Schwangerschaftsresultate des ersten Auftauzyklus bei „Freeze-All“-Strategie

Schwangerschaftsresultate des ersten Auftauzyklus bei „Freeze-All“-Strategie bei Infertilitätspatientinnen mit Fieber während der Oozytenrekrutierung: Eine gepaarte Fall-Kontroll-Studie

Infertilität ist ein bedeutendes medizinisches und soziales Problem, das weltweit Millionen von Paaren betrifft. Die assistierte Reproduktionstechnologie (ART) hat sich als zentraler Ansatz zur Behandlung von Infertilität etabliert, wobei die In-vitro-Fertilisation (IVF) eine der effektivsten Methoden darstellt. Der IVF-Prozess ist jedoch komplex und umfasst mehrere Schritte, die sorgfältig kontrolliert werden müssen, um den Erfolg zu gewährleisten. Ein kritischer Schritt ist die Oozytenentnahme, die typischerweise unter transvaginaler Ultraschallkontrolle durchgeführt wird. Obwohl dieser Eingriff allgemein als sicher und minimal-invasiv gilt, können Komplikationen auftreten, insbesondere bei Patientinnen, die während der Oozytenrekrutierung Fieber entwickeln.

Der Einfluss von Fieber auf die Oozytenentnahme und nachfolgende Schwangerschaftsresultate wurde bisher kaum untersucht. Fieber könnte das Risiko von Beckeninfektionen erhöhen, die endometriale Rezeptivität beeinträchtigen oder die Embryonenqualität verschlechtern – alles Faktoren, die zu ungünstigen Schwangerschaftsverläufen führen könnten. Diese Studie zielte darauf ab, die Schwangerschaftsergebnisse von Infertilitätspatientinnen zu analysieren, die während der Oozytenentnahme Fieber entwickelten und eine „Freeze-All“-Strategie erhielten, bei der alle Embryonen kryokonserviert und später transferiert wurden.

Die Studie wurde als retrospektive 1:3-gepaarte Fall-Kontroll-Studie konzipiert, in der 58 Infertilitätspatientinnen mit Fieber während der Oozytenentnahme (Gruppe 1) mit 174 altersgematchten Kontrollen verglichen wurden, bei denen aus anderen Gründen eine Vollembryokryokonservierung durchgeführt wurde (Gruppe 2). Primäres Ziel war die Bewertung der Sicherheit und Effizienz der Oozytenentnahme bei fiebernden Patientinnen sowie der Einfluss von Fieber auf die Embryonenqualität und Schwangerschaftsresultate.

Alle Patientinnen unterzogen sich standardisierten kontrollierten ovariellen Stimulationsprotokollen (COS), einschließlich Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten oder -Antagonisten, humanem Menopausengonadotropin (hMG) und rekombinantem humanem Choriongonadotropin (rhCG) zur Oozytenreifung. Die Oozytenentnahme erfolgte 36 bis 38 Stunden nach rhCG-Gabe. Patientinnen in Gruppe 1 hatten Fieber (≥37,3°C) innerhalb von 72 Stunden vor der Entnahme, wobei die Mehrheit (91,4%) eine Infektion der oberen Atemwege aufwies. Alle Patientinnen erhielten postentnahme orale Antibiotika für drei Tage zur Infektionsprophylaxe.

Die Basischarakteristika der Gruppen waren vergleichbar, ohne signifikante Unterschiede in Alter, Body-Mass-Index (BMI), basalen FSH-, LH- oder Estradiolwerten (E2) sowie Infertilitätstyp (primär vs. sekundär). Allerdings waren die Anti-Müller-Hormon (AMH)-Spiegel in Gruppe 2 signifikant höher (4,2 ng/ml vs. 2,2 ng/ml; P <0,001), und die Infertilitätsdauer war länger (3 vs. 2 Jahre; P =0,035).

Bei den Stimulationsergebnissen zeigten sich keine Unterschiede in den Protokollen, der Gesamtgonadotropindosis oder der ICSI-Rate. Die Anzahl entnommener Oozyten war jedoch in Gruppe 1 geringer (10,9±4,6 vs. 17,4±5,9; P <0,001), ebenso die Fertilisationsrate (81,0% vs. 90,6%; P <0,001). Interessanterweise war die Zweikernstadium(2PN)-Rate in Gruppe 1 höher (66,7% vs. 57,4%; P <0,001), während die Anzahl verfügbarer Embryonen (Tag 3 und 5) zwischen den Gruppen ähnlich war.

Die Schwangerschaftsresultate des ersten Kryoembryotransfers (FET) wiesen keine signifikanten Unterschiede in Endometriumdicke, Anzahl transferierter Embryonen oder Lutealphasenunterstützung auf. Vergleichbar waren auch die Implantationsrate (36,4% vs. 40,2%), klinische Schwangerschaftsrate (48,3% vs. 52,0%), frühe Abortrate (17,9% vs. 13,3%), Eileiterschwangerschaftsrate (3,6% vs. 1,1%) und fortbestehende Schwangerschaftsrate (37,9% vs. 44,5%).

Eine binäre logistische Regressionsanalyse bestätigte, dass die klinische und fortbestehende Schwangerschaftsrate nach Adjustierung für Alter, BMI, AMH, Embryonenzahl und Endometriumdicke unverändert blieben. Auch bei Stratifizierung nach Fieberschwere (<38°C vs. ≥38°C) ergaben sich keine Unterschiede.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die transvaginale Oozytenentnahme für fiebernde Patientinnen sicher und minimal-invasiv ist. Die „Freeze-All“-Strategie ermöglicht einen Embryotransfer in einem optimalen endometrialen Milieu, wodurch Komplikationsrisiken minimiert und die Erfolgschancen verbessert werden. AMH erwies sich als sensitiver Marker der ovariellen Reserve, während Fieber die Embryonenqualität nicht beeinträchtigte.

Zusammenfassend unterstützt diese Studie die „Freeze-All“-Strategie bei fiebernden Patientinnen als sichere und effektive Option. Weitere randomisierte Studien mit größeren Kohorten sind notwendig, um die zugrundeliegenden Mechanismen des Fiebereinflusses zu klären.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001238

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