Übersicht über den multidisziplinären Expertenkonsens Chinas zur perioperativen Gehirngesundheit bei älteren Patienten

Übersicht über den multidisziplinären Expertenkonsens Chinas zur perioperativen Gehirngesundheit bei älteren Patienten

Die rasch alternde Bevölkerung in China stellt Anästhesisten vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die perioperative Gehirngesundheit älterer Patienten. Komorbiditäten und funktioneller Abbau in dieser Bevölkerungsgruppe erhöhen das Risiko zerebraler Komplikationen, die zu langfristiger Morbidität und reduzierter Lebensqualität nach Operationen führen können. Ein multidisziplinäres Expertengremium hat einen Konsens entwickelt, um die Auswirkungen vorbestehender Erkrankungen zu minimieren, die Wiederherstellung der Gehirnfunktion nach Operationen zu unterstützen und postoperative Ergebnisse zu verbessern. Dieser Konsens konzentriert sich auf häufige zentrale Nervensystem-Komorbiditäten und postoperative Komplikationen bei älteren Patienten.

Strategien zur Prävention perioperativer Schlaganfälle
Perioperative Schlaganfälle (0,1–1 % der Fälle) sind überwiegend ischämischer Natur. Risikofaktoren umfassen hohes Alter, Schlaganfallanamnese, Vorhofflimmern sowie vaskuläre und metabolische Erkrankungen. Präventiv sollten chronische Erkrankungen optimiert, regionale Anästhesieverfahren bei Extremitäteneingriffen bevorzugt sowie Dehydratation, Hypotension, Dysglykämie und Hämoglobinwerte <70 g/L vermieden werden. Der Blutdruck sollte nahe dem präoperativen Ausgangswert gehalten werden. Intraoperativ können transkranielle Dopplersonographie und regionale zerebrale Oxygenierungsüberwachung eingesetzt werden. Bei Diabetikern wird eine strikte Glukosekontrolle (7,8–10,0 mmol/L) empfohlen. Die frühzeitige Diagnose mittels NIH Stroke Scale, Bildgebung und neurologischer Konsultation ist entscheidend.

Definition und Prävention perioperativer neurokognitiver Störungen (PND)
PND umfasst postoperative Delirien (POD), verzögerte neurokognitive Erholung (bis 30 Tage) und anhaltende neurokognitive Defizite (bis 12 Monate). POD korreliert mit verlängerten Krankenhausaufenthalten, höheren Kosten und erhöhter Mortalität. Präoperatives kognitives Screening sowie multimodale Interventionen (Ernährung, Physiotherapie, kognitives Training) werden empfohlen. Anticholinergika und Benzodiazepine sollten perioperativ vermieden werden. Regionale Anästhesie, Dexmedetomidin und propofolbasierte TIVA zeigen neuroprotektive Vorteile. Hämoglobinwerte >100 g/L und Blutdruck innerhalb von 20 % des Ausgangswerts sind anzustreben. Postoperative neuropsychologische Tests identifizieren kognitive Defizite. Bei Agitation können Haloperidol oder Dexmedetomidin eingesetzt werden.

Management von Parkinson-Patienten
Präoperativ müssen Mobilität, respiratorische Funktion und psychiatrische Symptome evaluiert werden. Parkinson-Medikation sollte perioperativ fortgeführt werden. Opioide mit serotonerger Wirkung (z.B. Pethidin, Tramadol) sind kontraindiziert. Bei schwerer Dyskinesie wird Intubationsnarkose empfohlen. Postoperativ sind NSAIDs Opioiden vorzuziehen. Antiemetika vom 5-HT3-Typ (Ondansetron) sollten Dopaminantagonisten vorgezogen werden. Bei psychotischen Symptomen sind Clozapin oder Quetiapin indiziert.

Management von Alzheimer-Patienten
Präoperative kognitive und depressive Assessments sind essenziell. Regionale Anästhesie wird bei Extremitäteneingriffen bevorzugt. Bei Allgemeinanästhesie ist propofolbasierte TIVA unter Vermeidung kognitionsbeeinträchtigender Medikamente zu wählen. Multimodale Ansätze reduzieren Delirrisiken.

Umgang mit Angst und Depression
Präoperative psychiatrische Evaluationen sind obligat. Nicht-pharmakologische Interventionen stehen im Vordergrund. Bei schwerer Angststörung oder Suizidalität ist psychiatrische Mitbetreuung indiziert. Arzneimittelinteraktionen zwischen Antidepressiva und Anästhetika müssen berücksichtigt werden.

Perioperative Aspekte bei Schlafstörungen
Die Diagnose erfolgt anhand von Anamnese und Polysomnographie. Langwirksame Benzodiazepine präoperativ vermeiden. Narkosetiefenmonitoring und nicht-pharmakologische Therapien postoperativ priorisieren.

Perioperatives Management bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA)
Das Stop-Bang-Screening identifiziert Risikopatienten. Präoperative CPAP-Therapie ist bei schwerer OSA indiziert. Regionale Anästhesieverfahren und gesicherte Atemwege unter Intubationsnarkose werden empfohlen. Postoperativ sind multimodale Schmerzkonzepte und Pulsoximetrie-Überwachung erforderlich.

Dieser Konsens bietet evidenzbasierte Handlungsempfehlungen zur Optimierung der perioperativen Gehirngesundheit älterer Patienten und adressiert dabei spezifische Komorbiditäten sowie risikominimierende Strategien.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001213

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