Prävalenz von Typ-2-Diabetes bei Patienten mit rheumatoider Arthritis

Prävalenz von Typ-2-Diabetes bei Patienten mit rheumatoider Arthritis: Eine große retrospektive Studie

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) signifikant erhöht. Studien zufolge ist das CVD-Risiko bei RA-Patienten mindestens 50 % höher als in der Allgemeinbevölkerung. CVD stellt die häufigste Todesursache bei RA-Patienten dar, selbst in frühen Krankheitsstadien. Dies wird auf das Zusammenspiel chronischer Entzündungsprozesse und der erhöhten Prävalenz klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Diabetes mellitus zurückgeführt. Typ-2-Diabetes (T2DM), charakterisiert durch chronische Hyperglykämie infolge insulinsekretorischer oder -sensitivitätsbedingter Störungen, trägt global zur CVD-Last bei. In China liegt die Diabetesprävalenz bei Erwachsenen bei 11,6 %, deutlich über dem globalen Durchschnitt. Obwohl die Koexistenz von RA und T2DM das CVD-Risiko synergistisch verstärkt, empfehlen weder die EULAR- noch die ADA-Leitlinien ein systematisches Diabetes-Screening bei RA-Patienten. Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen T2DM und RA im Vergleich zu einer gesunden chinesischen Population über 20 Jahren.

In dieser populationsbasierten, retrospektiven Studie wurden 6002 hospitalisierte RA-Patienten (nach ACR/EULAR-Kriterien 2010) und 10.759 gesunde Kontrollen aus dem Untersuchungszentrum des Guanghua-Krankenhauses (Januar 2015–Oktober 2016) eingeschlossen. Mittels standardisiertem Fragebogen wurden demografische Daten, Lebensstilfaktoren (Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung) und Familienanamnese erhoben. Alle Teilnehmer unterzogen sich einer physischen Untersuchung inklusive Nüchternplasmaglukose-Messung. Nach Ausschluss von Typ-1-Diabetes und gestörter Glukosetoleranz verblieben 5992 RA-Fälle und 10.741 Kontrollen. Die Ethikkommission des Guanghua-Krankenhauses genehmigte die Studie.

Die Nüchternplasmaglukose wurde nach ADA-Kriterien kategorisiert: isolierte gestörte Nüchternglukose (IFG: 5,60–6,99 mmol/L) und Diabetes mellitus (DM: ≥7,00 mmol/L). Kategorische Daten wurden als Prozentsätze dargestellt. Gruppenunterschiede wurden mit dem Student-t-Test (kontinuierliche Variablen) und Chi-Quadrat-Test (kategorische Variablen) bei p <0,05 analysiert.

Ergebnisse
Unter den Kontrollen wurden 811 T2DM- und 1309 IFG-Fälle identifiziert. Die Gesamtprävalenz von IFG betrug 12,19 % (Männer: 14,50 %; Frauen: 6,68 %), mit Spitzenwerten bei Männern (60–64 Jahre: 20,45 %) und Frauen (≥70 Jahre: 17,05 %). Die T2DM-Prävalenz lag bei 7,54 % (Männer: 9,53 %; Frauen: 2,80 %). Nach Alters- und Geschlechtsstandardisierung betrug die T2DM-Prävalenz 4,82 % (Männer: 7,14 %; Frauen: 2,45 %).

Bei RA-Patienten traten 559 T2DM- und 451 IFG-Fälle auf. Die IFG-Prävalenz betrug 7,53 % ohne Geschlechtsunterschied (Männer: 7,38 %; Frauen: 7,58 %). Die höchste IFG-Prävalenz fand sich bei Männern (60–64 Jahre) und Frauen (55–59 Jahre: 9,31 %). Die T2DM-Prävalenz lag bei 9,33 % (Männer: 8,79 %; Frauen: 9,52 %), mit standardisierten Werten von 5,86 % (Männer: 6,18 %; Frauen: 5,54 %).

Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bei Männern war die IFG-Prävalenz bei RA-Patienten signifikant niedriger als bei Kontrollen. Bei Frauen stieg die IFG-Prävalenz in Kontrollen ab 60 Jahren stark an, während RA-Patientinnen im Alter von 50–64 Jahren eine signifikant höhere T2DM-Prävalenz zeigten (5,54 % vs. 2,45 % bei Kontrollen). Bei Männern war die T2DM-Prävalenz vergleichbar (6,18 % vs. 7,14 %).

Diskussion
Die erhöhte T2DM-Prävalenz bei RA-Patientinnen könnte auf geschlechtsspezifische Unterschiede in Entzündungsprozessen, Viszeralfettverteilung oder Glukokortikoidwirkungen zurückgehen. Niedrig dosierte Glukokortikoide können die Insulinresistenz verbessern, während hohe Dosen hyperglykämiefördernd wirken. Die Studie ist retrospektiv und ermöglicht keine kausalen Rückschlüsse. Konfundierende Faktoren wie RA-Aktivität, -Dauer und Medikation wurden nicht berücksichtigt.

Zusammenfassung
RA-Patienten weisen insgesamt eine erhöhte T2DM-Prävalenz auf, insbesondere Frauen im Alter von 50–64 Jahren. Ein gezieltes Diabetesmonitoring bei RA-Patienten ist angesichts des kumulativen CVD-Risikos klinisch relevant.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002378

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