Staphylococcus aureus-Blutstrominfektion in einem chinesischen Krankenhaus

Staphylococcus aureus-Blutstrominfektion in einem chinesischen Krankenhaus der Maximalversorgung: Eine monozentrische retrospektive Studie

Einleitung
Blutstrominfektionen (BSI) bleiben eine kritische globale Gesundheitsherausforderung mit erheblichen Morbiditäts- und Mortalitätsraten trotz medizinischer Fortschritte. Unter den Erregern von BSI rangiert Staphylococcus aureus (S. aureus) als dritthäufigste Ursache, die mit Kurzzeitmortalitätsraten von 15–30 % und erheblichen langfristigen Gesundheitsbelastungen einhergeht. Während gramnegative Bakteriämien umfassend untersucht wurden, bestehen Wissenslücken bezüglich S. aureus-Blutstrominfektionen (SA-BSI) in China. Diese Lücke ist vor dem Hintergrund klinischer Herausforderungen wie alternder Populationen, zunehmender Antibiotikaresistenzen und neuer Therapieansätze relevant. Diese retrospektive Kohortenstudie zielt darauf ab, klinische Merkmale, prognostische Faktoren und Outcomes von SA-BSI in einem chinesischen Krankenhaus der Maximalversorgung zu analysieren, um optimierte Behandlungsstrategien für diese Hochrisikopopulation abzuleiten.

Methoden
Die Studie wurde am Second Affiliated Hospital der Zhejiang University School of Medicine durchgeführt und umfasste 349 Patienten mit SA-BSI über sechs Jahre (2013–2018). Aus 1.174 positiven Blutkulturen für S. aureus wurden pädiatrische Patienten (<18 Jahre; n=4), nicht-pathogene Isolate (n=54), unvollständige Daten (n=45) und Verlust zum Follow-up (n=9) ausgeschlossen. Die finale Kohorte wurde anhand der 28-Tage-Mortalität in Überlebende (n=288) und Verstorbene (n=61) stratifiziert.

Erhobene Daten umfassten Demografie, Komorbiditäten, mikrobiologische Profile, Antibiotikaempfindlichkeit, klinische Scores (Sequential Organ Failure Assessment [SOFA], Acute Physiology and Chronic Health Evaluation [APACHE II]) sowie Therapieparameter. SOFA- und APACHE-II-Scores wurden innerhalb von 24 Stunden nach BSI-Beginn berechnet. Kontinuierliche Variablen wurden mittels Youden-Index dichotomisiert. Unabhängige Mortalitätsprädiktoren wurden durch logistische Regression identifiziert. Statistiken erfolgten mit SPSS Version 26.0 (Signifikanzniveau: p<0,05).

Ergebnisse

Demografie und klinische Merkmale
Das mediane Alter der Kohorte betrug 59,0 Jahre (Interquartilbereich [IQR]: 45,5–68,0), mit männlicher Dominanz (69,6 %, n=243). Die Altersverteilung zeigte einen Gipfel in der 60–69-Jahresgruppe (Abbildung 1B). Verstorbene waren signifikant älter (Median 65,0 vs. 58,0 Jahre, p=0,005). COPD und schweres Asthma waren bei Verstorbenen häufiger (6,6 % vs. 1,0 %, p=0,005).

Schweregrad-Scores differenzierten die Gruppen: Verstorbene wiesen höhere APACHE-II- (24 vs. 11) und SOFA-Scores (12 vs. 3) auf (p<0,001). Intensivaufnahmen (85,2 % vs. 27,4 %), zentrale Venenkatheter (73,8 % vs. 42,4 %) und Beatmung (82,0 % vs. 34,4 %) waren bei Verstorbenen signifikant häufiger (alle p<0,001).

Mikrobiologische und laborchemische Befunde
Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) machten 61,6 % (215/349) der Isolate aus, mit rückläufiger Prävalenz von 70,8 % (46/65) im Jahr 2014 auf 43,6 % (24/55) im Jahr 2018 (Abbildung 1C). MRSA war bei Verstorbenen häufiger (82,0 % vs. 57,3 %, p<0,001). Höhere Resistenzen gegen Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin) fanden sich bei Verstorbenen (p<0,05). Polymikrobielle BSI traten bei Verstorbenen häufiger auf (26,2 % vs. 13,2 %, p=0,011), waren aber kein unabhängiger Mortalitätsprädiktor.

Laborparameter zeigten bei Verstorbenen niedrigere Hämatokrit- (26,8 % vs. 29,1 %, p=0,009), Thrombozyten- (85 vs. 187×10⁹/l, p<0,001) und Albuminwerte (27,73 vs. 29,95 g/l, p=0,005) sowie erhöhtes Procalcitonin (PCT) und Neutrophilenzahl (ANC) (p<0,001).

Infektionsquellen und Therapie
Primäre Infektionsquellen waren Pneumonien (26,6 %, n=93) und Haut-/Weichteilinfektionen (24,4 %, n=85). Verstorbene wiesen häufiger Pneumonien (37,7 % vs. 24,3 %, p=0,032) und intraabdominale Infektionen (27,9 % vs. 8,7 %, p<0,001) auf.

Infektionskontrollmaßnahmen (z. B. Drainage) unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Empirische Antibiotikaregime umfassten Glykopeptide (54,2 %, n=189), Piperacillin/Tazobactam (7,2 %, n=25), Linezolid (16,6 %, n=58), Tigecyclin (7,4 %, n=26) und Fluorchinolone (12,3 %, n=43). Eine adäquate Therapie innerhalb von 24 Stunden nach Antibiogramm erfolgte vergleichbar häufig (93,4 % vs. 91,3 %, p=0,585).

Prognostische Faktoren
Multivariate Analysen identifizierten fünf unabhängige Prädiktoren der 28-Tage-Mortalität (Abbildung 1D):

  1. Alter >67 Jahre: Adjustierte Odds Ratio (aOR) 4,46 (95 %-KI: 1,18–16,88).
  2. APACHE II >17: aOR 42,47 (95 %-KI: 8,11–222,48).
  3. SOFA >7: aOR 8,01 (95 %-KI: 2,06–31,12).
  4. Septischer Schock: aOR 9,86 (95 %-KI: 1,18–82,37).
  5. Albumin <30 g/l: aOR 5,14 (95 %-KI: 1,34–19,71).

MRSA, polymikrobielle Infektionen und Geschlecht waren keine unabhängigen Risikofaktoren.

Diskussion
Diese Studie unterstreicht die Epidemiologie von SA-BSI in einem chinesischen Zentrum der Maximalversorgung. Die abnehmende MRSA-Prävalenz spiegelt nationale Surveillance-Daten wider, möglicherweise bedingt durch verbesserte Infektionskontrolle und Antibiotic-Stewardship. Dennoch bleibt MRSA mit höherer Mortalität assoziiert, was die Notwendigkeit rascher Diagnostik und gezielter Therapien unterstreicht.

Das prognostische Modell betont das Zusammenspiel von Host-Faktoren (Alter, Hypoalbuminämie) und Krankheitsschwere (APACHE II, SOFA, septischer Schock). Die prognostische Validität von APACHE II und SOFA entspricht früheren Studien und unterstützt deren Nutzen zur Risikostratifizierung. Hypoalbuminämie als Marker für Malnutrition und Inflammation könnte gezielte Ernährungstherapien begründen.

Im Gegensatz zu anderen Studien war polymikrobielle SA-BSI kein unabhängiger Mortalitätsfaktor, möglicherweise aufgrund zeitgerechter Breitspektrumtherapien. Trotz MRSA-Korrelation in univariaten Analysen überwogen in der Multivarianzanalyse Host-Faktoren, was die Bedeutung physiologischer Reserve und Fokuskontrolle unterstreicht.

Die Dominanz von Pneumonien und Hautinfektionen als Infektionsquellen entspricht globalen Trends. Die höhere Inzidenz intraabdominaler Infektionen bei Verstorbenen unterstreicht die Notwendigkeit früher Diagnostik und Intervention.

Fazit
In dieser Kohorte betraf SA-BSI vorwiegend ältere Männer mit Pneumonien oder Hautinfektionen als Hauptinfektionsquellen. Unabhängige Mortalitätsprädiktoren waren Alter >67 Jahre, APACHE II >17, SOFA >7, septischer Schock und Albumin <30 g/l. Trotz rückläufiger MRSA-Prävalenz blieb MRSA in Verstorbenen häufiger. Kliniker sollten Risikopatienten früh identifizieren, die Fokuskontrolle optimieren und modifizierbare Faktoren wie Ernährung adressieren. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung umfassender Risikobewertung und individualisierter Therapieansätze zur Verbesserung der SA-BSI-Outcomes.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002699

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *