Rauchen in der Anamnese erhöht Risiko nach Aortenreparatur

Rauchen in der Anamnese erhöht das Risiko der Langzeitmortalität nach thorakaler endovaskulärer Aortenreparatur bei Patienten mit unkomplizierter Typ-B-Dissektion

Die optimale Behandlung der unkomplizierten Typ-B-Aortendissektion bleibt in der medizinischen Gemeinschaft umstritten. Traditionell wurden Patienten mit unkomplizierten Typ-B-Dissektionen konservativ mittels Blutdruckkontrolle und engmaschiger Überwachung therapiert. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass die thorakale endovaskuläre Aortenreparatur (TEVAR) bessere Langzeitergebnisse, insbesondere hinsichtlich des Überlebens, bieten könnte. Diese Studie untersucht den Einfluss einer präoperativen Raucheranamnese auf die Langzeitmortalität bei Patienten mit unkomplizierter Typ-B-Dissektion nach TEVAR.

Hintergrund

Bei der unkomplizierten Typ-B-Aortendissektion kommt es zu einem Einriss der inneren Aortenschicht, wodurch Blut zwischen die Wandschichten der Aorta fließt. Obwohl die konservative Therapie bisher Standard war, gewinnt TEVAR zunehmend an Bedeutung. Seit 2001 führt unser Zentrum TEVAR bei unkomplizierten Typ-B-Dissektionen durch, mit 5- und 10-Jahres-Überlebensraten von 96,5 % bzw. 83,0 %. Diese Ergebnisse unterstreichen den potenziellen Nutzen von TEVAR als primäre Therapieoption.

Rauchen ist ein etablierter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit und Aneurysmen sowie für postoperative Komplikationen. Der spezifische Einfluss des Rauchens auf die Langzeitprognose nach TEVAR bei dieser Patientengruppe wurde jedoch nicht umfassend untersucht. Diese Studie analysiert den Zusammenhang zwischen Raucheranamnese und Langzeitmortalität.

Methoden

An der Beijing Anzhen Hospital wurden von Mai 2001 bis Dezember 2013 Daten von 751 Patienten mit unkomplizierter Typ-B-Dissektion nach TEVAR erhoben. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: 337 Raucher und 414 Nichtraucher. Der primäre Endpunkt war die Gesamtmortalität während des Follow-ups.

Die TEVAR erfolgte nach Standardprotokollen. Präoperativ wurden CT-Angiografie (CTA) und Aortenangiografie zur Lokalisation des primären Intimaeinrisses und zur Planung der Stentgröße (5–10 % größer als der Aortendurchmesser) genutzt. Nach Stentfreisetzung erfolgte eine Angiografie zur Kontrolle der Lage und Abdichtung. Bei Bedarf wurden zusätzliche Stents implantiert.

Das Follow-up umfasste jährliche CTA- und Ultraschalluntersuchungen zur Beurteilung des Aortenremodelings. Bei ausbleibender Vorstellung erfolgte die Datenerhebung telefonisch oder postalisch. Der Nachbeobachtungszeitraum endete im November 2016 (Median: 70 Monate; Range: 1–170 Monate).

Die statistische Auswertung erfolgte mittels Kaplan-Meier-Methode für Überlebensraten, Log-Rank-Test für Gruppenvergleiche und multivariabler Cox-Regression zur Adjustierung von Störfaktoren (Alter, Geschlecht, BMI, Diabetes, Alkoholkonsum, Stentanzahl). Variablen mit P < 0,1 in der univariaten Analyse wurden in die multivariate Analyse einbezogen.

Ergebnisse

Es zeigten sich signifikante Unterschiede in der Langzeitprognose zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten betrugen bei Nichtrauchern 97,6 % (95 %-KI: 96,0–99,2 %) bzw. 87,0 % (95 %-KI: 81,6–92,7 %), bei Rauchern dagegen 94,9 % (95 %-KI: 92,2–97,7 %) bzw. 73,8 % (95 %-KI: 62,3–87,5 %). Der Log-Rank-Test ergab eine signifikant schlechtere Überlebensrate bei Rauchern (P = 0,0059).

In der multivariablen Analyse war Rauchen mit einem 2,1-fach erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert (P = 0,039). Reinterventionen traten bei 6,2 % der Raucher und 5,1 % der Nichtraucher auf (P = 0,486).

Diskussion

Die Studie belegt, dass eine präoperative Raucheranamnese die Langzeitmortalität nach TEVAR bei unkomplizierter Typ-B-Dissektion signifikant erhöht. Rauchen fördert atherosklerotische Veränderungen, reduziert die Aortencompliance und erhöht das Risiko residueller Dissektionen oder Rupturen distal des Stents. Zudem begünstigt es Begleiterkrankungen wie KHK, die die Prognose verschlechtern.

Bemerkenswert ist, dass das Mortalitätsrisiko ehemaliger Raucher nach 25-jähriger Abstinenz auf das Niveau von Nichtrauchern sinkt. Dies unterstreicht die Bedeutung präoperativer Raucherentwöhnungsprogramme.

Limitationen

Retrospektives Studiendesign, fehlende Quantifizierung des Rauchverhaltens (Packungsjahre) sowie unklare Differenzierung zwischen prä- und postoperativer Abstinenz limitieren die Aussagekraft. Zukünftige Studien sollten diese Faktoren prospektiv erfassen.

Schlussfolgerung

Raucher haben nach TEVAR bei unkomplizierter Typ-B-Dissektion ein deutlich erhöhtes Langzeitsterblichkeitsrisiko. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit strukturierter Raucherentwöhnungsprogramme für diese Patientengruppe. Weitere Forschung ist erforderlich, um die zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen zu klären.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000640

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