Needle-Perc: Ein neues Instrument und seine erste klinische Anwendung

Needle-Perc: Ein neues Instrument und seine erste klinische Anwendung

Die perkutane Nephrolithotomie (PCNL) hat in den letzten zehn Jahren aufgrund der Miniaturisierung der Instrumente und verbesserter flexibler Endoskope stark an Akzeptanz gewonnen. Studien zeigen, dass die Größe des Zugangskanals bei PCNL positiv mit Blutungsraten und Nierenverletzungen korreliert. Basierend auf diesem Konzept wurde die „Needle-Perc“-Technik entwickelt, die eine noch dünnere Nadel als die Mikro-Perc-Methode verwendet. Diese Studie präsentiert erste klinische Erfahrungen mit der Needle-Perc zur Behandlung kleiner Nierensteine und bewertet ihre Machbarkeit und Sicherheit in der minimalinvasiven Endourologie.

Die klinische Studie wurde durch die Ethikkommission des Peking Tsinghua Changgung Krankenhauses genehmigt. Einschlusskriterium war ein einzelner Nierenstein mit einer Größe unter 1,5 cm. Die Patienten wurden über den Einsatz des neuen Instruments informiert und gaben ihr Einverständnis. Die Einmalinstrumente, einschließlich der Needle-Perc-Hülse, wurden kostenlos bereitgestellt. Von März 2019 bis Juli 2019 wurden 24 Patienten mittels Needle-Perc behandelt. Alle Eingriffe erfolgten durch einen erfahrenen Chirurgen.

Zu den neuartigen Instrumenten gehörten wiederverwendbare Mikrofasern (0,6 mm Durchmesser; 10.000 Pixel Auflösung). Die Mikrofaser wurde über einen zentralen Port eines Dreiwegeverbinders in die Arbeitshülse eingeführt und manuell justiert. Ein Seitenanschluss diente der Spülung (Gravitationssystem oder Pumpenirrigation), der andere der Laserfaser (200 mm, Fragmentierung/Zertrümmerung). Die Optik wurde an ein Standard-Endokamerasytsem angeschlossen.

Die Eingriffe erfolgten in Vollnarkose. Nach Platzierung eines 5F-Harnleiterkatheters in Lithotomieposition erfolgte die Punktion in Bauchlage unter Ultraschallkontrolle. Die Lasereinstellungen betrugen 8–12 W (0,8–1,0 J/10–15 Hz). Reststeine wurden postoperativ sonographisch evaluiert. Der Steinfreiheitsstatus wurde nach einem Monat bestimmt. Hämoglobinverlust und Schmerzindex (visuelle Analogskala) wurden nach 24 Stunden dokumentiert.

Ergebnisse
Bei 24 Patienten (16 männlich, 8 weiblich; mittleres Alter 42,5 Jahre) wurden 13 linke und 11 rechte Nieren behandelt. Die mittlere Steingröße lag bei 12 mm (5–15 mm). 20 Patienten benötigten eine einzelne Punktion, 4 eine Repunktion. Bei zwei Patienten war eine Konversion zu Mini-Perc (16F) erforderlich. Die mittlere Operationszeit betrug 49,2 Minuten (22–75 Minuten). Der mittlere Hämoglobinverlust lag bei 5,2 g/l (0–13,8 g/l). Der mittlere Schmerzscore bei Erwachsenen war 3,2 (1–6).

20 Patienten (83 %) waren am ersten postoperativen Tag steinfrei. Vier Patienten hatten Reststeine (2–3 mm; 3 im unteren Kelch, 1 im proximalen Harnleiter). Nach einem Monat waren zwei davon spontan abgegangen (Steinfreiheitsrate 91 %). Nach der modifizierten Clavien-Klassifikation traten Fieber (>38,5°C; Grad II) bei zwei Patienten (antibiotikapflichtig) und transienter Nierenkolik (Grad II) bei einem Patienten auf. Keine Bluttransfusionen oder Komplikationen ≥ Grad III wurden registriert.

Diskussion
Die Miniaturisierung der PCNL reduziert Morbidität, insbesondere Blutungsrisiken. Die Needle-Perc verursacht durch geringere Hülsengröße geringeren Parenchymschaden als Mikro-Perc. Da Steinentfernung über die Hülse unmöglich ist, muss der „Dusting-Effekt“ optimiert werden. Die Lasereinstellungen (niedrige Energie, hohe Frequenz, lange Impulsdauer) minimieren Fragmentgrößen. Der intrarenale Druck (16–35 cmH2O) wurde über einen präoperativ platzierten Harnleiterkatheter kontrolliert, um bakterielle Refluxe zu vermeiden. Die Gravitationsspülung erwies sich als vorteilhaft für die Druckregulation.

Die Needle-Perc bietet Potenzial in der pädiatrischen Steinbehandlung (kürzere Hospitalisierung, weniger Allgemeinanästhesie) und als „Satellitenzugang“ bei parallelen Kelchsteinen, um Mehrfachzugänge zu vermeiden. Limitationen umfassen die Beschränkung auf kleine Steine und technische Verbesserungsmöglichkeiten (Handhabung, Materialien). Die zweite Generation des Instruments integriert eine Vakuumsaugung zur Druckkontrolle, was künftig die Anwendung bei größeren Steinen (>2 cm) untersuchen soll.

Fazit
Die Needle-Perc stellt eine vielversprechende Ergänzung der PCNL-Instrumente dar, insbesondere für kleine untere Kelchsteine und pädiatrische Fälle. Als Alternative zur extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie oder flexiblen Ureteroskopie könnte sie die Steinfreiheitsrate ohne zusätzliche Komplikationen erhöhen. Vergleichende Studien mit etablierten Miniatur-PCNL-Techniken sind erforderlich, um ihren Stellenwert zu definieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000692

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