Nutzung und Qualitätsbewertung der digestiven Endoskopie in China: Ergebnisse aus 5 aufeinanderfolgenden landesweiten Erhebungen
Die digestive Endoskopie spielt eine entscheidende Rolle in der Diagnose und Behandlung verschiedener gastrointestinaler Erkrankungen. Weltweit hat das Volumen und die Verfügbarkeit dieser Verfahren in den letzten Jahren deutlich zugenommen, begleitet von einem wachsenden Fokus auf Qualitätssicherung. Diese Studie präsentiert eine umfassende Analyse der Nutzung und Qualität der digestiven Endoskopie in China von 2015 bis 2019, basierend auf fünf konsekutiven landesweiten Erhebungen. Zudem wird ein quantitatives Bewertungstool – der Endoskopie-Qualitätsindex (EQI) – eingeführt, der die Qualität endoskopischer Dienstleistungen medizinischer Einrichtungen in China evaluiert.
Hintergrund und Ziele
Die rasche Entwicklung der digestiven Endoskopie in China, dem weltweit größten Entwicklungsland, war bemerkenswert. 2015 wurde das Nationale Verbesserungssystem für die digestive Endoskopie (NDEIS) etabliert, um initiale Qualitätsindikatoren auf Grundlage internationaler Leitlinien und lokaler Gegebenheiten zu definieren. Das NDEIS initiierte jährliche Erhebungen zur Untersuchung von Nutzung und Qualität der Verfahren, um Baseline-Daten für Qualitätsbenchmarks zu schaffen und zukünftige Verbesserungen zu steuern.
Die primären Ziele dieser Studie waren: (1) die Bewertung von Nutzung und Qualität der digestiven Endoskopie in China über fünf Jahre, (2) die Entwicklung eines quantitativen Tools zur Qualitätsevaluierung und (3) die Identifikation von Einflussfaktoren auf die Endoskopiequalität, um Entwicklungsstrategien zu unterstützen.
Methoden
Die Studie umfasste jährliche Erhebungen von 2015 bis 2019 unter allen tertiären und sekundären Krankenhäusern in China. Tertiäre Krankenhäuser bieten hochspezialisierte Versorgung, sekundäre Einrichtungen allgemeine und spezielle Gesundheitsdienstleistungen. Die Befragungen wurden vom NDEIS koordiniert und von der Nationalen Gesundheitskommission Chinas beaufsichtigt. Standardisierte Online-Fragebögen erfassten: (1) Grundinformationen und Personalendoskopiker, (2) Nutzung der Endoskopie (Techniken, Jahresvolumen) und (3) Qualitätsindikatoren, die von einem Expertengremium definiert wurden. Die Datenqualität wurde durch logische Computertests und manuelle Prüfungen gesichert.
Der EQI wurde mittels Hauptkomponentenanalyse (PCA) entwickelt, die relative Gewichtungen von 12 Qualitätsindikatoren bestimmte. Das Modell integrierte 64,9 % der Gesamtvarianz in einen zusammengesetzten Index.
Ergebnisse
Von 2015 bis 2019 stieg die Teilnehmerzahl von 806 auf 2541 Krankenhäuser. Das durchschnittliche Jahresvolumen pro Krankenhaus erhöhte sich signifikant: in tertiären Einrichtungen von 12.445 auf 16.206 (1,30-fach), in sekundären von 2938 auf 4255 (1,45-fach). Die stärkste Zunahme zeigte sich bei diagnostischen Koloskopien (1,44-fach nach Standardisierung).
Die Qualität verbesserte sich kontinuierlich: Die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse sank von 0,013 % auf 0,003 %. Der Anteil früher Karzinome bei diagnostischer Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) stieg für Speiseröhrenkrebs von 12,3 % auf 17,7 % und für Magenkrebs von 11,4 % auf 16,9 %. Die Adenomdetektionsrate (ADR) bei Koloskopien erhöhte sich von 14,9 % auf 19,3 %.
Im EQI-Modell hatten der Anteil früher Karzinome, die Rate adäquater Darmvorbereitung und die Zäkumintubationsrate die höchsten Gewichtungen. Tertiäre Krankenhäuser und Einrichtungen in entwickelten Regionen erzielten signifikant höhere EQI-Werte als sekundäre Krankenhäuser in weniger entwickelten Gebieten.
Diskussion
Die Studie unterstreicht die substanzielle Entwicklung der digestiven Endoskopie in China hinsichtlich Volumen und Qualität. Der Anstieg der Qualitätsindikatoren reflektiert die Wirksamkeit der NDEIS-Initiativen. Dennoch bestehen Herausforderungen, insbesondere Ressourcenengpässe in sekundären Krankenhäusern und unterentwickelten Regionen. Nur ein Bruchteil der tertiären Einrichtungen bot fortgeschrittene Techniken wie endoskopische Submukosadissektion (ESD) an.
Der EQI bietet ein praktisches Tool zur Quantifizierung der Endoskopiequalität. Seine Ausrichtung auf Prozess- und Ergebnisindikatoren entspricht internationalen Standards. Personalausstattung und Arbeitslast erwiesen sich als signifikante Prädiktoren für die EQI-Werte, was die Notwendigkeit angemessener Personalkapazitäten unterstreicht.
Limitationen
Die nicht randomisierte Auswahl der Krankenhäuser könnte Selektionsbias verursachen, obwohl die hohe regionale Abdeckung dies mildert. Der EQI bedarf weiterer Validierung durch gesundheitsökonomische Studien.
Schlussfolgerung
Diese Studie liefert einen umfassenden Überblick über Nutzung und Qualität der digestiven Endoskopie in China von 2015 bis 2019. Die signifikanten Verbesserungen spiegeln die Fortschritte auf diesem Gebiet wider. Der EQI stellt ein vielversprechendes Instrument dar, um Qualitätssteigerungen in chinesischen medizinischen Einrichtungen zielgerichtet zu fördern.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002366