Risikofaktoren für die Progression von milden zu schweren Keloiden
Keloiden sind benigne fibröse Wucherungen, die durch eine übermäßige Gewebeneubildung während des Wundheilungsprozesses entstehen. Sie zeichnen sich durch ihr invasives Wachstum in angrenzende gesunde Hautareale und ihre Erhabenheit über das umliegende Hautniveau aus. Die klinische Manifestation variiert erheblich: Einige Keloiden bleiben klein und stabil, während andere aggressiv wachsen und sich ausbreiten. Schwere Keloiden beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen deutlich, häufig begleitet von rezidivierenden Infektionen, Schmerzen und Pruritus. Diese Studie zielte darauf ab, Risikofaktoren für die Progression von milden zu schweren Keloiden zu identifizieren und diese von Faktoren der primären Keloidentstehung abzugrenzen.
Methoden
Die retrospektive Fall-Kontroll-Studie wurde am West China Hospital der Sichuan Universität durchgeführt und umfasste 251 zwischen November 2018 und April 2021 diagnostizierte Keloid-Patienten. Die Patienten wurden anhand des Schweregrads in zwei Gruppen eingeteilt: milde Keloiden (n = 162) und schwere Keloiden (n = 89). Daten wurden aus elektronischen Patientenakten und Befragungen erhoben, darunter Basisdemografie, Lebensgewohnheiten, Einkommen, Komorbiditäten und Keloidcharakteristika. Mittels multivariabler Regressionsanalyse wurden unabhängige Risikofaktoren für die Progression identifiziert.
Ergebnisse
35,5 % der Patienten wiesen schwere Keloiden auf. Signifikante Unterschiede zeigten sich in Geschlecht, Alter, exzessivem Reiben der Keloiden, Familieneinkommen, Rheuma-Komorbidität, Erkrankungsdauer, Lokalisation und Infektionsstatus. Die multivariate Analyse identifizierte sechs unabhängige Risikofaktoren:
- Infektion (Odds Ratio [OR] 3,55; p = 0,005)
- Exzessives Reiben der Keloiden (OR 8,65; p = 0,001)
- Niedriges/mittleres Familieneinkommen (OR 13,44; p = 0,021)
- Rheuma-Komorbidität (OR 18,97; p = 0,021)
- Multiple Keloiden an verschiedenen Lokalisationen (OR 3,18; p = 0,033)
- Erkrankungsdauer >15 Jahre (OR 2,98; p = 0,046)
Männliches Geschlecht und höheres Alter korrelierten signifikant mit schweren Keloiden. Patienten mit schweren Keloiden waren im Mittel älter (37,38 vs. 32,72 Jahre) und wiesen häufiger exzessives Reiben (53,9 % vs. 32,1 %) sowie niedrigeres Einkommen auf (98,9 % vs. 86,4 % hohes Einkommen). Rheuma fand sich bei 6,7 % der schweren vs. 0,6 % der milden Fälle.
Schwere Keloiden waren mit längerer Erkrankungsdauer (15,72 vs. 10,46 Jahre), multiplen Läsionen (34,8 % vs. 23,5 %) und Lokalisationen mit hoher Hautspannung (86,5 % vs. 71,6 %) assoziiert. Symptome wie starke Schmerzen (33,7 % vs. 13,6 %), Pruritus (36,0 % vs. 19,8 %) und Infektionen (59,6 % vs. 33,3 %) traten häufiger auf.
Diskussion
Die Progression von Keloiden wird durch mechanische, sozioökonomische und pathologische Faktoren beeinflusst. Exzessives Reiben könnte über mechanische Stimulation das Wachstum fördern. Ein niedriges Einkommen limitiert den Zugang zu frühzeitigen Therapien, während Rheuma entzündliche Pathways aktivieren könnte. Die Lokalisation an spannungsreichen Arealen unterstreicht die Rolle biomechanischer Kräfte.
Schlussfolgerung
Identifizierte Risikofaktoren erfordern aggressive Interventionen, um die Progression zu verhindern. Kliniker sollten bei Patienten mit diesen Faktoren auf frühzeitige, multimodale Therapien (z. B. TAC-Injektionen, Radiotherapie) setzen, um schwere Verläufe zu vermeiden. Weitere Studien sollten die pathophysiologischen Zusammenhänge, insbesondere bei Rheuma, vertiefen.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000002093