Persistenz und Clearance von viraler RNA bei Rehabilitationspatienten mit der 2019-Novel-Coronavirus-Erkrankung
Das 2019-Novel-Coronavirus (2019-nCoV), der Erreger der COVID-19-Pandemie, stellt eine erhebliche Herausforderung für die globale öffentliche Gesundheit dar. Die Persistenz und Clearance von viraler RNA in verschiedenen Körperflüssigkeiten und Exkreten von Patienten während der Rekonvaleszenzphase sind entscheidend für das klinische Management. Diese Studie untersucht die Nachweisbarkeit von viraler RNA in oropharyngealen Abstrichen, Stuhl, Urin und Serum sowie den Einfluss von Immunantwort und Glukokortikoidtherapie auf die Virusclearance.
Einleitung
Die Übertragung von 2019-nCoV erfolgt hauptsächlich über respiratorische Sekrete. Jedoch deuten Studien auf eine mögliche Ausscheidung von viraler RNA in Stuhl und Urin hin, was Bedenken hinsichtlich fäkal-oraler oder vertikaler Übertragungswege aufwirft. Aktuelle Richtlinien fordern die Isolierung von Patienten bis zu zwei negativen RT-PCR-Tests aus respiratorischen Proben. Die Persistenz von viraler RNA in anderen Probenmaterialien bleibt jedoch unklar. Diese Studie zielt darauf ab, die Clearance-Zeiten von viraler RNA in verschiedenen Proben zu analysieren und Einflussfaktoren zu identifizieren.
Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden klinische Daten und Laborergebnisse von 66 genesenden COVID-19-Patienten des Shanghai Public Health Clinical Center (20. Januar 2020 bis 10. Februar 2020) ausgewertet. Rekonvaleszenten wurden definiert als Patienten ohne Fieber oder respiratorische Symptome und mit zwei negativen RT-PCR-Tests (oropharyngeale Abstriche, mindestens 24 Stunden Abstand). Es wurden RT-PCR-Ergebnisse aus oropharyngealen Abstrichen, Stuhl, Urin und Serum analysiert. Zudem wurden der Einfluss von CD4+ T-Lymphozyten, Entzündungsmarkern (BSG, CRP, PCT) und Glukokortikoiden untersucht.
Ergebnisse
Demografie und Laborbefunde
Das mediane Alter der 66 Patienten (42,4 % Frauen, 57,6 % Männer) betrug 44,0 Jahre (Bereich: 34,0–62,0). Entzündungsmarker waren bei Aufnahme erhöht (BSG: 70,0 mm/h; CRP: 8,4 mg/L; PCT: 0,03 ng/mL), normalisierten sich jedoch unter Therapie (BSG: 44,0 mm/h; CRP: 0,5 mg/L; PCT: 0,02 ng/mL).
Virusnachweis in verschiedenen Proben
Die mediane Zeit bis zum ersten negativen oropharyngealen Abstrich betrug 9,5 Tage (6,0–11,0 Tage). Bis zum 10. Februar 2020 wiesen 11 Patienten (16,7 %) weiterhin positive Stuhlproben auf. Bei den übrigen 55 Patienten wurde virale RNA im Stuhl nach median 11,0 Tagen (9,0–16,0 Tage) negativ. Bei 43 dieser Patienten (78,2 %) persistierte virale RNA im Stuhl 2,0 Tage länger als in oropharyngealen Abstrichen. In Urinproben von 4/58 Patienten (6,9 %) wurde RNA nachgewiesen, bei dreien nach Negativierung der Abstriche. Keine der 14 Serumproben war positiv.
Einflussfaktoren auf die Virusclearance
In der multiplen linearen Regression korrelierte eine niedrigere CD4+ T-Lymphozytenzahl mit verlängerter RNA-Persistenz im Stuhl (t = -2,699; p = 0,010). Entzündungsmarker zeigten keine Signifikanz. Glukokortikoidtherapie verzögerte die Clearance in oropharyngealen Abstrichen (15,0 vs. 8,0 Tage; p = 0,013) und Stuhlproben (20,0 vs. 11,0 Tage; p < 0,001).
Diskussion
Die verlängerte RNA-Nachweisbarkeit im Stuhl unterstreicht die Notwendigkeit, Stuhlproben in der Rekonvaleszenzphase zu überwachen, um fäkal-orale Übertragungsrisiken zu minimieren. Der seltene Nachweis in Urinproben erfordert weitere Abklärung möglicher alternativer Übertragungswege. Glukokortikoidtherapie könnte durch Immunsuppression die Viruspersistenz verlängern, weshalb ihr Einsatz kritisch evaluiert werden muss. Die Assoziation zwischen CD4+ T-Zellen und Clearance unterstreicht die Rolle der zellulären Immunität bei der Kontrolle von 2019-nCoV.
Fazit
Die Ergebnisse betonen die Bedeutung von Stuhlmonitoring und individualisierter Therapieentscheidung bei Glukokortikoiden. Die Rolle der CD4+ T-Lymphozyten in der Virusclearance bietet Ansätze für immunbasierte Prognoseinstrumente. Diese Erkenntnisse tragen zur Optimierung des klinischen Managements und zur Reduktion von Transmissionsrisiken bei Rekonvaleszenten bei.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000774