Sicherheit und Wirksamkeit des Expressman Extension Systems bei komplexen Koronarläsionen während der perkutanen Koronarintervention
Komplexe Koronarläsionen, insbesondere chronische Totalverschlüsse (CTO), stellen erhebliche Herausforderungen bei der perkutanen Koronarintervention (PCI) dar. Die Hauptursache für gescheiterte CTO-Rekanalisationen ist die Unfähigkeit, Geräte aufgrund unzureichender Führungskatheterunterstützung oder fehlgeschlagener Führungsdrahtmanipulation (z. B. fehlende Externalisierung des retrograden Drahtes oder Reentry in das wahre Lumen) zu platzieren. Zur Lösung dieser Probleme wurden verschiedene Techniken und Geräte entwickelt, darunter Guide-Catheter-Extensionssysteme (GCES). Das Expressman Extension System (EES; APT Medical Inc., Hunan, China) hat sich hierbei als vielversprechende Lösung etabliert. Dieser Artikel bewertet umfassend die Sicherheit und Effektivität des EES bei der Durchführung von PCI bei komplexen Koronarläsionen.
Das EES wurde entwickelt, um eine starke Backup-Unterstützung und effiziente tiefe Intubation zu ermöglichen. Es verfügt über einen 35 cm langen Austauschschlauch, der ausreichend lang ist, um bei femoralem Zugang den Aortenbogen oder bei radialem Zugang die A. subclavia zu überwinden und die Koronararterie zu erreichen. Dies minimiert das Risiko von Katheterknicken und -brüchen an der distalen Öffnung sowie den Widerstand beim Gerätevorschub. Ein Seitenloch an der Spitze gewährleistet einen antegraden Blutfluss und verhindert Blutdruckanstiege nach tiefer Insertion. Zwei radiopake Marker im proximalen Bereich ermöglichen eine präzise Positionierung in den Koronararterien. Die weiche Spitze mit Indikatorring reduziert Gefäßtraumata und erleichtert die Platzierung. Eine hydrophile Beschichtung gewährleistet einen glatten Vorschub. Der distale 10 cm-Bereich des EES weist einen stufenweisen Durchmesser (z. B. 6 F zu 5 F) auf, was eine tiefere Insertion und geringeres Dissektionsrisiko ermöglicht. Das System ist in verschiedenen Größen (3,2 F bis 7,5 F) erhältlich.
In dieser retrospektiven Studie (März 2020 bis Juli 2020) wurden 25 Patienten mit komplexen Koronarläsionen untersucht, bei denen eine EES-gestützte PCI durchgeführt wurde. Das Durchschnittsalter betrug 67,52 ± 10,74 Jahre, 64,0 % waren männlich. Die mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion lag bei 59,36 ± 5,72 %. Begleiterkrankungen umfassten Hypertonie (84,0 %), Hypercholesterinämie (40,0 %) und Diabetes mellitus (48,0 %). Zielgefäße waren überwiegend die rechte Koronararterie (60,0 %), gefolgt von der linken absteigenden Arterie (32,0 %). Alle Läsionen wurden als Typ C klassifiziert, 92,0 % waren CTOs. Der mediane J-CTO-Score betrug 3, der mittlere SYNTAX-Score 30,45 ± 10,10. Bei 80,0 % der Eingriffe wurde ein bilateraler Zugang gewählt. Mutterkatheter der Größe 7,0 F kamen in 92,0 % der Fälle zum Einsatz, die EES-Größe 5,0 F in 96,0 %.
Das EES zeigte ein hohes Sicherheitsprofil: Keine gerätebedingten Komplikationen oder stationäre MACE traten auf. Der antegrade Blutfluss blieb unbeeinträchtigt, selbst bei distaler Insertion. Ein Patient erlitt eine Hypotonie aufgrund eines femoralen Hämatoms.
Hinsichtlich der Effektivität ermöglichte das EES erfolgreiche retrograde Draht-Externalisierungen in 100 % der Fälle (n = 4). In 85 % der Fälle (n = 20) unterstützte es das Überqueren der Läsion mit Drähten, Ballons oder Stents. Bei einem Patienten (4,0 %) wurde die antegrade Dissektions-Reentry-Technik angewendet. Die technische Gesamterfolgsrate betrug 88,0 % (n = 22). Misserfolge traten bei schwerer Verkalkung trotz Rotationsatherektomie sowie bei unüberwindbaren Kollateralen auf.
Die stufenweise Durchmesserreduktion des EES ermöglichte tiefere Insertionen und verbesserte die PCI-Erfolgsrate. In 80 % der Fälle erleichterte die tiefe Insertion die Geräteplatzierung. Das System verkürzte effektiv den Abstand zwischen dem antegraden Katheter und dem Reentry-Punkt, was insbesondere im retrograden Ansatz vorteilhaft war. Die 5,0-F-Variante erwies sich aufgrund ihrer Kompatibilität mit 6-F-Kathetern und minimalen Gewebetraumata als praktikabel. Das Seitenlochdesign verhinderte Blutflussstörungen während tiefer Intubation. Kontraindikationen für tiefe Insertionen umfassen ostiale Läsionen, verkalkte Plaques oder instabile Gefäßsegmente.
Zusammenfassend ist das EES ein sicheres und effektives Hilfsmittel bei komplexen PCI-Eingriffen. Es bietet robuste Unterstützung für Geräteplatzierung und Drahtmanipulation, erhöht die Erfolgsraten durch tiefe Intubation und minimiert Komplikationsrisiken. Die fehlenden geräteassoziierten Nebenwirkungen unterstreichen seinen klinischen Nutzen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002521