Nanjing-Konsensus zur Methodik der gewaschenen Mikrobiota-Transplantation
Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) hat sich als vielversprechende Therapie für verschiedene gastrointestinale und systemische Erkrankungen erwiesen. Allerdings variieren die Methoden und Ergebnisse der FMT erheblich zwischen verschiedenen Zentren weltweit. Um diese Problematik anzugehen und die klinische Praxis sowie Studien zur FMT zu verbessern, entwickelte die FMT-Standardisierungs-Arbeitsgruppe den Nanjing-Konsensus zur gewaschenen Mikrobiota-Transplantation (WMT). Dieser Konsensus bietet detaillierte Leitlinien zur Methodik der WMT, die sich von der manuell verarbeiteten FMT unterscheidet, wie sie in früheren Expertenempfehlungen beschrieben wurde.
Entwicklung des Konsensus
Der Nanjing-Konsensus wurde von einem Gremium aus 28 Experten von 22 Krankenhäusern oder Instituten aus 15 Städten erarbeitet. Die Experten wurden entsprechend ihrer Fachgebiete in fünf Gruppen unterteilt: Gruppe 1 (Spenderscreening), Gruppe 2 (Aufbereitungsprotokoll, Lagerung und Transport), Gruppe 3 (Patientenvorbereitung), Gruppe 4 (Applikationsmethoden) und Gruppe 5 (Sicherheit und Management). Der Konsensus-Prozess umfasste eine Delphi-Methode und eine Präsenz-Plenarsitzung. Die beste verfügbare Evidenz wurde mittels des GRADE-Systems (Grading of Recommendations Assessment, Development, and Evaluation) bewertet.
Nach drei Runden anonymen Abstimmens und Überarbeitungen wurde für alle 31 Aussagen ein Konsens erzielt. Alle Aussagen überschritten die 80%-Zustimmungsschwelle in jeder Runde. Der finale Konsensus wurde am 12. Dezember 2019 in Nanjing, China, vorgestellt.
Spenderscreening
- Schulung potenzieller Spender: Aufklärung soll die Spendebereitschaft erhöhen.
- Einwilligung nach Aufklärung: Spender müssen über Risiken und Nutzen der FMT informiert werden.
- Fragebogen: Ein risikobasierter Fragebogen soll ungeeignete Kandidaten ausschließen.
- Persönliches Gespräch: Spender müssen ein ärztliches Interview durchlaufen.
- Labortests: Blut- und Stuhltests innerhalb von drei Wochen vor der Spende sind obligatorisch.
- Wiederholungsscreening: Nach Reisen, Erkrankungen oder Ferien ist ein erneutes Screening erforderlich.
- Tagesfragebogen: Ein Check am Spendentag schließt Interimrisiken aus.
- Meldepflicht: Spender müssen Veränderungen im Stuhl unverzüglich melden.
Aufbereitungsprotokoll, Lagerung und Transport
- Reduzierte Nebenwirkungen: Die gewaschene Aufbereitung mindert FMT-bedingte unerwünschte Ereignisse.
- Qualitätskontrolle: Sie ist entscheidend für die Akzeptanz der FMT.
- Zeitlimit: Die Zeitspanne von der Stuhlentnahme bis zur Applikation muss minimiert werden.
- Qualifizierte Einrichtungen: Die Aufbereitung erfordert zertifizierte Labore.
- Lagerung bei -80°C: Mit 10% Glycerol kann das Material bis zu einem Jahr gelagert werden. Vor Gebrauch ist ein Auftauen im 37°C-Wasserbad notwendig.
- Transport: Tiefgefrorene Proben müssen während des Transports gefroren bleiben.
- Zwischenlagerung: Kurzfristige Lagerung ist bei <-20°C oder auf Trockeneis möglich.
Patientenvorbereitung
- Einwilligung: Patienten müssen über Spenderquelle und Aufbereitungsmethode informiert werden.
- Antibiotikapause: Absetzen 12–48 Stunden vor der FMT.
- Darmlavage: Entscheidung abhängig vom klinischen Zustand.
- Bluttests: Screening auf übertragbare Infektionen ist obligatorisch.
Applikationsmethoden
- Aspirationspneumonie: Schwere Komplikation in Abhängigkeit der Applikationsart.
- Mitteldarm-Applikation: Endoskopisch, über Nasojejunalsonde, Gastrostomie oder Jejunostomie.
- Kolontransendoskopische Schläuche (TET): Geeignet für kolonische Applikation.
- Koloskopie: Einmalige Infusionen unter Koloskopie.
- Einlauf: Geringere Wirksamkeit im Vergleich zu Koloskopie oder TET.
- Kapseln: Bewusste Patienten mit Clostridioides difficile-Infektion (CDI).
- Nasogastrale Sonde: Option für pädiatrische Patienten ohne Alternativen.
Sicherheit und Management
- Klinische Governance: Erforderlich und durch geschulte Ärzte durchzuführen.
- Probenarchivierung: Stuhlproben mindestens zwei Jahre, Dokumentation zehn Jahre.
- Regionale WMT-Zentren: Förderung spezialisierter Einrichtungen.
- Laborklassifizierung: Mindestens Sicherheitsstufe 2, angestrebt Stufe 3.
- Personalschulung: Obligatorische Fortbildung für WMT-Mitarbeiter.
Protokoll zur Herstellung gewaschener Mikrobiota-Suspensionen
- Stuhlentnahme: In Einmalbehältern in donorspezifischen Räumen.
- Einmalmaterialien: Alle Stuhl-kontaminierten Geräte müssen entsorgt werden.
- Mindestmenge: <50 g Stuhl Erwachsener sind ungeeignet für automatisierte Systeme.
- Zentrifugation: 700 g für 3 Minuten, gefolgt von Supernatant-Verwerfung.
- Wiederholtes Waschen: Dreimal mit steriler Salzlösung.
- Endzubereitung: 10 cm³ (≈1,0×10¹³ Bakterien) als Basisdosis. Suspensionsvolumenverhältnis 1:2.
- Anaerobe Verarbeitung: Wenn möglich, bevorzugen.
Fazit
Der Nanjing-Konsensus standardisiert die WMT durch klare Leitlinien zu Spenderscreening, Aufbereitung, Patientenvorbereitung, Applikation und Sicherheit. Diese Harmonisierung soll die klinische Effizienz und Akzeptanz der FMT steigern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000954