Radiologische Merkmale traumatischer Wirbelendplattenfrakturen: Eine Analyse von 194 Fällen mit 263 Wirbelfrakturen

Radiologische Merkmale traumatischer Wirbelendplattenfrakturen: Eine Analyse von 194 Fällen mit 263 Wirbelfrakturen

Einleitung
Wirbelfrakturen (VFs) sind ein bedeutendes gesundheitliches Problem, insbesondere bei älteren Patienten mit Osteoporose. Osteoporotische Wirbelfrakturen gehen oft mit eingeschränkter Lebensqualität, Mobilitätsverlust und erhöhter Mortalität einher. Die Unterscheidung zwischen osteoporotischen Endplatten-/Kortexfrakturen (ECFs) und alten traumatischen ECFs mit Heilungsprozessen ist klinisch herausfordernd. Diese Studie zielt darauf ab, radiologische Merkmale traumatischer Endplattenfrakturen (EPFs) zu charakterisieren, um die Differenzierung zwischen traumatischen und osteoporotischen EPFs zu erleichtern.

Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden 194 Patienten mit 263 traumatischen Wirbelfrakturen analysiert (Alter: 42,11 ± 9,82 Jahre; 118 Männer, 76 Frauen). Einschlusskriterien waren bildgebend nachgewiesene EPFs nach Trauma, wobei Patienten mit Malignomen, spinalen Infektionen oder Osteoporose-Risikofaktoren ausgeschlossen wurden. Die Frakturen wurden mittels Röntgen, CT oder MRT erfasst. Traumamechanismen umfassten Verkehrsunfälle (69,1%), Stürze aus >2 m Höhe (16,5%), Sportverletzungen und schwere Kontusionen.

Ergebnisse
Die häufigsten Frakturlokalisationen waren L1 (29,7%), T12 (18,3%) und L2 (12,9%). Überwiegend war die superiore Endplatte betroffen (85,6%), während isolierte inferiore EPFs nur 1,9% ausmachten. Die stärkste Depression superiore EPFs lag meist im Segment-a2 (45%), gefolgt von a1 (20%) und m (20%). Posteriorwandfrakturen (68,5%) betrafen häufig die Knochenstruktur um die Basivertebralvene. Der Wirbelkörperhöhenverlust war bei 58,6% der Fälle <1/5, bei 30,0% 1/5–1/3 und bei 11,4% >1/3. Mit zunehmendem Höhenverlust stieg die Wahrscheinlichkeit kombinierter superio-inferiorer EPFs, nicht jedoch isolierter inferiorer EPFs.

Diskussion
Traumatische EPFs traten hauptsächlich an der thorakolumbalen Übergangsregion (L1, T12, L2) auf – ähnlich wie osteoporotische VFs. Jedoch zeigten traumatische EPFs keine Geschlechtsunterschiede, im Gegensatz zu osteoporotischen EPFs, bei denen Frauen häufiger inferiore Endplatten betreffen. Die In-plane-Verteilung traumatischer EPFs (Schwerpunkt Segment-a2) unterschied sich signifikant von osteoporotischen EPFs (Schwerpunkt Segment-m). Posteriorwandbeteiligung und Frakturen der oberen anterioren Wirbelwand waren typisch für Traumata, nicht jedoch für Osteoporose. Ein geringer Wirbelkörperhöhenverlust war bei Traumata häufiger, während osteoporotische ECFs oft stärkere Höhenminderungen aufweisen.

Limitationen
Die Studie fokussierte primär auf EPFs, sodass isolierte anterior/posterior-Wandfrakturen unvollständig erfasst sein könnten. Die Altersverteilung (42,1 vs. 72,5 Jahre bei Osteoporose-Vergleich) und die Modestrahprobengröße (263 Frakturen) limitieren die Generalisierbarkeit. Zukünftige multizentrische Studien könnten die Merkmale weiter validieren.

Schlussfolgerung
Traumatische EPFs lassen sich durch superior-betonte Endplattenbeteiligung (Segment-a2), mögliche Posteriorwandfrakturen (Basivertebralvenen-Region) und geringeren Höhenverlust von osteoporotischen EPFs unterscheiden. Diese radiologischen Kriterien unterstützen die klinische Differenzialdiagnose und Therapieplanung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000919

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