Protrusio acetabuli bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis und Endstadium-Hüftbeteiligung
Die Protrusio acetabuli (PA) ist eine schwerwiegende Komplikation bei pathologischen Zuständen mit Hüftgelenkbeteiligung. Sie entsteht durch die mediale Verlagerung des Acetabulums, wodurch der Femurkopf in die Beckenhöhle vorragt. Ätiologisch kommen entzündliche, traumatische, genetische, metabolische, infektiöse oder idiopathische Faktoren infrage. Entzündliche Arthritiden (IA) wie rheumatoide Arthritis (RA), juvenile idiopathische Arthritis (JIA), ankylosierende Spondylitis (AS) und Psoriasis-Arthritis (PsA) zählen zu den häufigsten Ursachen. Der entzündungsbedingte Knochenabbau begünstigt eine Migration entlang der Gelenkreaktionsvektoren und damit die PA-Entstehung.
Bei AS-Patienten kann eine periphere Hüftbeteiligung im Endstadium zu schweren Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und funktioneller Beeinträchtigung führen, die oft eine Hüfttotalendoprothese (HTEP) erforderlich machen. Die PA stellt hierbei chirurgische Herausforderungen, insbesondere bei der Rekonstruktion des Hüftrotationszentrums (COR) und der Positionierung der Acetabulumkomponente.
Diese Studie untersuchte die PA-Prävalenz bei AS-Patienten mit Endstadium-Hüftbeteiligung sowie Zusammenhänge mit klinischen Parametern. An der Beijing Jishuitan Hospital wurden 670 Hüften von AS-Patienten (2005–2020) retrospektiv analysiert, wobei 532 Hüften nach strengen Ein- und Ausschlusskriterien eingeschlossen wurden. Diagnostische Kriterien umfassten die modifizierten New-York-Kriterien (1984) und eine HTEP-Indikation. Ausschlussgründe waren u. a. angeborene Hüfterkrankungen, Voroperationen oder Infektionen.
Erhobene Daten umfassten Demografie, klinische Parameter (BASDAI, BASFI, SF-12, HHS), Laborwerte (BSG, CRP, HGB, ALB) und radiologische Messungen (AID, CEA, OFR, CFI, NSA) mittels Mimics-Software (Version 16.0). Die statistische Analyse erfolgte mit SPSS (Version 25.0), inklusive multivariater logistischer Regression zur Identifikation von PA-Risikofaktoren.
Von 532 Hüften wiesen 103 (19,4%) eine PA auf (Grad I: 16,4%; Grad II: 3,0%). Die PA-Gruppe zeigte signifikant häufiger chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) (9,7% vs. 4,2%; p = 0,024), höhere BASFI-Werte (62,0 ± 19,1 vs. 57,1 ± 19,4; p = 0,014), niedrigere SF-12-PCS (30,5 ± 7,7 vs. 33,1 ± 8,5; p = 0,003) und geringere HHS (30,0 ± 14,3 vs. 33,9 ± 13,2; p = 0,020). Radiologisch fand sich ein erhöhter CEA (41,0 ± 10,6 vs. 36,5 ± 10,3; p = 0,001). In der multivariaten Analyse erwiesen sich CED (OR = 0,335; 95%-KI: 0,147–0,764; p = 0,009), SF-12-PCS (OR = 0,966; 95%-KI: 0,940–0,992; p = 0,012) und HHS (OR = 0,982; 95%-KI: 0,966–0,998; p = 0,026) als signifikante Prädiktoren. Die AUC des Modells betrug 0,765.
Die Ergebnisse unterstreichen den Zusammenhang zwischen PA und funktionellem Status bzw. klinischer Hüftschwere bei AS. CED zeigte einen protektiven Effekt, möglicherweise bedingt durch Biologika-Therapie. Limitationen umfassen den retrospektiven, monozentrischen Designansatz und unberücksichtigte Faktoren wie HLA-B27-Status oder Medikationshistorie.
Zusammenfassend erfordert die PA bei AS spezielle Rekonstruktionstechniken in der HTEP-Chirurgie. Weitere Studien sollten dynamische PA-Veränderungen und zusätzliche Risikofaktoren evaluieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001792