrs-007)
Das entzündliche Mammakarzinom (IBC) ist eine seltene und aggressive Form von Brustkrebs, die laut Daten des US-amerikanischen SEER-Registers nur 2 % aller Brustkrebsfälle ausmacht. Trotz seiner Seltenheit ist IBC mit einer schlechten Prognose und hoher Mortalität verbunden, bedingt durch rasche Progression und frühe Metastasierungstendenz. Die Diagnose erfolgt primär klinisch anhand von diffuser Erythrodermie, Ödemen (Peau d’orange) und dem Fehlen eines tastbaren Tumors. Diese Symptome resultieren aus tumorösen Emboli in den dermalen Lymphgefäßen, die in Hautbiopsien nicht immer nachweisbar sind. Aufgrund der Aggressivität des IBC ist das Verständnis seiner klinisch-pathologischen Merkmale, molekularen Charakteristika und Therapieergebnisse entscheidend für die Verbesserung der Patientinnenversorgung.
Diese multizentrische Studie der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrs-007) analysierte retrospektiv 95 IBC-Patientinnen aus 30 Zentren, die zwischen 2017 und 2018 behandelt wurden. Mittels standardisiertem elektronischem Fragebogen wurden demografische Daten, pathologische Befunde, Therapiemodalitäten und Follow-up-Ergebnisse erhoben. Die Studie adressiert die Forschungslücke zu IBC in der chinesischen Population, da bisherige Erkenntnisse vorwiegend auf westlichen Daten oder Einzelzentrenstudien basierten.
Klinisch-demografische Charakteristika:
Das mittlere Diagnosealter lag bei 50,55 Jahren (BMI 25,4 kg/m²). 54,4 % der Patientinnen waren prämenopausal, 8,5 % hatten eine familiäre Tumoranamnese. 80 % zeigten ein Stadium III, 20 % ein Stadium IV mit Knochenmetastasen als häufigsten Fernmetastasen. Pathologisch dominierte das invasiv-duktale Karzinom (86,8 %), gefolgt vom invasiv-lobulären Karzinom (5,3 %). Molekulare Subtypen: HR+/HER2- (41,5 %), HR-/HER2+ (20,1 %), HR+/HER2+ (19,1 %) und triple-negatives Karzinom (19,1 %).
Therapie und Outcome:
87,7 % der Patientinnen mit Stadium III erhielten neoadjuvante Chemotherapie (Anthrazyklin-Taxan-Regime). 91,9 % wurden operiert (modifizierte radikale Mastektomie: 77,0 %), 8,1 % erhielten Sofortrekonstruktionen. Bei metastasierungsfreien Fällen zeigte sich nach Miller-Payne-Grading eine pathologische Komplettremission (pCR) in 14 %. Kruskal-Wallis-Tests offenbarten signifikante Unterschiede der Ki-67-Expression und Chemotherapieeffizienz zwischen Subtypen, besonders bei HR+/HER2- und triple-negativen Tumoren.
Diskussion:
Die hohe Rate an Lymphknoten- (75,8 %) und Fernmetastasen (21,4 %) unterstreicht die Notwendigkeit früher Detektion und intensivierter Systemtherapie. Die Verteilung histologischer und molekularer Subtypen deckt sich mit bisherigen Studien und verdeutlicht die Heterogenität des IBC. Die präoperative Chemotherapie bleibt Therapiestandard zur Tumorverkleinerung und OP-Vorbereitung. Die in dieser Studie höhere Sofortrekonstruktionsrate (8,1 %) gegenüber früheren Publikationen deutet auf eine sich wandelnde Praxis hin, die durch verbesserte multimodale Therapiekonzepte ermöglicht wird.
Limitationen:
Retrospektives Design, kleine Fallzahl und fehlende Daten schränken die Generalisierbarkeit ein. Dennoch liefert die Studie grundlegende Erkenntnisse für zukünftige Forschungen zum IBC in der chinesischen Bevölkerung.
Schlussfolgerung:
Diese Untersuchung präsentiert erstmals umfassende Daten zu IBC in China. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung subtypspezifischer Therapieansätze und die zunehmende Relevanz rekonstruktiver Verfahren bei IBC. Sie bilden eine Basis für die Entwicklung zielgerichteter Behandlungsstrategien zur Verbesserung der Prognose dieser Hochrisiko-Patientinnengruppe.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001104