Semiquantitative Beurteilung der Jodextravasation nach mechanischer Thrombektomie beim akuten ischämischen Schlaganfall

Semiquantitative Beurteilung der Jodextravasation nach mechanischer Thrombektomie beim akuten ischämischen Schlaganfall

Die Jodextravasation ist eine häufige Beobachtung bei Schlaganfallpatienten nach erfolgreicher mechanischer Thrombektomie. Dieses Phänomen wird zunehmend mit der Prognose der Patienten, insbesondere im Zusammenhang mit der Entwicklung einer schweren hämorrhagischen Transformation (HT), in Verbindung gebracht. Die frühzeitige Identifizierung von Blutungen nach intraarterieller Therapie sowie bildgebende Prädiktoren für späte Blutungen sind von entscheidender Bedeutung. Bisherige Studien nutzten unterschiedliche quantitative und nicht-quantitative Methoden zur Bewertung der Jodextravasation, wobei die Ergebnisse inkonsistent blieben. Ziel dieser Studie war die Entwicklung zweier praktischer semiquantitativer Methoden zur Beurteilung der Jodextravasation und ihrer Assoziation mit der HT.

Die Studie wurde nach Genehmigung durch die Ethikkommission des People’s Hospital of Deyang City durchgeführt, alle Teilnehmer gaben eine informierte Einwilligung. Eingeschlossen wurden 93 Patienten mit Verschluss der vorderen Strombahn, die sich einer mechanischen Thrombektomie unterzogen. Die Einschlusskriterien umfassten einen Schlaganfallbeginn innerhalb von sechs Stunden, ein Alter ≥18 Jahre, einen NIHSS-Score ≥6, einen ASPECTS ≥6 sowie das Fehlen von Blutungen in der initialen CT. Alle Patienten erhielten unmittelbar postinterventionell eine Dual-Energy-CT (DECT) und eine konventionelle CT- oder MRT-Kontrolle innerhalb von zwei Tagen. Weitere Verlaufskontrollen erfolgten klinikabhängig.

Die Patienten wurden anhand des HT-Nachweises in DECT und Verlaufsuntersuchungen in zwei Gruppen eingeteilt. Ausschlusskriterien waren eine Schlaganfallanamnese, technisches Thrombektomieversagen, unzureichende Bildqualität oder zusätzliche postinterventionelle Hämatome der hinteren Strombahn.

Erhobene klinische Daten umfassten Alter, Geschlecht, NIHSS-Score, Hypertonie, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, Raucherstatus, Zeitintervalle bis zur Rekanalisation sowie den 90-Tage-mRS. Ein gutes klinisches Outcome wurde als mRS ≤2 definiert.

Die DECT erfolgte mittels Dual-Source-CT der dritten Generation (Protokoll: 80/150 kV, 310/207 mAs, Kollimation 64 × 0,6 mm, Pitch 0,7). Rekonstruiert wurden virtuelle native Bilder (VNC), Jod-Overlay-Karten (IOM) und eine 120-kV-äquivalente Serie. Zur semiquantitativen Auswertung der Jodextravasation dienten zwei Methoden: (1) der modifizierte ASPECTS (mASPECTS), der hyperdense Areale anstelle von Hypodensitäten erfasst (Score 10 = keine Hyperdensitäten, 0 = diffuse Beteiligung aller ASPECTS-Regionen); (2) eine binäre Einteilung (0 = keine, 1 = dichte Jodextravasation), definiert als Beteiligung ≥2 ASPECTS-Regionen ohne erkennbares normales Gewebe.

Die Interobserver-Übereinstimmung wurde mittels gewichteter Kappa-Statistik bewertet (exzellent: κ = 0,81–1,00; gut: κ = 0,61–0,80). Diskrepanzen wurden durch einen Senior-Radiologen konsentiert. Die HT-Klassifikation erfolgte nach ECASS-Kriterien. Statistische Analysen (SPSS 22, MedCalc 19.0.7) umfassten t-Test, Mann-Whitney-U-Test, Chi-Quadrat-/Fisher-Test, univariate/multivariate logistische Regression und ROC-Analysen.

Von 72 auswertbaren Patienten entwickelten 29 eine HT. Signifikante Unterschiede zwischen HT- und Nicht-HT-Gruppe zeigten sich für mRS, mASPECTS und dichte Jodextravasation (κ = 0,61–0,80). In der univariaten Analyse waren mASPECTS und dichte Jodextravasation signifikant mit HT assoziiert (p < 0,1). Multivariat bestätigte sich die dichte Jodextravasation als unabhängiger Prädiktor. Die ROC-Analyse ergab AUC-Werte von 0,833 (mASPECTS), 0,839 (dichte Jodextravasation) und 0,850 für die Kombination. Bei einem mASPECTS-Cut-off von 6 betrug die Sensitivität 75,86 % bei 81,40 % Spezifität. Die dichte Jodextravasation erreichte 72,41 % Sensitivität und 88,37 % Spezifität. Die Kombination beider Parameter steigerte die Sensitivität auf 79,31 % bei 83,72 % Spezifität.

Zusammenfassend bieten semiquantitative Methoden zur Beurteilung der Jodextravasation nach Thrombektomie eine praktikable Möglichkeit, HT-Risiken frühzeitig abzuschätzen. Patienten mit mASPECTS ≤6 und/oder dichter Jodextravasation haben ein erhöhtes HT-Risiko und schlechtere Outcomes. Die Methoden sind auch für konventionelle CT-Untersuchungen anwendbar.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001236

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *