Rekanalisierung chronischer Totalverschlüsse mit einem neuen Gerät: Der Echtzeit-Intravaskuläre-Ultraschall-Doppellumen-Mikrokatheter (RLS-Katheter)

Rekanalisierung chronischer Totalverschlüsse mit einem neuen Gerät: Der Echtzeit-Intravaskuläre-Ultraschall-Doppellumen-Mikrokatheter (RLS-Katheter)

Chronische Totalverschlüsse (CTO) der Koronararterien stellen eine erhebliche Herausforderung in der interventionellen Kardiologie dar. Die Revaskularisierung von CTO-Läsionen kann Angina-Symptome lindern, die Herzfunktion verbessern und die klinische Prognose positiv beeinflussen. Allerdings ist die perkutane koronare Intervention (PCI) zur Revaskularisierung von CTO mit Schwierigkeiten verbunden, darunter eine hohe Komplikationsrate und eine verlängerte Röntgenexposition. Trotz Fortschritten in der Technologie, bei Geräten und Antikoagulationsstrategien, die die Erfolgsrate der PCI für CTO verbessert haben, bestehen Komplikationen wie Koronararterienperforation und Herzbeuteltamponade fort, was die Anwendung dieser neuen Werkzeuge einschränkt. Als Antwort auf diese Herausforderungen wurde ein neuartiges Gerät, der Echtzeit-Intravaskuläre-Ultraschall (IVUS)-Doppellumen-Mikrokatheter (RLS-Katheter), entwickelt, um die Sicherheit und Wirksamkeit der CTO-Revaskularisierung zu verbessern.

Der RLS-Katheter kombiniert die Funktionen eines IVUS-Katheters und eines Mikrokatheters in einem einzigen Gerät. Der IVUS-Katheter dient als Monorail-Lumen und liefert Echtzeit-Querschnittsbilder der Gefäßwand, während der Mikrokatheter als Over-the-Wire (OTW)-Lumen fungiert, das den Führungsdraht durch die Läsion vorschiebt. Das Gerät ist 1350 mm lang, mit einer seitlichen Öffnung 20 mm von der distalen Spitze des Mikrokatheters und einem Austrittsport 240 mm von der distalen Spitze des IVUS-Katheters entfernt. Der breiteste Teil des Geräts beträgt 3,6 Fr, und es verfügt über drei radiopake Markierungen für eine verbesserte Sichtbarkeit während der Eingriffe.

Der RLS-Katheter ist besonders nützlich in Szenarien, in denen das proximale Ende des CTO unklar ist oder wenn sich der Führungsdraht im falschen Lumen befindet und nicht leicht in das wahre Lumen zurückkehren kann. Das Gerät unterstützt den Führungsdraht in zwei kritischen Aspekten: Es erleichtert den Eintritt in die Okklusion und ermöglicht die Rückkehr in das wahre Lumen. Die IVUS-Komponente des RLS-Katheters liefert Echtzeit-Bildgebung, die hilft, den Eintrittspunkt zu identifizieren, zwischen wahrem und falschem Lumen zu unterscheiden und die relative Position des Führungsdrahtes und der Ziel-Läsion zu definieren. Diese Echtzeit-Führung verbessert die Genauigkeit des Eingriffs erheblich, reduziert die Zeit für den Führungsdrahtdurchgang und minimiert das Risiko von Komplikationen.

In einer Studie, die an der Abteilung für Kardiologie des 980 Hospitals der PLA Joint Logistics Support Forces durchgeführt wurde, unterzogen sich 12 Patienten mit CTO zwischen Februar 2018 und Mai 2019 einer PCI mit dem RLS-Katheter. Das mediane Alter der Patienten betrug 54,0 Jahre, mit einer medianen linksventrikulären Ejektionsfraktion von 62,0 %. Die Kohorte umfasste neun Männer, und die häufigsten Begleiterkrankungen waren Hypertonie (58,3 %), Diabetes (58,3 %) und Hyperlipidämie (41,7 %). Die am häufigsten betroffenen Gefäße waren die linke vordere absteigende Arterie (75 %) und die rechte Koronararterie (50 %), wobei 25 % der Patienten mehrgefäßige CTO-Läsionen aufwiesen. Die Morphologie der Läsionen variierte, einschließlich stark gewundener Gefäße (25 %), stumpfloser CTO (41,7 %) und In-Stent-Okklusionen (8,3 %).

Der RLS-Katheter wurde in Fällen eingesetzt, in denen konventionelle Techniken den Eintritt oder die Rückkehr des Führungsdrahtes in das wahre Lumen nicht erreichen konnten. Die technische Erfolgsrate und die prozedurale Erfolgsrate betrugen beide 91,7 % (11/12). In einem Fall wurde der RLS-Katheter beschädigt, als versucht wurde, in das wahre Lumen bei einem Patienten mit einer In-Stent-Okklusion zurückzukehren, was zu einem technischen Scheitern führte. In den verbleibenden 11 Patienten erleichterte der RLS-Katheter jedoch erfolgreich den Führungsdrahtdurchgang durch die CTO-Läsion mit einer medianen Eingriffszeit von 70,5 Minuten. Die mediane Zeit für den Führungsdrahtdurchgang durch die CTO-Läsion betrug 32,0 Minuten, und nachdem der RLS-Katheter vorgeschoben wurde, reduzierte sich die mediane Zeit für die Penetration des Führungsdrahtes durch die Ziel-Läsion auf 3,0 Minuten. Die mediane Zeit für den Führungsdrahtdurchgang durch die CTO-Läsion nach dem Vorschieben des RLS-Katheters betrug 9,5 Minuten.

Wichtig ist, dass alle Patienten nach dem Eingriff eine Linderung der Angina-Symptome erfuhren, und keine Komplikationen wie Koronararterienperforation, Perikardtamponade oder akuter Myokardinfarkt während oder nach dem Eingriff beobachtet wurden. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 18,0 Monate, während der nur ein Patient über ein Wiederauftreten von Angina pectoris 17 Monate nach dem Eingriff berichtete. Es wurden keine weiteren schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse aufgezeichnet.

Das einzigartige Design des RLS-Katheters adressiert mehrere Einschränkungen, die mit der konventionellen PCI für CTO verbunden sind. Durch die Integration von IVUS- und Mikrokatheter-Funktionen eliminiert das Gerät den Austausch separater IVUS- und Mikrokatheter-Geräte, vereinfacht den Eingriff und reduziert das Risiko von Komplikationen. Die Doppellumen-Struktur des RLS-Katheters bietet eine überlegene Unterstützung für den Führungsdraht und verbessert dessen Richtungsgenauigkeit während der Läsionspenetration. Darüber hinaus ermöglicht die Echtzeit-IVUS-Bildgebung des RLS-Katheters eine präzise Identifizierung des Eintrittspunktes und die Unterscheidung zwischen wahrem und falschem Lumen, was die Sicherheit und Wirksamkeit des Eingriffs weiter verbessert.

Das kompakte Design des RLS-Katheters mit einem Außendurchmesser von 3,6 Fr ermöglicht es, ihn durch routinemäßig verwendete 6 Fr oder 7 Fr Führungskatheter einzuführen, was ihn mit Standard-PCI-Ausrüstung kompatibel macht. Diese Kompatibilität, kombiniert mit der Fähigkeit des Geräts, die Eingriffszeit zu reduzieren und Komplikationen zu minimieren, positioniert den RLS-Katheter als ein wertvolles Werkzeug in der Behandlung komplexer CTO-Läsionen.

Zusammenfassend stellt der RLS-Katheter einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiet der CTO-Revaskularisierung dar. Sein einzigartiges Design und seine Echtzeit-IVUS-Bildgebung verbessern die Sicherheit, Genauigkeit und Effizienz der PCI für CTO und bieten eine vielversprechende Lösung für die Herausforderungen, die mit konventionellen Techniken verbunden sind. Während die Ergebnisse dieser Studie ermutigend sind, sind weitere Forschungen mit größeren, multizentrischen Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit des RLS-Katheters in einer breiteren Patientengruppe zu bestätigen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001182

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