Natürliche Orificien-Spektrum-Extraktions-Chirurgie (NOSES) bei der Behandlung von Kolonkarzinomen: Eine fallkontrollierte Zwei-Zentren-Studie zu chirurgischen und kurzzeitigen postoperativen Ergebnissen
Zusammenfassung
Die Chirurgie mit natürlicher Orificien-Spektrum-Extraktion (NOSES) ist ein innovatives Verfahren zur spezimengewinnungsfreien kolorektalen Krebschirurgie. Bisherige Studien zeigen, dass NOSES bei Rektumkarzinomen vergleichbare Sicherheit und Effektivität wie konventionelle laparoskopische Resektionen (CLR) bietet. Diese multizentrische, retrospektive Studie verglich chirurgische und kurzzeitige postoperative Outcomes von NOSES mit CLR bei Kolonkarzinom-Patienten. Insgesamt 178 Patienten (89 NOSES, 89 CLR) aus Moskau und Peking wurden nach klinischen und demografischen Kriterien gematcht. Die NOSES-Gruppe zeigte signifikant geringeren Blutverlust (40,17 ml vs. 52,25 ml; p = 0,03), kürzere Krankenhausaufenthalte (8,37 vs. 9,93 Tage; p <0,01) und schnellere Darmfunktionserholung. Komplikationsraten unterschieden sich nicht signifikant. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von NOSES als sichere und vorteilhafte Alternative zu CLR in der Kolonchirurgie.
Einleitung
NOSES ermöglicht die Extraktion von Resektaten über natürliche Körperöffnungen und reduziert damit zusätzliche Inzisionen. Während frühere Studien den Fokus auf Rektumkarzinome legten, gibt es begrenzte Daten zur Anwendung bei Kolonkarzinomen. Diese Studie evaluiert die Umsetzbarkeit und kurzzeitigen Outcomes von NOSES im Vergleich zu CLR bei segmentalen Kolonresektionen.
Methoden
Studiendesign und Patienten
In dieser retrospektiven Fallkontrollstudie wurden Patienten mit Kolonadenokarzinom (cTis-3, cN0–N2) aus zwei Zentren (2014–2020) eingeschlossen. Ausschlusskriterien umfassten Multiple Primärtumoren oder Laparotomie-Indikationen. Mittels 1:1-Matching (Alter ±5 Jahre, Geschlecht, BMI, Tumorgröße/-lokalisation) wurden 89 NOSES- und 89 CLR-Paare gebildet. Drei Paare wurden aufgrund intraoperativer Konversion zu offener Chirurgie ausgeschlossen.
Chirurgische Verfahren
Alle Eingriffe erfolgten durch erfahrene Chirurgen (>10 Jahre laparoskopische Expertise). Die NOSES-Gruppe nutzte transanale/vaginale Extraktion mit steriler Hülse, während CLR-Patienten Mini-Laparotomien erhielten. Die Lymphknoten-Dissektion (D2/D3) und onkologische Radikalität (R0) wurden standardisiert.
Ergebnisse
Chirurgische Outcomes
- Operationsdauer: 165,93 ±6,35 min (NOSES) vs. 181,25 ±7,02 min (CLR) (p = 0,15).
- Blutverlust: 40,17 ±2,81 ml (NOSES) vs. 52,25 ±4,12 ml (CLR) (p = 0,03).
- Lymphknotenausbeute: 27,75 ±1,54 (NOSES) vs. 25,70 ±1,41 (CLR) (p = 0,37).
Postoperative Erholung
- Erste Defäkation: 3,85 ±0,18 Tage (NOSES) vs. 4,29 ±0,17 Tage (CLR) (p = 0,02).
- Krankenhausaufenthalt: 8,37 ±0,44 Tage (NOSES) vs. 9,93 ±0,46 Tage (CLR) (p <0,01).
Komplikationen
- Anastomosenleckagen: 3 (NOSES) vs. 1 (CLR).
- Wundinfektionen: 0 (NOSES) vs. 2 (CLR).
- 30-Tage-Mortalität: 0 in beiden Gruppen.
Diskussion
Die Studie zeigt, dass NOSES bei Kolonkarzinom-Patienten vergleichbare onkologische Radikalität mit verbesserten perioperativen Outcomes bietet. Die geringere Invasivität spiegelt sich in schnellerer Erholung und kürzerer Hospitalisierung wider, was mit früheren Metaanalysen übereinstimmt. Limitationen umfassen die retrospektive Design und potenzielle Selektionseffekte. Prospektive randomisierte Studien sind erforderlich, um Langzeit-Onkologieergebnisse zu validieren.
Fazit
NOSES stellt eine sichere und effiziente Alternative zu CLR in der Kolonchirurgie dar. Die Methode sollte bei geeigneten Patienten erwogen werden, um Traumaminimierung und postoperative Erholung zu optimieren.
Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
Ethikvotum
Die Studie wurde von den lokalen Ethikkommissionen genehmigt und folgte der Deklaration von Helsinki.
Finanzierung
Keine externe Finanzierung.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000002663