Schutzwirkung von Astragalus auf die auditorische Funktion bei Ratten mit Östrogenmangel

Schutzwirkung von Astragalus (Huangqi) auf die auditorische Funktion bei Ratten mit Östrogenmangel

Östrogen spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der auditorischen Integrität bei weiblichen Individuen. Laborstudien zeigen, dass ovariektomierte Ratten im Vergleich zu Tieren mit intakten Ovarien eine Verschlechterung der Hörfunktion aufweisen. Dennoch existieren widersprüchliche Befunde, die den direkten Einfluss des Östrogenspiegels auf die auditorische Funktion unklar lassen. Obwohl Östrogentherapien zur Wiederherstellung der Hörfunktion bei ovariektomierten Ratten eingesetzt wurden, bleibt der Nutzen einer Östrogenersatztherapie umstritten. Zusätzlich kann der Effekt eines Östrogenmangels auf die Hörfunktion durch ototoxische Substanzen wie Cisplatin, ein in der Krebstherapie verwendetes Zytostatikum, verstärkt werden. Dies legt nahe, dass Frauen mit Östrogenmangel (z. B. durch Ovariektomie, Menopause oder Ovarialinsuffizienz) unter ototoxischer Therapie signifikante Veränderungen der Hörfunktion erfahren könnten. Vor dem Hintergrund der dokumentierten klinischen Wirkungen von Astragalus (Huangqi) in der traditionellen chinesischen Medizin – einschließlich der Reduktion chemotherapiebedingter Nebenwirkungen – untersucht diese Studie die protektive Wirkung von Astragalus auf die auditorische Funktion ovariektomierter Ratten unter Cisplatin-Behandlung. Zudem wird die Wirksamkeit von Astragalus mit einer Östrogenmonotherapie (Estradiol) verglichen.

In der Studie wurden 48 weibliche Sprague-Dawley-Ratten (Alter: 2 Monate; Gewicht: 180–200 g) randomisiert vier Gruppen zugeteilt: Scheinoperationsgruppe (Sham), Ovariektomiegruppe (OVX), OVX+H (Ovariektomie + Huangqi) und OVX+E (Ovariektomie + Estradiol) mit jeweils 12 Tieren. Die Sham-Gruppe diente als Kontrolle ohne Ovariektomie oder Cisplatin-Gabe. Die übrigen Gruppen wurden ovariektomiert und drei Wochen später mit Cisplatin behandelt. Die Gruppen OVX+H und OVX+E erhielten Huangqi bzw. Estradiol. Alle Versuche wurden durch eine universitäre Tierethikkommission in China genehmigt.

Die auditorische Funktion wurde mittels Distorsionsprodukt-otoakustischer Emissionen (DPOAE) und auditorisch evozierter Hirnstammpotentiale (ABR) gemessen. DPOAE erfasst cochleäre Antworten auf zwei Tonsignale, während ABR die elektrische Aktivität entlang der Hörbahn zum Hirnstamm misst. Für Ovariektomie und Hörtests wurden die Ratten mit 10 %igem Chloralhydrat-Ketamin (3 ml/kg KG) intraperitoneal sediert. Die Tiere wurden postoperativ täglich überwacht.

Die Ovariektomie umfasste die bilaterale Entfernung der Ovarien nach Laparotomie und Ligatur der Ovarialarterien. Die Sham-Gruppe durchlief identische Operationsschritte ohne Entfernung der Ovarien. Die Therapie mit Astragalus oder Estradiol begann postoperativ und dauerte drei Wochen. Die OVX+H-Gruppe erhielt täglich 5 ml/kg KG Huangqi-Extrakt (Chiatai Qingchunbao, China) intraperitoneal, die OVX+E-Gruppe 0,1 mg/kg KG Estradiolvalerat (Bayer, China) per Magensonde. Sham- und OVX-Gruppen erhielten Kochsalzlösung (5 mg/kg KG). Nach drei Wochen erhielten die OVX-Gruppen vier Tage lang täglich 5 mg/kg KG Cisplatin intraperitoneal. Die Hörtests erfolgten 24 Stunden nach der letzten Cisplatin-Gabe.

Abbildung 1a zeigt die mittleren Signal-Rausch-Verhältnisse (SNR) im DPOAE-Test. Die SNR der ovariektomierten Gruppen (OVX, OVX+H, OVX+E) lagen bei 2–8 kHz signifikant unter denen der Sham-Gruppe (p < 0,05). Die OVX+H-Gruppe zeigte bei 2 kHz und 8 kHz signifikant höhere SNR als die OVX-Gruppe, während die OVX+E-Gruppe bei 2, 4, 6 und 8 kHz bessere Werte aufwies (p < 0,05; mit * markiert).

Abbildung 1b stellt die mittleren Hörschwellen im ABR-Test dar. Die ovariektomierten Gruppen wiesen signifikant höhere Schwellen als die Sham-Gruppe auf (p < 0,05). Sowohl OVX+H als auch OVX+E zeigten signifikant niedrigere Schwellen als OVX bei allen Frequenzen (p < 0,05; *), außer bei 2 kHz, wo OVX+H und OVX vergleichbar waren.

Die Studie demonstriert, dass Astragalus die auditorische Funktion estrogenmangelbedingt geschädigter Ratten unter Cisplatin-Behandlung signifikant schützt. Die Wirkung von Huangqi – hauptsächlich durch Polysaccharide, Astragaloside und Flavonoide vermittelt – war in peripheren (cochleären) und zentralen auditorischen Strukturen nachweisbar und vergleichbar mit der Östrogentherapie. Aufgrund der milderen Nebenwirkungen könnte Astragalus eine Alternative zum Östrogenersatz bei Patientinnen mit Hörstörungen im Kontext von Östrogenmangel darstellen. In China wird Astragalus bereits begleitend zu platinbasierten Chemotherapien eingesetzt, jedoch selten als Monotherapie. Weitere Studien zur Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen sind erforderlich.

Die Studie wurde durch die Natural Science Foundation der Provinz Zhejiang, China (Nr. LY14H270006), gefördert. Interessenkonflikte liegen nicht vor. Dank gilt Prof. Ye Su und Dr. Summy Lau für ihre Unterstützung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000028

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