Onkozytischer karzinoider Tumor der Lunge kompliziert durch Tuberkulose

Onkozytischer karzinoider Tumor der Lunge kompliziert durch Tuberkulose

Der onkozytische karzinoide Tumor der Lunge (OCTL) ist eine seltene Form des neuroendokrinen Karzinoms und macht nur 1 % bis 2 % aller Lungenmalignome aus. Dieser Fallbericht beschreibt ein einzigartiges Zusammentreffen von OCTL mit pulmonaler Tuberkulose (TB) und beleuchtet die diagnostischen Herausforderungen, das klinische Management sowie mögliche Wechselwirkungen beider Erkrankungen.

Fallbericht

Eine 53-jährige Nichtraucherin ohne relevante Vorerkrankungen wurde im Juni 2017 in der Ersten Norman-Bethune-Klinik der Universität Jilin vorstellig. Sie berichtete über einen 20-tägigen Verlauf mit intermittierendem Husten, Auswurf und Fieber bis 38,7 °C nach einem „Erkältungsinfekt“. Die Symptome besserten sich unter antibiotischer Therapie mit Penicillin und Cephalosporinen. Sechs Monate zuvor hatte sie ähnliche Beschwerden mit Fieber, Husten, thorakalem Engegefühl und Belastungsdyspnoe gezeigt, die sich ebenfalls medikamentös besserten.

In der körperlichen Untersuchung zeigte sich eine Sinustachykardie (118 Schläge/min). Die Vitalparameter waren ansonsten unauffällig: Temperatur 37 °C, Atemfrequenz 19/min, Blutdruck 108/71 mmHg. Die Atemgeräusche waren seitengleich und regelrecht.

Diagnostische Bildgebung und Befunde

Die Thorax-Computertomographie (CT) wies eine Schrumpfung des linken Unterlappens mit verkalkten Arealen nach [Abbildung 1A]. Die Subbronchien erschienen verengt oder verzogen, und es zeigte sich eine verdichtete Raumforderung [Abbildung 1B]. Die fiberoptische Bronchoskopie identifizierte eine glatt begrenzte Neubildung in einem Subbronchus des rechten Unterlappens mit Verschluss des Bronchuslumens [Abbildung 1C]. Im distalen linken Hauptbronchus fanden sich eitrige Sekrete bei hochgradiger Stenose sowie eine raue, ödematöse Schleimhaut [Abbildung 1D].

Pathologische und immunhistochemische Analyse

Die immunhistochemische Untersuchung der Biopsate ergab eine Positivität für Ki-67 (+1 %), ck-pan (fleckförmig +), CD56 (+), CgA (+) und Syn (+). In Kombination mit der pathologischen Beurteilung bestätigte dies die Diagnose eines OCTL in der subbronchialen Läsion des rechten Unterlappens [Abbildung 1E].

Die Biopsie der linken Unterlappenschleimhaut offenbarte granulomatöse Entzündung, Nekrosen, epitheloide Zellen und mehrkernige Riesenzellen, vereinbar mit Tuberkulose [Abbildung 1F]. Die säurefeste Färbung bestätigte Mykobakterien, sodass die Diagnose einer pulmonalen TB gesichert war.

Laborbefunde

Die Blutanalyse zeigte erhöhte CA125- und C-reaktive Protein-Werte sowie eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit bei normaler Leukozytenzahl. Diese Befunde unterstützten das Vorliegen eines entzündlichen Prozesses, wahrscheinlich im Rahmen der TB.

Diskussion

Der OCTL, erstmals 1937 beschrieben, ist ein spezifischer Subtyp des bronchialen Karzinoids mit neuroendokriner Differenzierung. Er entsteht aus den Kulchitzky-Zellen der Bronchialschleimhaut, die durch mitochondriale Hyperplasie und neurosekretorische Granula ein eosinophiles Zytoplasma aufweisen. Mitochondriale Schädigungen gelten als pathophysiologische Grundlage.

Die Diagnosestellung basiert primär auf der histopathologischen Untersuchung als Goldstandard, ergänzt durch klinische und bildgebende Befunde. Lichtmikroskopisch zeigen die Tumorzellen multiple eosinophile Granula, elektronenmikroskopisch neurosekretorische Granula. Immunhistochemisch exprimieren sie neuronenspezifische Enolase, Synaptophysin, Chromogranin A und Zytokeratin. Im vorliegenden Fall wurde die Diagnose durch die charakteristische Morphologie und immunhistochemische Marker gestützt.

Die Koexistenz von OCTL und TB in verschiedenen Lungenlappen stellt ein seltenes klinisches Szenario dar. Zwar existieren keine Studien zur direkten Interaktion beider Erkrankungen, jedoch deuten Daten darauf hin, dass TB-Läsionen das Lungenkrebsrisiko erhöhen können. Eine pulmonale TB-Anamnese korreliert mit reduzierter Überlebenszeit bei Lungenkarzinom-Patienten. Einige Autoren postulieren, dass Malignome eine TB-Reaktivierung begünstigen und die Kombination beider Erkrankungen die Mortalität im Vergleich zu isolierter TB steigert. Zudem könnte die Tumor-induzierte Immunsuppression den TB-Verlauf verschlechtern.

Therapie und Prognose

Der OCTL gilt als niedrigmalignes Karzinom, das primär chirurgisch reseziert wird, da Chemotherapien oft unwirksam sind. In publizierten Fällen traten nach Resektion weder Metastasen noch Todesfälle während der Nachsorge auf. Aufgrund der guten TB-Kontrollierbarkeit wurde der Patientin zunächst eine antituberkulöse Therapie empfohlen, gefolgt von der OCTL-Behandlung nach TB-Stabilisierung.

Aufgrund der OCTL-Seltenheit, fehlender Langzeitdaten und des mangels an Literatur zu OCTL mit TB bleibt die Prognose ungewiss. Weitere Forschung und Langzeituntersuchungen sind erforderlich, um das klinische Verhalten dieser Komorbidität zu verstehen.

Schlussfolgerung

Dieser Fall illustriert die komplexe Diagnostik und Therapie bei OCTL mit begleitender TB. Die lobär getrennte Manifestation unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Abklärung und individualisierten Behandlung. Obwohl der Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen unklar bleibt, deuten Hinweise auf einen negativen TB-Einfluss auf das Lungenkrebsrisiko und die Prognose hin, der weiterer Studien bedarf.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000339

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