Tracheale Intubation bei Patienten mit Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19)

Tracheale Intubation bei Patienten mit Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19): Eine Querschnittsstudie in China

Die COVID-19-Pandemie hat weltweit erhebliche Todesfälle verursacht, wobei die tracheale Intubation als kritische Intervention bei der Behandlung schwerer Verläufe gilt. Schätzungen zufolge wird diese Prozedur bei 2,3 % der hospitalisierten COVID-19-Patienten durchgeführt. Als aerosolgenerierende Maßnahme birgt sie ein hohes Infektionsrisiko für medizinisches Personal. Die Balance zwischen der Minimierung von Aerosolfreisetzung und der Sicherstellung einer suffizienten Oxygenierung stellt im Vergleich zum akuten Atemnotsyndrom (ARDS) besondere Herausforderungen dar. Diese Studie untersucht Unterschiede in der Intubationspraxis zwischen Ärzten mit und ohne Erfahrung in der COVID-19-Intubation.

Die Studie wurde von der Airway Management Group der Chinesischen Gesellschaft für Anästhesiologie (CSA) unterstützt und von der Ethikkommission des Beijing Hospital genehmigt. Auf schriftliche Einwilligung wurde verzichtet. Zwei Fragebögen wurden entwickelt: Fragebogen A für Ärzte mit COVID-19-Intubationserfahrung und Fragebogen B für Ärzte ohne solche Erfahrung. Beide erfassten demografische Daten, Krankenhausmerkmale sowie spezifische Intubationspraktiken (Atemwegseinschätzung, Präoxygenierung, Medikation). Fragebogen A dokumentierte zusätzlich die Anzahl intubierter COVID-19-Patienten.

Die Befragung erfolgte über die Plattform Wenjuanxing vom 18. bis 31. März 2020. Von 3916 Teilnehmenden wurden 153 valide Antworten zu Fragebogen A und 3744 zu Fragebogen B analysiert. Insgesamt wurden 633 Intubationen durch 153 Ärzte erfasst.

Signifikante Unterschiede zeigten sich in der klinischen Praxis:

  • Assistenzpersonal: 41 Ärzte der Intubationsgruppe führten die Prozedur ohne Assistenz durch, während 447 Ärzte der Nicht-Intubationsgruppe dies planten (P < 0,001).
  • Atemwegseinschätzung: Der modifizierte Mallampati-Test wurde in der Intubationsgruppe seltener angewendet (46 % vs. 80 %, P < 0,001).
  • Präoxygenierung: Nichtinvasive Beatmung (NIV) wurde von der Intubationsgruppe häufiger genutzt (58 % vs. 24 %, P < 0,001).
  • Medikation: Die Nicht-Intubationsgruppe setzte Midazolam (47 % vs. 33 %, P < 0,001) und Etomidat (40 % vs. 31 %, P = 0,022) häufiger ein. Rocuronium >0,9 mg/kg wurde bevorzugt in der Intubationsgruppe verwendet (42 % vs. 25 %, P < 0,001).
  • Laryngoskopie: Beide Gruppen nutzten vergleichbar häufig Videolaryngoskope mit Einmalblättern. Die Tubuspositionskontrolle mittels Auskultation war in der Intubationsgruppe seltener (9 % vs. 22 %, P < 0,001).

Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz erfahrenen Assistenzpersonals gemäß Leitlinien. Personalmangel und Schutzausrüstungsengpässe in der frühen Pandemiephase beeinflussten die Praxis. Die Vermeidung aerosolgenerierender Maßnahmen (z. B. modifizierter Mallampati-Test) war in der Nicht-Intubationsgruppe weniger etabliert. Zur Präoxygenierung wurden mindestens drei Minuten mit NIV oder High-Flow-Nasenkanüle (HFNC) empfohlen.

Propofol, Rocuronium und Sufentanil dominierten die Narkoseeinleitung. Propofol-induzierte Hypotension erforderte bei hämodynamischer Instabilität Midazolam oder Etomidat. Remifentanil/Fentanyl wurde zur Abschwächung kardiovaskulärer Reaktionen empfohlen, während Sufentanil aufgrund langer Anschlagszeit kritisch betrachtet wurde. Ethnische Unterschiede könnten die niedrigeren Rocuronium-Dosen (1,2 mg/kg vs. 0,9 mg/kg) in China erklären.

Die Studie betont die Notwendigkeit spezialisierter Atemwegsmanager für COVID-19-Intubationen. In China übernahmen Anästhesisten überwiegend diese Aufgabe. Unterschiede zwischen Anästhesisten und anderen Fachgruppen (z. B. Pneumologen) bedürfen weiterer Untersuchung.

Zusammenfassend wird für COVID-19-Patienten eine modifizierte Rapid-Sequence-Induktion mit Videolaryngoskopie nach adäquater Präoxygenierung empfohlen. Ärzte ohne COVID-19-Intubationserfahrung zeigten Wissensdefizite bezüglich Aerosolrisiken und praktischer Einschränkungen durch Schutzausrüstung. Gezielte Trainingsprogramme sind erforderlich, um die Sicherheit bei aerosolgenerierenden Prozeduren zu optimieren.

doi: 10.1097/CM9.0000000000001635

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