Rekonstruktion der Entnahmestelle durch angrenzende halbe Metatarsale

Rekonstruktion der Entnahmestelle durch angrenzende halbe Metatarsale nach Transfer eines gesamten Metatarsale zur Metakarpalrekonstruktion bei schwerer Daumenhypoplasie

Die Behandlung der Daumenhypoplasie nach Manske Typ IIIB und IV bleibt kontrovers, wobei die elterliche Präferenz zur Erhaltung des hypoplastischen Daumens gegenüber einer Fünffingerhand zunimmt. Aktuelle Studien betonen den Einsatz freier Metatarsaltransfers (MT) zur Rekonstruktion schwerer Daumenhypoplasien. Techniken wie der nicht-vaskularisierte Transfer des 4. Metatarsale oder halbbreite MT zeigen variable Erfolge hinsichtlich Morbidität der Entnahmestelle und Metakarpalstabilität. Seit 2015 wurden über 200 Fälle mit nicht-vaskularisiertem vollständigem 4. Metatarsaltransfer (NF4MT) oder vaskularisiertem 2. Metatarsallappentransfer (VF2MFT) durchgeführt, die geringe Entnahmemorbidität und gute Ergebnisse aufwiesen. Die Entnahmestelle wurde mittels halbbreitem Transplantat des 3. Metatarsale rekonstruiert, was aufgrund der erhaltenen Periostdurchblutung eine rasche Regeneration ermöglichte. Obwohl die Daumenfunktion erfolgreich war, fehlen detaillierte Analysen zur Entnahmemorbidität. Diese Studie evaluiert die Entnahmestelle nach Defektkorrektur durch angrenzende halbbreite Metatarsale bei Patienten mit Manske IIIB- und IV-Daumenhypoplasie nach vollständigem MT zur Metakarpalrekonstruktion.

Die Studie erfolgte gemäß der Deklaration von Helsinki und wurde von der Ethikkommission des Peking Jishuitan-Krankenhauses genehmigt. Alle Eltern gaben eine informierte Einwilligung. Retrospektiv wurden 20 Füße von 20 pädiatrischen Patienten ausgewertet, die zwischen 2020 und 2021 einen NF4MT oder VF2MFT erhielten (Nachbeobachtung >12 Monate). Präoperativ waren alle Füße unauffällig, wobei nur ein Fuß operiert wurde.

Die chirurgischen Techniken wurden bereits publiziert. Die Länge des Knochendefekts wurde nach Präparation des hypoplastischen Daumens gemessen. Beim NF4MT erfolgte eine longitudinale Inzision zwischen dem 3. und 4. Metatarsale auf dem Fußrücken, gefolgt von einer Osteotomie zur Entnahme des vollständigen 4. Metatarsale. Beim VF2MFT wurde ein ovaler Lappen über dem 2. Metatarsale präpariert und die Gefäßstiele proximal freigelegt. Die Osteotomien erfolgten proximal der Metatarsalmitte. Entlang des 3. Metatarsale wurden Löcher gebohrt, gefolgt von einer extraperiostalen Osteotomie unter Schonung von Periost, Gefäßen und Gelenkkapsel. Das halbbreite Transplantat des 3. Metatarsale wurde um 180° gedreht, horizontal transponiert und mit Kirschner-Drähten fixiert. Das Metatarsophalangealgelenk wurde ebenfalls mittels Drähten und Naht stabilisiert. Postoperativ erfolgte die Entfernung der Drähte nach radiologischer Heilung, gefolgt von Belastung.

Die Entnahmestelle wurde mit dem kontralateralen Fuß verglichen. Drei Untersucher bewerteten objektiv das Erscheinungsbild der 2./4. und 3. Zehen (normal, annähernd normal, Verlängerung, Verkürzung, Deformität) sowie radiologische Auffälligkeiten (AP- und Schrägaufnahmen). Längen und Breiten der Metatarsale wurden gemessen. Die elterliche Zufriedenheit wurde mittels Fragebogen erfasst.

Es wurden 12 männliche und 8 weibliche Patienten (mittleres Alter: 31 Monate) mit einer Nachbeobachtungszeit von im Mittel 18 Monaten eingeschlossen (11 Manske IIIB, 9 Manske IV). 15 NF4MT- und 5 VF2MFT-Transplantate wurden entnommen. Bei 4 Patienten zeigten sich Zehendeformitäten (2× Verkürzung der 3. Zehe, 1× Verlängerung der 4. Zehe, 1× Deformität der 4. Zehe). Bei 2 Patienten kam es zu einer Überlagerung der 2. über die 1. oder 3. Zehe (NF4MT). Leichte radiologische Auffälligkeiten fanden sich bei 9 Patienten (5× Synostose zwischen 2./4. und 3. Metatarsale, 2× Verbreiterung, 1× Deformität, 1× Nichtunion). Die Metatarsalbreiten unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Seiten. Die Längen des 4. und 3. Metatarsale waren auf der Entnahmeseite bei Nachkontrolle signifikant länger (klinisch irrelevant), während die Länge des 2. Metatarsale postoperativ verlängert, aber bei Nachkontrolle unverändert war.

Die elterliche Zufriedenheit lag bei 4,35 (Erscheinung) und 4,55 (Funktion) von 5 Punkten.

Schlussfolgerung: Der Metatarsaltransfer ist eine zunehmend bevorzugte Option mit geringer Entnahmemorbidität. Die Evaluationsstrategie aus objektiven und subjektiven Parametern eignet sich für junge Patienten. Die meisten Ergebnisse waren zufriedenstellend, wenngleich geringfügige Zehen- oder Metatarsalveränderungen auftraten. Die Breiten der rekonstruierten Metatarsale regenerierten rasch, und Längenunterschiede waren klinisch irrelevant. Langzeitstudien mit größeren Kohorten sind notwendig.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002552

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