Nutzen-Risiko-Bewertung von Incretin-basierten Antidiabetika

Nutzen-Risiko-Bewertung von Incretin-basierten und anderen Antidiabetika bei Typ-2-Diabetes mittels eines stochastischen multikriteriellen Akzeptabilitätsanalyse-Modells

Incretin-basierte Therapien für Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) umfassen Incretin-Mimetika wie Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1 RAs) und Incretin-Verstärker wie Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren (DPP-4-Inhibitoren). Diese Therapien haben aufgrund ihrer effektiven hypoglykämischen Wirkung ohne Risiken einer Gewichtszunahme oder Hypoglykämie große Aufmerksamkeit erhalten. GLP-1 RAs zeichnen sich insbesondere durch eine überlegene Kontrolle des glykosylierten Hämoglobins (HbA1c), des Nüchternblutzuckers und des Körpergewichts im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren aus. Allerdings sind GLP-1 RAs auch mit einer höheren Inzidenz von Nebenwirkungen wie gastrointestinalen Reaktionen und Schwindel verbunden. Zudem bestehen Sicherheitsbedenken hinsichtlich eines potenziellen Risikos für gastrointestinale Karzinome im Zusammenhang mit Incretin-basierten Therapien. Vor diesem Hintergrund ist eine umfassende Nutzen-Risiko-Bewertung dieser Therapien für die klinische Entscheidungsfindung entscheidend.

Die multikriterielle Entscheidungsanalyse (MCDA) bietet einen robusten Rahmen zur Bewertung von Nutzen und Risiken medizinischer Behandlungen. Das stochastische multikriterielle Akzeptabilitätsanalyse-Modell (SMAA), eine Erweiterung der traditionellen MCDA, reduziert den Einfluss subjektiver Präferenzen der Entscheidungsträger, indem keine spezifischen Gewichtungen der Bewertungskriterien erforderlich sind. In dieser Studie wurde das SMAA-Modell in Kombination mit einer Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) eingesetzt, um die Nutzen-Risiko-Profile von Incretin-basierten Therapien und anderen Antidiabetika bei der Behandlung von T2DM zu evaluieren.

Es wurden 26 Nutzen- und Risikoendpunkte identifiziert, die aus früheren Reviews, der NMA und von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) veröffentlichten Arzneimittelinformationen abgeleitet wurden. Diese umfassten 11 Nutzenindikatoren, darunter HbA1c, Nüchternplasmaglukose, postprandiale Plasmaglukose, Körpergewicht, Blutfette, Blutdruck und Herzfrequenz, sowie 15 Risikoindikatoren wie Gesamtsterblichkeit, Pankreatitis, gastrointestinale Symptome (z. B. Obstipation, Diarrhö), Dyspepsie, Gastroenteritis, Schwindel, Kopfschmerzen, Hypoglykämie und schwere kardiovaskuläre Ereignisse.

Eine systematische Literaturrecherche wurde in Medline, Embase, ClinicalTrials.gov und der Cochrane Library bis zum 29. März 2019 durchgeführt. Die Suche verwendete Schlüsselwörter und MeSH-Begriffe zu GLP-1 RAs und DPP-4-Inhibitoren sowie relevante Freitextbegriffe. Eingeschlossen wurden randomisierte klinische Studien (RCTs) mit T2DM-Patienten, die GLP-1 RAs oder DPP-4-Inhibitoren im Vergleich zu Metformin, Sulfonylharnstoffen, Thiazolidindionen, Alpha-Glucosidase-Hemmern, SGLT-2-Inhibitoren, Insulin oder Placebo untersuchten. Nicht-RCTs, Tierstudien und laufende Experimente wurden ausgeschlossen.

Die Datenextraktion umfasste Studieninformationen, Populationsmerkmale, Interventionen sowie Nutzen- und Risikoindikatoren. Zwei Untersucher extrahierten unabhängig voneinander die Daten, und die Studienqualität wurde mithilfe des Cochrane-Risiko-bias-Tools bewertet. Eine Bayes-Methode wurde zur Analyse der Nutzen-Risiko-Endpunkte genutzt, wobei die Ergebnisse als mittlere Differenzen oder Odds Ratios mit 95%-Konfidenzintervallen dargestellt wurden.

Das SMAA-Modell generierte zwei Hauptresultate: die Akzeptabilität, die die Wahrscheinlichkeit einer Therapie für ein bestimmtes Ranking im Bewertungssystem darstellt, und den Konfidenzfaktor (CF), der die Wahrscheinlichkeit angibt, dass eine Therapie bei Wahl des zentralen Gewichtungsvektors den ersten Rang einnimmt. Die Studie verglich die Effekte von DPP-4-Inhibitoren und GLP-1 RAs auf Nutzen- und Risikoindikatoren sowie im Vergleich zu anderen Antidiabetika.

Die Ergebnisse zeigten, dass GLP-1 RAs eine höhere Akzeptabilität (84,5 %) als DPP-4-Inhibitoren aufwiesen, mit einem CF von 99,5 %. GLP-1 RAs übertrafen auch Insulin (90,6 %), Sulfonylharnstoffe (94,2 %), Thiazolidindione (69,8 %) und Alpha-Glucosidase-Hemmer (89,4 %). SGLT-2-Inhibitoren erreichten jedoch eine höhere Akzeptabilität (76,0 %) als GLP-1 RAs. DPP-4-Inhibitoren zeigten eine bessere Akzeptabilität als Insulin (93,1 %) und Sulfonylharnstoffe (80,4 %), lagen jedoch unter Metformin (61,5 %) und SGLT-2-Inhibitoren (93,5 %).

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass GLP-1 RAs in der Nutzen-Risiko-Bewertung wahrscheinlich überlegen gegenüber DPP-4-Inhibitoren sind. Die Akzeptabilität von GLP-1 RAs war höher als bei Insulin, Sulfonylharnstoffen, Thiazolidindionen und Alpha-Glucosidase-Hemmern, jedoch niedriger als bei SGLT-2-Inhibitoren. DPP-4-Inhibitoren schnitten besser ab als Insulin und Sulfonylharnstoffe, jedoch schlechter als Metformin und SGLT-2-Inhibitoren.

Das SMAA-Modell reduziert die Subjektivität der Entscheidungsfindung durch den Verzicht auf explizite Gewichtungen der Bewertungskriterien. Die umfassende Analyse von 589 RCTs mit 295.908 T2DM-Patienten und 26 Nutzen-Risiko-Indikatoren liefert robuste Evidenz für den klinischen Einsatz von Antidiabetika. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer ganzheitlichen Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Therapieauswahl für T2DM-Patienten und bieten wertvolle Entscheidungshilfen für die klinische Praxis.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002520

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