Rechallenge mit Pemetrexed-basierter Chemotherapie als Option für initial responders mit fortgeschrittenem Lungenadenokarzinom
Pemetrexed, ein Chemotherapeutikum, das häufig mit platinbasierten Wirkstoffen wie Cisplatin oder Carboplatin kombiniert wird, gilt als Standardtherapie in der Erstlinie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) ohne identifizierbare genetische Mutationen. Dieses Regime zeigt ein medianes Überleben von 10,2 bis 13,0 Monaten sowie eine 5-Jahres-Überlebensrate von 13–15%. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenadenokarzinom konnte die initiale Pemetrexed-basierte Chemotherapie auch ohne spezifische Biomarker als wirksam bestätigt werden. Nach Induktionstherapie wird Pemetrexed häufig als Erhaltungstherapie eingesetzt, die in früheren Studien eine gute Verträglichkeit aufwies.
Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass ein Rechallenge mit Pemetrexed (mono oder kombiniert) für Patienten geeignet sein könnte, die initial von der Therapie profitierten, später jedoch Resistenzen gegen Tyrosinkinasehemmer entwickelten. Diese Strategie basiert auf der Hypothese, dass pemetrexed-sensitive Tumorzellklone persistieren. Angesichts fehlender standardisierter Therapielinien bei fortgeschrittenem NSCLC untersuchte diese retrospektive Studie die Wirksamkeit und Sicherheit des Pemetrexed-Rechallenges bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenadenokarzinom nach vorherigem Ansprechen auf eine platinhaltige Erstlinientherapie.
Es wurden klinische Daten von 34 Patienten ausgewertet (Januar 2012–Dezember 2017). Einschlusskriterien umfassten: informierte Einwilligung, Stadium IIIB–IV NSCLC, Pemetrexed-Rechallenge in ≥2. Linie (≥2 Zyklen), vorheriges Ansprechen (stabile Erkrankung/partielle Remission) auf Pemetrexed-Platin sowie vollständige Dokumentation. Ausschlusskriterien waren Plattenepithelkarzinome, Progress unter Erstlinie oder unvollständige Nachsorge.
Primäre Endpunkte waren progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS). Das Ansprechen wurde gemäß RECIST 1.1, Nebenwirkungen nach NCI-CTCAE 4.0 bewertet. Statistische Analysen erfolgten mittels Kaplan-Meier-Methode, Log-rank-Tests und multivariaten Cox-Modellen (Signifikanzniveau p<0,05).
Die Kohorte (medianes Alter 58 Jahre) bestand mehrheitlich aus Frauen (62%) und Nichtrauchern (68%). Alle Patienten hatten ein Adenokarzinom im Stadium IIIB/IV. 56% zeigten einen ECOG-Leistungsstatus von 0–1, 44% ECOG 2–3. Komorbiditäten lagen bei 56% vor. Genetische Alterationen umfassten EGFR-Mutationen (35%, Exon 19/21; ein Fall mit T790M) und EML4-ALK-Fusionen (12%).
In der Erstlinie erhielten alle Patienten Pemetrexed-Platin-Dubletten (median 5 Zyklen), 48% eine Pemetrexed-Erhaltungstherapie (median 6 Zyklen). Das Rechallenge erfolgte in 29% in zweiter, 71% in dritter oder späterer Linie. Die Rechallenge-Regime umfassten Pemetrexed-Carboplatin (32%), -Cisplatin (26%), -Nedaplatin (6%), -Taxan (12%) und Monotherapie (24%). 38% erhielten zusätzlich Bevacizumab. Acht Patienten bekamen eine Rechallenge-Erhaltung (median 4 Zyklen).
Das mediane PFS nach Erstlinie (PFS1) betrug 12,7 Monate, das mediane behandlungsfreie Intervall (TFS) 15,5 Monate. Nach median 30,8 Monaten Follow-up lag die Krankheitskontrollrate unter Rechallenge bei 82%. Das mediane Rechallenge-PFS betrug 9,35 Monate, das mediane OS 42,2 Monate. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich zwischen den Rechallenge-Regimen. Multivariat analysiert waren PFS1 (≥10 vs. <10 Monate) und Therapielinie des Rechallenges (2./3. vs. ≥4. Linie) signifikante Prognosefaktoren für PFS. Erhaltungstherapie und TFS (≥15 vs. <15 Monate) prädizierten das OS.
Die Studie belegt, dass der Pemetrexed-Rechallenge eine gut verträgliche und effektive Option für selektionierte Patienten darstellt. Besonders Patienten mit PFS1 ≥10 Monaten, TFS ≥15 Monaten und Rechallenge in frühen Therapielinien profitierten. Die Erhaltungstherapie korrelierte signifikant mit verbessertem OS.
Zusammenfassend bietet der Pemetrexed-Rechallenge eine palliative Option für initial responders mit fortgeschrittenem Lungenadenokarzinom. Bei Vorliegen günstiger prognostischer Faktoren kann diese Strategie Lebensqualität, Überleben und Symptomkontrolle verbessern.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001511