Nichtinvasive respiratorische Unterstützung bei COVID – 19-Pneumonie

Nichtinvasive respiratorische Unterstützung bei Patienten mit neuartiger Coronavirus-Pneumonie: Klinische Wirksamkeit und Reduktion des Infektionsübertragungsrisikos

Das Auftreten der neuartigen Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) im Dezember 2019 in Wuhan, China, hat erhebliche Herausforderungen für globale Gesundheitssysteme mit sich gebracht. Ein signifikanter Anteil der Patienten (ca. 15–30 %) entwickelt innerhalb kurzer Zeit ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS), das dringend respiratorische Unterstützung erfordert. Nichtinvasive Beatmungsmethoden wie konventionelle Sauerstofftherapien, nichtinvasive positive Druckbeatmung (NIV) und High-Flow-Nasenkanülen (HFNC) wurden weitverbreitet eingesetzt, um Symptome zu lindern und die Prognose zu verbessern. Dennoch bleiben ihre Wirksamkeit, Sicherheit und ihr Einfluss auf die Aerosolverbreitung kontrovers. Dieser Artikel diskutiert die klinische Effektivität von NIV und HFNC bei COVID-19-Pneumonie sowie Maßnahmen zur Reduktion nosokomialer Infektionen.

Klinische Wirksamkeit der nichtinvasiven Beatmung (NIV)

NIV ist ein Schlüsselverfahren zur Vermeidung trachealer Intubationen bei akutem Lungenversagen, wodurch das Infektionsrisiko für medizinisches Personal während invasiver Maßnahmen gesenkt werden könnte. Eine retrospektive chinesische Studie mit 99 COVID-19-Patienten zeigte, dass NIV bei 13 % der Fälle eingesetzt wurde, während invasive Beatmung nur 4 % betrug. Die Evidenz bleibt jedoch begrenzt. Frühere Studien zu NIV bei SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) berichteten Misserfolgsraten von 20–40 %. Beispielsweise konnte NIV bei 70 % von 20 SARS-Patienten in Hongkong eine Intubation verhindern. Bei MERS-Patienten (Middle East Respiratory Syndrome) lag die Misserfolgsrate hingegen bei 60–70 %, bedingt durch schwerere pulmonale und extrapulmonale Schäden.

Aktuelle Leitlinien empfehlen NIV nicht als First-Line-Therapie bei hypoxischem Lungenversagen oder viralen Pandemien. NIV sollte daher nicht primär bei COVID-19-Patienten mit respiratorischem Versagen eingesetzt werden. Ausnahmen gelten für frühzeitige, streng selektionierte Patienten mit mildem bis moderatem Hypoxämiegrad (PaO2/FiO2 >200 mmHg), insbesondere bei begrenzten Ressourcen für invasive Beatmung. Eine NIV-Anwendung über 1–2 Stunden kann versucht werden, jedoch muss bei ausbleibender Besserung umgehend intubiert werden. Risikofaktoren für NIV-Versagen (z. B. Schock, metabolische Azidose, Multiorganversagen) müssen früh erkannt werden. Kontraindikationen umfassen hämodynamische Instabilität, Bewusstseinsstörungen oder Sekretretentionsprobleme.

Aerosoldispersion und Übertragungsrisiko unter NIV

NIV kann die Aerosolverbreitung verstärken, insbesondere bei Luftleckagen oder hohem Inspirationsdruck. Simulationen zeigen, dass exhaliertes Aerosol innerhalb von 1 Meter um den Patienten dispersiert. Die WHO stuft NIV daher als potenziell aerosolgenerierendes Verfahren ein. Klinische Studien während der SARS-Pandemie fanden jedoch keine Evidenz für erhöhte Infektionsraten bei Anwendern. NIV-Masken könnten sogar die Aerosolfreisetzung durch Husten reduzieren. Die aktuelle Datenlage bleibt uneindeutig, weshalb strenge Infektionskontrollen (z. B. persönliche Schutzausrüstung, Negativdruckräume) obligat sind.

Klinische Effektivität von High-Flow-Nasenkanülen (HFNC)

HFNC ermöglicht Gasflüsse von 60–80 L/min und FiO2-Werte von 0,21–1,0. Obwohl klinische Daten zu HFNC bei COVID-19 limitiert sind, zeigt die Methode Vorteile bei nichtinfektiöser Hypoxämie. HFNC kann bei COVID-19-Patienten erwogen werden, wenn:

  1. Herkömmliche Sauerstofftherapien versagen,
  2. NIV nicht toleriert wird,
  3. Leichte bis moderate Hypoxämie vorliegt (100 mmHg ≤ PaO2/FiO2 < 300 mmHg),
  4. Keine Notfallintubation indiziert ist,
  5. Vitale Parameter stabil sind.

Kontraindikationen ähneln denen der NIV. Der Therapieerfolg muss engmaschig überwacht werden (z. B. Atemfrequenz >30/min, SpO2 <88–90 %, paradoxe Atmung). Bei Verschlechterung ist eine Umstellung auf invasive Beatmung erforderlich.

Infektionsprävention unter HFNC

Zur Risikominimierung empfiehlt sich:

  • Einmalmaterialien: Hochflusssysteme sollten ausschließlich einmalig verwendet werden.
  • Mund-Nasen-Schutz: Patienten sollten chirurgische Masken tragen und Mundatmung minimieren.
  • Kondensatmanagement: Regelmäßige Reinigung der Schläuche, um Aerosolbildung durch Kondenswasser zu vermeiden.
  • Interface-Kontrolle: Lose sitzende Nasenkanülen erhöhen die Exhalatdispersion auf bis zu 620 mm.

Studien deuten darauf hin, dass die Exhalatdispersion unter HFNC bei korrekter Anwendung begrenzt ist (<172 mm). Dennoch sind Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken und Raumlüftung essenziell.

Fazit

NIV und HFNC sind wichtige Therapieoptionen bei COVID-19-Pneumonie, deren Einsatz jedoch sorgfältig abgewogen werden muss. Während NIV das Intubationsrisiko senken kann, bleiben Fragen zu Aerosolrisiken ungeklärt. HFNC bietet Vorteile bei milder Hypoxämie, erfordert aber strikte Überwachung. Beide Methoden erfordern stringente Infektionskontrollmaßnahmen, um nosokomiale Übertragungen zu verhindern. Künftige Studien müssen die Langzeiteffekte und optimale Anwendung im Pandemiekontext klären.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000000761

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