Systematische Analyse der Proteinexpression in *Candida albicans* unter Farnesol-Exposition

Systematische Analyse der Proteinexpression in Candida albicans unter Farnesol-Exposition

Candida albicans (C. albicans) ist ein polymorpher Pilz, der sowohl als kommensaler Organismus als auch als opportunistischer Pathogen existieren kann. Er verursacht Infektionen, die von oberflächlichen bis hin zu lebensbedrohlichen systemischen Erkrankungen reichen. Eine der häufigsten oberflächlichen Infektionen ist die vulvovaginale Kandidose (VVC), die durch eine hohe Rezidivrate und langfristige Beschwerden gekennzeichnet ist. Der phänotypische Wechsel von C. albicans, insbesondere der Übergang von der Hefe- zur Hyphenform, spielt eine entscheidende Rolle in der Pathogenese der VVC. Diese filamentöse Wachstumsform ist mit veränderten metabolischen Aktivitäten sowie erhöhter Adhäsion, Invasion und Sekretion hydrolytischer Enzyme verbunden.

Farnesol, ein Quorum-Sensing-Molekül (QSM), das von C. albicans selbst produziert wird, hemmt in vitro den Hefe-Hyphen-Übergang. Farnesol ist ein Zwischenprodukt des Ergosterol-Biosynthesewegs und reguliert die Zelldichte, unterdrückt Hyphenwachstum, blockiert Biofilmbildung und induziert Apoptose. Trotz seines Potenzials als antifungaler Wirkstoff sind die zugrundeliegenden Mechanismen nicht vollständig geklärt. Diese Studie untersuchte systematisch Veränderungen der Proteinexpression in C. albicans unter Farnesol-Exposition, um die metabolischen Prozesse im Zusammenhang mit VVC zu entschlüsseln.

Mittels isobarer Markierungstechnik (iTRAQ) wurde die Proteinexpression im C. albicans-Stamm SC5314 (ATCC MYA-2876) mit und ohne Farnesol-Exposition analysiert. Proteine mit einer Änderungsrate >1,5 (p < 0,05) wurden als differentiell exprimierte Proteine (DEPs) klassifiziert. Von 2047 detektierten Proteinen zeigten 297 signifikante Veränderungen: 238 waren hochreguliert, 59 herunterreguliert.

Die bioinformatische Auswertung umfasste Gen-Ontologie (GO)-Annotation, KEGG-Pfadanalyse und metabolische Pathway-Anreicherung. Die GO-Analyse kategorisierte DEPs in zelluläre Komponenten, molekulare Funktionen und biologische Prozesse. Die KEGG-Analyse ergab, dass 87 der 297 DEPs metabolische Enzymaktivitäten aufwiesen und in 85 Stoffwechselwege eingebunden waren, vorwiegend in zentrale Kohlenstoffmetabolismusprozesse.

Im Glykolyseweg zeigten Proteine mit glykolytischer Aktivität wie Triosephosphat-Isomerase, Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase und Phosphotransferase eine Herunterregulation unter Farnesol. Dagegen war die Acetyltransferase-Komponente des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes hochreguliert. Im Pyruvatstoffwechsel identifizierten sich fünf modifizierte Enzyme: Homocitrat-Synthase und Acetyltransferase (hochreguliert) sowie Acetyl-CoA-Acetyltransferase IB, Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase und Malat-Synthase (herunterreguliert).

Im Tricarbonsäurezyklus (TCA-Zyklus) waren die Acetyltransferase-Komponente des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes, Succinyl-CoA-Ligase und Succinat-Dehydrogenase-Assemblierungsfaktor 2 hochreguliert, während Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase herunterreguliert war. Vier Enzyme der oxidativen Phosphorylierungskette zeigten unter 100 mmol Farnesol eine Hochregulation.

Im Ergosterol-Biosyntheseweg wurden ERG25 (Methylsterol-Monooxygenase) und ERG4 (Δ24(24¹)-Sterol-Reduktase) herunterreguliert. Da keines der Enzyme essenziell für den Pathway ist, deutet dies auf einen nicht-deterministischen Einfluss von Farnesol auf die Ergosterolsynthese hin.

Zusätzlich wurden sechs Proteasen der oxidativen Phosphorylierung sowie Phospholipasen und Mannosyltransferasen (assoziert mit Zytotoxizität und Adhäsion) unter Farnesol herunterreguliert.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Farnesol-induzierte phänotypische Modifikationen durch metabolische Rekalibrierung und epigenetische Anpassungen vermittelt werden. Die systematische Proteomanalyse unter Farnesol-Exposition bietet neue Einblicke in die molekularen Mechanismen der Morphogenese und Virulenzregulation bei C. albicans. Die Studie unterstreicht das therapeutische Potenzial von Farnesol als antifungaler Wirkstoff und betont den Bedarf weiterer Forschung zur klinischen Translation.

Experimentell wurde C. albicans SC5314 in RPMI-1640-Medium kultiviert und mit 100 mmol Farnesol (6 h) behandelt. Die Proteinlyse erfolgte mittels SDS-haltigem Puffer, die Quantifizierung via Bicinchoninsäure(BCA)-Assay. Die iTRAQ-Markierung und Trypsinverdauung erfolgten protokollgemäß; die Peptidanalyse mittels Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS). Die statistische Auswertung der DEPs erfolgte mit SPSS, GO- und KEGG-Analysen mit Blast2GO-basierten Tools.

Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass Farnesol zentrale Stoffwechselwege (Kohlenstoffmetabolismus, oxidative Phosphorylierung, Ergosterolbiosynthese) beeinflusst, die für Morphogenese und Pathogenität von C. albicans kritisch sind. Die Daten liefern eine rationale Grundlage für die Weiterentwicklung von Farnesol-basierten Antimykotika.

doi:10.1097/CM9.0000000000000420

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