Spermakryokonservierung im menschlichen Spermabanknetzwerk

Spermakryokonservierung im menschlichen Spermabanknetzwerk: 11-Jahres-Ergebnisse aus dem chinesischen Festland

Die Kryokonservierung von Spermien, also das Einfrieren und Lagern von Sperma zur späteren Verwendung, stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Reproduktionsmedizin dar. Das Konzept wurde erstmals 1866 von Montegazza vorgeschlagen und hat sich zu einer essenziellen Dienstleistung menschlicher Samenbanken weltweit entwickelt. In China wurde die erste menschliche Spermabank 1981 am CITIC Xiangya Hospital etabliert. Innerhalb von vier Jahrzehnten stieg die Anzahl der Spermabanken auf dem chinesischen Festland auf 27, die Kryokonservierungsdienste für Männer anbieten, die ihre Fertilität langfristig erhalten möchten.

Die Notwendigkeit der Fertilitätserhaltung

Die Fertilitätserhaltung (FP) ist besonders für Personen relevant, deren reproduktive Fähigkeiten durch medizinische Behandlungen oder Erkrankungen beeinträchtigt werden könnten. Die Hauptzielgruppe für FP-Dienste sind Krebspatienten. Chemotherapien, insbesondere mit alkylierenden Substanzen, sowie Beckenbestrahlungen reduzieren die Samenqualität erheblich. FP ist jedoch nicht nur bei onkologischen Erkrankungen indiziert. Nicht-onkologische systemische Erkrankungen wie hämatologische Störungen, Autoimmunerkrankungen, Klinefelter-Syndrom und Hodenverletzungen erfordern ebenfalls FP. Zunehmend werden auch nicht-medizinische Indikationen dokumentiert, darunter soziales Einfrieren von Sperma, Geschlechtsdysphorie vor geschlechtsangleichenden Verfahren und posthume Reproduktion.

Trotz der wachsenden Bedeutung von FP konzentriert sich die Forschung überwiegend onkologische Patienten, während andere Indikationen untererforscht bleiben. Diese Studie bietet einen umfassenden Überblick über den Stand männlicher FP-Dienste auf dem chinesischen Festland anhand von Daten aus dem Zeitraum 2010–2020.

Studiendesign und Methodik

Die retrospektive Analyse basiert auf Daten von 23 der 27 Spermabanken, erhoben während eines nationalen Treffens in Chengdu (Sichuan) im März 2021. Die Provinzen wurden geografisch in Ost-, Zentral- und Westregionen unterteilt: Die Ostregion umfasst Beijing, Shanghai, Jiangsu, Zhejiang, Guangdong und Hainan; die Zentralregion Shanxi, Jilin, Anhui, Jiangxi, Henan, Hubei und Hunan; die Westregion Innere Mongolei, Guangxi, Chongqing, Sichuan, Yunnan, Shaanxi, Gansu und Xinjiang.

Ergebnisse und Analyse

Zwischen 2010 und 2020 nutzten 5.055 Männer Spermakryokonservierung zur FP. Die FP-Zahlen zeigten einen allgemein steigenden Trend, mit einem Rückgang 2020, wahrscheinlich bedingt durch die COVID-19-Pandemie. Die jährliche Steigerungsrate der FP-Fälle pro 10.000 männlichen Einwohnern lag bei 45,8 (95 %-KI: 15,3–75,0).

FP-Indikationen wurden in drei Kategorien eingeteilt: Krebs, Fertilitätssicherung (z. B. verzweiter Kinderwunsch) und nicht-onkologische Erkrankungen. Für alle Kategorien ergaben sich signifikante jährliche Anstiege: 46,7 % (95 %-KI: 4,3–103,1 %) für Krebs, 53,7 % (95 %-KI: 8,9–11,6 %) für Fertilitätssicherung und 40,4 % (95 %-KI: 7,2–73,6 %) für nicht-onkologische Erkrankungen.

Regionale Verteilung der FP

2020 dominierten Ostregionen mit 465 FP-Fällen, gefolgt von West- (257) und Zentralregionen (228). Die durchschnittliche FP-Rate pro 10.000 männlichen Einwohnern betrug 2,05, regional differenziert: Ost (2,52), West (1,92) und Zentral (1,72).

Indikationsprofile

Krebs war die häufigste Indikation (66,1 %; 3.341 Patienten), insbesondere Hodenkrebs (28,9 %), Lymphome (18,9 %) und Leukämie (10,0 %). Fertilitätssicherung (23,0 %; 1.163 Patienten) wurde primär durch verzögerten Kinderwunsch (88,7 %) motiviert. Nicht-onkologische Indikationen (10,9 %; 551 Patienten) umfassten Autoimmunerkrankungen (18 %), chronische Erkrankungen (z. B. Nephritis, Diabetes) und schwere Thalassämie.

Entwicklung und Herausforderungen

FP-Dienste in China starteten später als in Industrieländern und wurden durch mangelnde Information und Awareness behindert. Seit 2013 nahm die FP-Nutzung jedoch deutlich zu. Regionale Disparitäten bestehen weiterhin: Während die Guangzhou-Spermabank 1.386 FP-Fälle verzeichnete, dokumentierte die Innere Mongolei lediglich 6.

Fazit

Die Studie zeigt eine signifikante Verbesserung der FP-Verfügbarkeit im chinesischen Festland, jedoch mit deutlichen regionalen Ungleichheiten. Ostregionen führen in der FP-Nutzung, während Zentral- und Westregionen Aufholbedarf haben. Umfassende Aufklärung und medizinische Fortbildungen sind erforderlich, um FP-Dienste flächendeckend zu stärken.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002384

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