Peri-prozedurale myokardiale Schädigung als Prädiktor für eine schlechte Kurzzeitprognose nach TAVR: Eine monozentrische retrospektive Analyse aus China
Hintergrund
Die Aortenklappenstenose (AS) betrifft etwa 2% der über 65-Jährigen und weist unbehandelt eine 2-Jahres-Mortalität von 50% auf. Seit der ersten kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVR) im Jahr 2002 hat sich das Verfahren als nicht-inferior zum chirurgischen Klappenersatz erwiesen. Dennoch bleiben postprozedurale Komplikationen prognostisch relevant, insbesondere die peri-prozedurale myokardiale Schädigung (PMI), die durch kardiale Biomarkererhöhung definiert wird. Deren Einfluss auf die Mortalität bleibt unklar.
Methoden
Diese retrospektive Studie an der West China Hospital, Sichuan University, analysierte 481 TAVR-Patienten (196 mit PMI vs. 285 ohne PMI). Primäre Endpunkte waren die Krankenhaus-, 30-Tage- und 1-Jahres-Mortalität. Sekundäre Endpunkte umfassten Komplikationen wie Blutung, Thromboembolien und Rehospitalisierung. Statistische Analysen beinhalteten logistische Regression und Cox-Modelle.
Ergebnisse
PMI-Patienten waren älter (76,8 ± 6,3 vs. 74,9 ± 6,4 Jahre, p=0,001), leichter (56,8 ± 11,3 vs. 59,7 ± 11,8 kg, p=0,004) und hatten höhere STS-Scores (6,5 ± 4,4 vs. 5,4 ± 3,8, p=0,002). Laborchemisch zeigten sie erhöhte Kreatininwerte (93,5 ± 47,6 vs. 82,3 ± 34,0 μmol/l, p=0,002) und niedrigere eGFR (60,4 ± 21,7 vs. 65,4 ± 21,6 ml/min/1,73 m², p=0,012).
In der multivariaten Analyse erwiesen sich Alter (OR 1,05, 95% CI 1,01–1,09), Kreatinin (OR 1,01, 1,00–1,02), Ventrikelseptumdicke (OR 1,27, 1,07–1,52), Valve-in-Valve-Implantation (OR 3,33, 1,27–8,71) und intraprozedurale Blutung (OR 5,97, 1,21–29,43) als unabhängige PMI-Prädiktoren.
Die Gesamtmortalität lag bei 14,1% (n=68), davon 76,5% kardial bedingt. PMI-Patienten hatten ein 93% höheres Sterberisiko (HR 1,93, 95% CI 1,15–3,25). In der 90-Tage-Landmarkenanalyse war das Mortalitätsrisiko auf den Frühverlauf begrenzt (HR 2,18, 1,18–4,03), ohne Unterschiede jenseits von 90 Tagen.
Komplikationen
PMI-Patienten zeigten höhere Raten an:
- Thromboembolien (7,1% vs. 2,5%, p=0,019)
- Schlaganfällen (4,1% vs. 0,7%, p=0,016)
- Rehospitalisierung (22,4% vs. 14,4%, p=0,029)
Schlussfolgerungen
PMI nach TAVR ist mit erhöhter Frühsterblichkeit (≤90 Tage) assoziiert. Unabhängige Risikofaktoren umfassen Alter, Nierenfunktion, Ventrikelseptumdicke und intraprozedurale Blutungen. Engmaschiges kardiales Troponin-Monitoring und frühzeitige Therapieoptimierung werden empfohlen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002843